Abschiedskaffeetrinken

Dienstag, 02. Juni 2009 - Christine Bose

Zum Abschiedskaffeetrinken war ich heute eingeladen, bei einer 84 Jahre alten Dame in Heiligenstadt . Als sie mich vor wenigen Tagen telefonisch einlud und mir den Grund nannte, war ich irgendwie erschrocken, obwohl jetzt sicher viele Leser sagen werden, dass es sich doch wohl um die normalste Sache der Welt handelt.
Sie zieht in diesem Monat um, nach Kassel zu ihren Kindern. Einige Umzugskartons sind schon gepackt. Sie ist noch richtig gut drauf, bewältigt ihren Haushalt, ist eine sehr angenehme, sehr interessierte, intelligente Gesprächspartnerin. Hör- und Sehvermögen lassen altersbedingt nach, aber das passiert nicht nur Menschen, die über Achtzig sind. Nun haben ihre Kinder mit ihr gesprochen und ihr gesagt, sie wollen sie betreuen, sich um sie kümmern, wenn sie eines Tages nicht mehr allein zurecht kommt. Das geht aber nicht, wenn die Kinder in Kassel wohnen und die Mutter in Heiligenstadt, denn eine Betreuung ist ja nicht mit den bisher üblichen, normalen Besuchen zu vergleichen. Also haben sie gemeinsam beschlossen, Mutter zieht jetzt um, so lange sie noch selbständig ist und einen solchen Umzug gut verkraftet.
Auf dem Heimweg war ich irgendwie nachdenklich und auch ein wenig wehmütig. Ich habe darüber nachgedacht, wie wichtig und unumgänglich es wohl besonders im höheren Alter ist, bereitwillig Kompromisse einzugehen, evtl. nicht mehr so weiter zu leben wie bisher. Einfach aus der Einsicht heraus, es wird der Tag kommen, da brauche ich Hilfe, weil die eigene Kraft nicht mehr ausreicht.
Ein Ärgernis hat es heute für mich gegeben, aber sicher nicht für mich allein. Die Zeitung wird teurer. Nun will ich nicht jammern und meckern. Allerdings muss ich mir seit Jahren von allen Seiten Begründungen anhören, warum die unterschiedlichsten Dinge, Waren und Dienstleistungen teurer geworden sind, teurer sein müssen. Ich hätte ja nicht halb so viel dagegen einzuwenden, wenn ich auch mal einen einzigen Euro mehr auf meinem Konto hätte, redlich erworben durch meine tägliche Arbeit.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.