Sport, Nieten und überhaupt…!
Donnerstag, 03. September 2009 - Ute HinkeldeinSeit acht Wochen haben wir im Zentralklinikum Bad Berka einen Sportlehrer. Sport war nicht gerade mein Lieblingsfach und ich habe mit gemischten Gefühlen meiner ersten Sportstunde, genauer gesagt dem Rollstuhltraining, entgegengesehen. Und dann kam Axel; charmantes Lächeln, braune Haare, hinten zum Haarschwanz zusammengebunden. Kein Sportathlet im üblichen Sinne, eher ein Novalis-Typ.
Heute haben wir Drehübungen geprobt. Dabei hält man nur immer eine Hand am Rad und die andere kann graziös erhoben werden. Das sind erste Schritte in Richtung Rollstuhltanz.
So habe ich mir den historischen Axel Fersen vorgestellt. Er war der Liebhaber von Marie-Antoinette, die als Königin von Frankreich in die Mühlen der französischen Revolution geriet und ihren Kopf verlor. Gestolpert war sie über ein superteueres Diamanten-Halsband, das sie trug, während das Volk hungerte. Der Versuch des Schweden Axel Fersen sie durch Flucht zu retten, misslang; ihr Kopf rollte.
Fuchur knurrte lässig und leicht ironisch: “Für die Orthopäden fängt der Mensch sowieso erst unterhalb des Kopfes an.”
Und Axel lächelte und dachte sich weitere schwungvolle Übungen aus. “Lachen ist durchaus kein schlechter Anfang für eine Freundschaft und es ist bei Weitem ihr bestes Ende”; ein Spruch von Oscar Wilde, der es in sich hat.
11:30 Uhr, MDR 1 Radio Thüringen meldet den Rücktritt von Ministerpräsident Dieter Althaus vom Ministerpräsidentenposten und vom Posten als Landes-Parteivorsitzender der CDU. Was da wohl intern los war? Noch gestern standen alle CDU-Leute einhellig hinter Althaus und Lieberknecht als Ministerpräsidentin war nicht denkbar. Heute ist sie es. Was wird in der Politik nicht permanent gelogen! Der Posten ist also wieder frei und das Machtschachern geht los. Der machtgeile Matschie wird mit der CDU koalieren, weil er Bodo Ramelow um keinen Preis den Aufstieg gönnt. Für den Bürger bedeutet das: Weitere vier Jahre Stillstand unter einer dahinplätschernden Lieberknecht.
Ja, Bodo ist ein passabler Mann. Vor Jahren haben wir uns über die Gewerkschaftsarbeit kennengelernt. Das lief nicht immer konfliktfrei ab, aber er war immer fair. Dieser Mann mit echter Wassermann-Natur ist im Grunde unschlagbar. Bodo ist kommunikativ, herzlich, persönlich und friedenspolitisch engagiert - was will man mehr? In seiner Personalie hätte Thüringen einen guten Ministerpräsidenten, aber mit der Partei “Die Linke” können sich Personen in der SPD und bei den Grünen nicht anfreunden. Das Volk bleibt in dem Gerangel immer auf der Strecke.
Dabei haben wir vor 20 Jahren im Neuen Forum von einer demokratischen Republik geträumt. Nun ist es die; ce` la vie!
Im Rückblick denke ich auch an Rainer Evers, den Niedersachsen aus Herzog Widukinds Stamm, der 1990 kam, um den DGB zu reformieren. Über Jahre hat er sich um unsere Jugendarbeit verdient gemacht und auch Geld gegeben, so z.B. 2000,- DM für die Reise zum Open Air nach Mainz. Sein Markenzeichen war ein Koppel mit der Inschrift “Evangelisches Jungmännerwerk” und er war Mitte Vierzig. Was habe ich mich darüber amüsiert und Rainer konterte: “Warum ist so eine nette Frau so politisch!” Jetzt ist er schon mehrere Jahre tot. Er lag zuletzt auf der Palliativstation, Endstation für Krebs. Das Ende war ganz schlimm; er konnte kaum noch sprechen.
Der Tod ist mächtiger als wir alle; ihm müssen wir uns beugen. Aber jetzt, hier und heute will ich mich dem Leben stellen, denn es gilt meine Liebe für die Leidenschaft in allen Dingen.
