Da bist Du ja wieder, Fuchur! Was hast Du da eben gemurmelt, als ich physiotherapeutisch betreut wurde: “Ihr macht wohl Schnabbel-Training?” Du weißt wohl nicht, dass Frauen drei Dinge zur gleichen Zeit erledigen können!
Fuchur, zweiter Anlauf: Die Tomatenspritzer sind immer noch an der Wand und nun fragst Du mich danach. Mir steht der Sinn nach Künstlerischem. Ich will Dich, Fuchur, bemalen. Er überlegt kurz: Es geht bei ihm nicht, weil er zu viele Haare hat. Ein Drache mit Haaren ist schon ein Sonderfall. Aber auch die können rasiert werden. Ich möchte auf Fuchurs Körper oben einen farbenfrohen Schmetterling und im unteren Bereich Lilien samt Lilienstängel malen. Die Rückseite bekommt eine wunderschöne Blumenwiese, die unten in einem Teich mit zwei Enten mündet. Enten deshalb, weil der gute Drache seine Tierliebe wie folgt geschildert hat: “Enten legen Eier, die schmecken gut. Sie sehen lebend putzig aus und sind ein Genuss als Braten.”
Ohne Kommentar meinerseits. Denn Deine Tatze fährt ganz sanft über meinen Popo. Huch, das kitzelt so! “Wenn es kitzelt und juckt, heilt es”, doziert Herr Drache.
Abschiedslächeln und Tschüß, bis bald wieder!
Das gilt auch für die agile Hanni. Schönes, letztes Sommerwochenende für alle, nur ich liege hier im Luftbett fest.
Nun haben einige Zweibeiner meinen operierten Popo begutachtet. Von “Geht gerade so”, bis “Ist feminingerecht geheilt” war jede Meinung drin. Ich liege weiter rum und heile so vor mich hin. Zur Zeit bin ich eine Art Maikäfer, der auf dem Rücken liegt und zappelt.
Das sah schon anders aus! Mein Leben lang hatte ich, wie es in der DDR hieß, Leitungsfunktionen. Mit 19 war ich Lehrausbilderin, mit 29 Abteilungsleiterin; seit 20 Jahren bin ich Geschäftsführerin und Sprecherin der Thüringer Friedenskoordination. Meine “Gefolgschaft” behauptet hinter meinem Rücken, ich hätte Haare auf den Zähnen. Da ist schon was dran, aber wenn Projekte gut laufen sollen, muss einer sagen, wo es lang geht.
“Kling, klang, Tellerchen.”
Freya steht in der Tür. Haike müht sich, für die Kleine den blauen Kittel passend zu schneiden. Die Freude ist groß, als Freya das Trittbrett an meinem Luftbett entdeckt. Wir können auf gleicher Augenhöhe reden. Vor allen Dingen lächelt sie herzig und streichelt die liebe, kranke Omi.
Mit drei Jahren ist die Welt noch heil.
Mit meiner Tochter Haike-Runa rede ich über die Taufe. Wir sortieren die Fotos, auch die historischen, zu Haikes Taufe und Konfirmation. Da gehen meine Gedanken zurück. Es war toll, dreißig Jahre alt und begehrt zu sein. Jetzt ist vor allen Dingen mein Geld begehrt, das ich an die liebe Familie weitergebe.
Das Leben ist wie das Bild von Dorian Gray. Solange wir können, mittels Kosmetik und Schönheitschirurgie, zeigen wir ein künstliches, schönes Äußeres. Wir sind cool und an die Gesellschaft angepasst. Erst wenn es gar nicht mehr geht, kommen Falten und Krankheit zum Vorschein. Dann sind wir abgeschrieben! Herzlose Kapitalistenwelt!
Aber in Thüringen tut sich was! Ich finde es gut, dass Bodo Ramelow auf den Ministerpräsidenten-Posten verzichtet, damit endlich die Regierungsbildung in Gang kommt. Matschie und die 18-Prozent-SPD, die so gierig an der Macht hängen, haben doch jetzt schon beim Wählervolk verloren. In der Grünen- und Linken-Fraktion wird schon Gesine Schwan als Ministerpräsidentin gehandelt. Spannend wird es schon!
Ich finde es auch in Ordnung, dass Astrid Rothe-Beinlich als Vizepräsidentin vorgeschlagen wurde.
Für den Frieden und die guten Beziehungen zu Russland halte ich die Entscheidung der USA unter Barack Obama für wichtig, aktuell kein Raketenschild in Tschechien und Polen aufzubauen. Da haben wir eine Bedrohung weniger in Europa. Trotzdem, es sieht wacklig genug aus.
Ja, Fuchur, wir tanzen auf dem Vulkan, aber das Leben kann so viel Freunde bringen. Ich mag es zum Beispiel, wenn Du mit Deiner knuddeligen Drachenschnauze bei mir reinschaust und schnüffelst. Mit scharfem Drachenblick alles entdeckst, was krumm und schief ist, Small-Talk machst und Dich dann auf Deine Drachenburg zurückziehst. Meine Fenster sind immer auf!
Wie langweilig wäre wohl mein Krankenhausalltag ohne Fuchur, den Glücksdrachen!