Autorenarchiv

Matthias Biskupek

Matthias Biskupek
Geburtstag
22. 10. 1950
Wohnort
Rudolstadt
Beruf / Tätigkeit
Schriftsteller

http://www.matthias-biskupek.de

Gedichte an den Anschlagsäulen!

Donnerstag, 08. November 2012 - Matthias Biskupek

Das forderte der Lyriker Paul Wiens vor Jahrzehnten in seinem Gedicht „Vermächtnis“. Die Literarische Gesellschaft Thüringen hat dieses jetzt eingelöst. Sie ließ auf farbiges Papier im Format A 1, großbuchstabig, Gedichte drucken – und schaffte es, diese an Anschlagsäulen zu bringen.

Der praktischen Lesbarkeit halber sind es meist kurze Gedichte, von …

Die Wunder der TA

Montag, 01. Oktober 2012 - Matthias Biskupek

Am Sonnabend starb Edgar Külow – ich schickte aus alter Verbundenheit mit der Kulturredaktion der TA am Sonntagmorgen acht Uhr einen klitzekleinen Nachruf per Mail:

Blatt für Eddi

Er fiel auf unter den sächselnden oder berlinernden Kabarettisten im Ländchen DDR. Edgar Külow, der 1925 im Sauerland Geborene, konnte unnachahmlich die Grammatik seiner …

Heimat, meine Trauer

Freitag, 29. Juni 2012 - Matthias Biskupek

Deutschland, meine Trauer
Land im Dämmerschein
Italien, Dein blauer
Himmel musst’ es sein

Die Fakten, die sie schufen:
Es stand gar schnell Zwei Null
Statt Dich nun laut zu rufen,
Hatt ich die Schnauze vull

Ich nahm zur Brust mir einen
Frascati lungo ligth
Um mit Dir zu weinen
In der Dunkelheit …

So kam alsbald die Sonne
Friede kehrte ein -
Italien, meine …

Lehrertag

Dienstag, 12. Juni 2012 - Matthias Biskupek

Heute, liebe Kinder, ist ein Datum, an dem früher Eure Eltern mit Blümchen in die Schule kamen oder einem kleinen Geschenk. Dann, wenn sie in der Unrechtsrepublik wohnten. Denn damals hieß der 12. Juni in der einst üblichen Genitivkonstruktion „Tag des Lehrers“. Wenn ihr nicht wisst, was eine Genitivkonstruktion ist …

Europas Tante / Ein Gedicht vom Blatt

Samstag, 26. Mai 2012 - Matthias Biskupek

Dem Chaos fern, weil dem Markt stets gerecht,
bist nah Du dem Tand, der in Europa nicht schlecht

Bezahlt wird nicht, sagt uns Dario Fo.
Von Räubern umringt, ruft ein Schiller: Hoho!

Man sieht zur Rechten wie in der Linken
Einen halben Piraten herniedersinken.

Denn sprachlos und kalt klirrt Hölderlins Fahn,
So schreitet ein Dichter durch …

Nochmal Wahl-Theater

Dienstag, 24. April 2012 - Matthias Biskupek

Zwei sehr längliche private Mails, ein Telefongespräch und Kommentare in elektronischen und Papierzeitungen wollen unbedingt mit mir jene ganz schlimme Unverschämtheit des hiesigen Intendanten thematisieren: Er hat es gewagt, zu arbeiten, statt den künftigen Vorsitzenden des Rates des Kreises samt seiner Ersten Thüringer Bezirkssekretärin zu einem öffentlichkeitswirksamen, volkswahlvorbereitenden Gespräch zwecks …

Halt! Station hier?

Dienstag, 20. März 2012 - Matthias Biskupek

So heißt ein Projekt für Regelschüler (!) mit dem der Rudolstädter Bahnhof belebt werden soll – durch Bildkunst, Theater und überhaupt alles, was man action und performance nennt. Da auch eine Schreibwerkstatt darunter sein soll, war ich zum gestrigen Treff der Macher geladen.

Erfahrungsgemäß kommt zu Schüler-Schreibwerkstätten immer auch die eine …

Mit dem Gesicht zum Volke

Donnerstag, 01. März 2012 - Matthias Biskupek

In der Hauptstadt des Bezirkes Thüringen, in Bernhard-Vogel-Stadt Erfurt, kam es gestern zu einem machtvollen Bekenntnis zu unserer deutschen Bundesrepublik Deutschland.
Die Erste Bundeskanzlerin und Vorsitzender der Führenden Partei, Dr. Angela Merkel, traf sich mit Bestarbeitern aus allen Schichten des Volkes. Es kam zu einem eindrucksvollen Meinungsaustausch. Dr. Angela Merkel …

Stadtring

Mittwoch, 15. Februar 2012 - Matthias Biskupek

Lokalreporter müssen sicherlich oft auf derlei Sitzungen abhängen – für mich war es ganz erfrischend. Gestern saß der Vorstand des „Stadtrings“ beisammen, um über die „Lange Einkaufs-Nacht“ zu beraten. Der Stadtring ist eine Vereinigung der Innenstadt-Händler und die „Lange Einkaufs-Nacht“ soll am 11. Mai stattfinden, an der man dann bis …

Frauenfeind- und kinderfreundliches Gedicht

Samstag, 21. Januar 2012 - Matthias Biskupek

Der Winter macht die Zündkerzen kaputt
In den großen Automobilen
Die Straßen sind voll von Immergutschutt
Und jungen Frauen, die schielen

Nach wärmenden Männern im Kerzenlicht,
Denen zeigen sie Apfelbaumblüten
Sie werden gerufen von ihrer Pflicht
Und müssen jetzt Kinder ausbrüten

Liste missliebiger Wörter (Mit Ersetzungsempfehlung)

Dienstag, 17. Januar 2012 - Matthias Biskupek

Neger (Bürger)
Zigeunersteak (würzige Fleisch-Gemüse-Kombination)
Zigeuner (Gypsie)
Rasse (Ethnie)
Student (Studierender)
bumsen (poppen)
Lehrer (Lehrkraft, Mehrzahl: Lehrkörper)
Idiot (anders Begabter)
Ausländer (Bürger)
Nazi (Nationalsozialist)
krimineller Jugendlicher (erlebnisorientierter Jugendlicher)
Blödmann (anders Begabter)
Homo (Schwuler)
Mulatte (Schreibfehler für Latte macchiato)
Faschist (Nationalsozialist)
DDR (ehemalige DDR)
Unwort des Jahres (Wort des Jahres)
Behinderung (Handikap)
Bundespräsident (Bundespräsident)
Hausaufgaben (hausaufgaben.de)
Pirat (Parteimitglied)
Amerikaner (Amonplätzchen)
Ehemaliges Kaiserreich (Kaiserreich)
Sachse (Bürger)
Jude (Deutscher jüdischen Glaubens)
Doofkopp (anders Begabter)
Migrationshintergrund (-)
Dämlack (anders Begabter)
Frau (BürgerIn)
Kreis …

Pol.Ök. Kap.

Donnerstag, 22. Dezember 2011 - Matthias Biskupek

Im Lokalblatt hat sich ein Redakteur darangemacht, die unnötigen Ausgaben von Landkreis und Gemeinden aufzulisten, weil sie „sich arm rechneten“. Da geht es um Amtsblätter, Museen, Spaßbad mit großem Zuschuss, Musikschulen, also freiwillige Aufgaben der Kommunen. Der Redakteur kommt zum Schluss, dass z.B. das Spaßbad nur die Eintrittspreise um lächerliche …

Thüringer Theaterzentralismus

Donnerstag, 01. Dezember 2011 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. In dieser Stadt kann man bereits gestern die Zeitung von heute lesen. Oder heute die von morgen. Wenn man abends in der Kneipe sitzt oder ins Kino geht. In der Kulturbrauerei liegt z.B. immer der „Tagesspiegel“ kostenlos da.

Nun bemerkt man bei dessen Lektüre nicht, wie der demokratische Zeitungszentralismus …

Ein Koffer in Berlin

Dienstag, 08. November 2011 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer, nach acht sechs Grad, bläulicher Himmel. Leere Bäume vorm Fenster.

Durch ausgelastete Transportkapazitäten steht hier jetzt ein Koffer mit Hinterlassenschaften meines Vaters. Weder Gold noch Edelsteine, keine Sparbücher, keine Antiquität, nichts wirklich Bibliophiles.
Vor allem Jahrbücher „für Lehrer und Erzieher“ liegen drin, beginnend in den Fünfzigern. Aus den Neunzigern dicke …

Amphitryon vs. Amphytrion

Montag, 24. Oktober 2011 - Matthias Biskupek

Noch blauen die Tage – und abends dräuet Theater. Gestern zu ungewohnter Zeit, Amphitryon, achtzehn Uhr. Das Theater nur gut halb voll – Kleist ist eben nicht direkt die große Sonntagvorabendunterhaltung. Dabei ist das Stück mit Witz gefüllt – man muss es nur sprechen können.
Ein weißer Steg, aber vielleicht auch …

Die Bahnminuten

Mittwoch, 12. Oktober 2011 - Matthias Biskupek

Regen gestern, Regen heute. Mit Bahn und Bus gestern nach Wandlitz; dort gibt es gar viele Kliniken. In einer steht Freund W. und freut sich, dass er wieder aufrecht sich bewegen kann, hatte einen schlimmen Unfall. Wir sind uns einig: Man muss das Gesundheitswesen hierzulande auch mal loben. Es ist …

Manuskriptwanderung

Montag, 26. September 2011 - Matthias Biskupek

Das wichtigste Wochenendereignis, den Babstbesuch, hab ich schon gewürdigt – mein Textlein dazu wird selbstverständlich nur zum innerkirchlichen Gebrauch bestimmt sein und in einem winzigen Berliner Blättchen namens OSSIETZKY erscheinen. Das zwölftwichtigste: die Manuskriptwanderung der Thüringer Schriftsteller in und um Gotha.

Am Sonnabend waren 22 Kollegen, zur Hälfte Kolleginnen, dabei: Rund …

Am späten Morgen steht der Vollmond im Westen

Donnerstag, 15. September 2011 - Matthias Biskupek

Diesen Satz habe ich gerade, während des Stehradelns, vom Himmel abgeschrieben. Er könnte der Beginn eines wunderbaren Freundschafttextes sein, der brav vor sich hin plätscherte und in der Mitte der Story wüsste ich auch, wo sie hinlaufen könnte und warum der Satz am Anfang stehen muss, mit dem aufsteigenden ä …

Dath und die Daten der Bahn

Sonntag, 04. September 2011 - Matthias Biskupek

Im wochenND ein Interview mit Dietmar Dath. Der langjährige FAZ-Kulturredakteur (auch titanic, konkret und spex) vertritt gelegentlich Positionen, die der ND-Politikteil zumindest versucht, während die ND-Kulturredaktionsleitung meist jene Position vertritt, die der FAZ-Politikteil ausruft.
Dath meint zum Scheitern des Sozialismus: „Aber das heißt doch noch lange nicht, dass eine sozialistische …

Gothaer Programm

Dienstag, 23. August 2011 - Matthias Biskupek

Die Friedrich-Ebert Stiftung hatte zu Vortrag und Diskussion zu 50 Jahre Mauerbau ins Gothaer Rathaus geladen. Da es auch um ein Buch gehen sollte, bei dem ich vor zwei Jahren Mitverfasser war, dachte ich: Kannste ja mal hin, zumal die Strecke in anderthalb Stunden zu bewältigen ist, sofern man die …

Statskupp und Rummelboxen

Samstag, 20. August 2011 - Matthias Biskupek

Vor 66 Jahren starb Roda Roda und vor 20 Jahren machte sich Jelzin endgültig auf, vom Swerdlowsker Parteibojaren zum christlich-katharinischen Held der westlichen Welt zu werden. Ich war damals mit einem Kleinbus voller Verwandtschaft und Freunde in jener Gegend, wo Finnland und Schweden aneinanderstoßen. Mücken und einen warmen Bottnischen Meerbusen …

Lyrik zum Tage

Dienstag, 02. August 2011 - Matthias Biskupek

August der Zweite
Von Sachsen
Ging Pleite
Beim Wachsen.

Fragt er Obama,
Den edlen Kenner,
Machn mir Rama-
Dan oder Penner?

Geh nur heeme!
Versetzt der Saddam:
Deine Probleme
Möchtch hamm!

Das Frauenfußball

Montag, 18. Juli 2011 - Matthias Biskupek

Das Frauenfußball hat gesiegt. Das Birgit Prinz wurde nicht Prinz der Welt. Das Silvia Neid erregt nicht mehr Neid. Das Okoyina da Mbabi muss frau nicht mehr aussprechen. Das Kim Kulig ist nicht das Nordkorea. Das Lied geht nicht um die Welt. Die Elfmeterschisse hat das Japan gewonnen gegen das …

Spreeufer und Vierteilen

Dienstag, 12. Juli 2011 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. „Und die Sonne brennt uns knusperbraun, braun wie Schokolade.“ Lesebuch der Unrechtsrepublik, 2. Klasse.

Gestern lange Tour in der Sonne am Spreeufer – am Treptower Park drängeln sich die Yachten – waren die früher auch so massenhaft versammelt? Eher nicht. Stammtisch auf dem Klipper, mager besetzt, aber mit viel …

Bis Öhrfurt nauf

Sonntag, 10. Juli 2011 - Matthias Biskupek

Die Leser der „Thüringer Allgemeinen“ wussten, was ich dieses Wochenende machen werde, weil ich es für die Allgemeinheit dort verkündet habe: „Balkon, Erdbeeren essen, milde Fahrrad-Touren, Biergarten, ä weng in de Saale glotze, wie man hierzulande formuliert.“
Es war dann doch etwas anders: Vormittags nach Jena, Zugfahrt ins Blaue, einer Einladung …

Im Jahr 2061

Dienstag, 28. Juni 2011 - Matthias Biskupek

Wird man sagen:
Wann war die Menschheit glücklich?
Vor einem halben Jahrhundert?

Es war hell bis nach zehn. Grillen
Zirpten. In winzigen Städten gab es
Colle albani. Man malte
Große Plakate mit Farben nicht von IG Farben.
Grillen zirpten. Autos brummten.
In der Ferne. Bellten auch Hunde.
Auch Hunde. Es gab eine Währung namens
Meura. Hieß ein Dorf. Früchte hießen
Domadn …

Pizzeria-Philosophie

Mittwoch, 22. Juni 2011 - Matthias Biskupek

Als Auftakt zur Griechenland-Debatte gestern im Athener Parlament gibt der Lieblings-Italiener am Neumarkt Erfahrungen preis. Der Lieblingsitaliener ist schwäbischer Grieche. Er bietet Episoden:

In Rhodos ein großer Schmuck-Laden eines seiner Verwandten. Prächtige Auslagen, viele hunderttausende Euro Umsatz. Von der Steuer reden wir nicht. Das Gebäude ist vom Staat gemietet, auf 99 …

Pfingsten. In drei Dichterteufels Namen

Samstag, 11. Juni 2011 - Matthias Biskupek

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es dröhnten und goethen
Mann und Maus; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
Übte ein donnerndes Lied die frischaufgetankte Honda;
Jeder Marktstand zeigte die Sprossen und blattweis Salate,
Festlich heiter glänzte der Meiler und düngte die Erde.

Was machen wir zu Pfingsten, wenn die fiesen Blumen blühn?
Wir …

Gesungene Reimrede zum deutschen demokratischen EHEC-Problem

Montag, 06. Juni 2011 - Matthias Biskupek

Es waren die Sprossen
Genossen
Immer weiter
Auf der Sprossenleiter
Schreiten wir Seit an Seit
Denn das war im Oktober
Als das so war
In Leipzig in Sachsen
Im 89-er Jahr
Da haben sie den Marx mit Quarks versetzt
Und die Bauern, die warn so weit
So stopften kleine Teilerchen
In riesengroße Meilerchen
Die haben bis Fukushima gestrählt
Und dann haben wir die Einheit …

Erscheinen Pflicht

Dienstag, 31. Mai 2011 - Matthias Biskupek

Gestern Abend war die Schillerstraße ein wenig wie der Prenzlauer Berg: Vorm KIEDORF saßen die Zecher und der Böse Wirt wachte darüber, dass keiner zu laut wurde, weil es schließlich böse Nachbarn gibt.

Zur Nacht gab es „Erscheinen Pflicht“ im Fernsehen, jenen DEFA-Film von 84, den ich nie gesehen hatte, um …

Am Hohen Tisch der Neuigkeiten

Freitag, 27. Mai 2011 - Matthias Biskupek

Gestern war nun im Bindersleber Medienzentrum die Pracht-Vorstellung der ganz neuen Zeitungsgruppe Thüringen. Trotz umweltstreichelnder Schlagzeilen aus den Häusern OTZ und TA - der Ort ist mit ÖVM nur schwer erreichbar. Das war mir früher, als Autofahrer, kaum aufgefallen. Jetzt gurkt man vom Erfurter Bahnhof mit einer Straßenbahn (20 min …

Was ist ein Newsdesk?

Mittwoch, 18. Mai 2011 - Matthias Biskupek

Liebe Kinder, wir erklären Euch heute einmal, was eine Zeitungsreform bedeutet, also eine zwischen den Zeitungen A und O, die wir der Einfachheit halber TA und OTZ nennen.
Und dazu müssen wir den Newsdesk erklären.
Das ist ein langer, runder Tisch (Achtung! Geometrieaufgabe!), an dem drei kluge Herren sitzen, wir nennen sie …

Die Schuldfragenantwort

Dienstag, 10. Mai 2011 - Matthias Biskupek

Der war nicht.
Dabei wars der.
Der wars nicht.
Sie ist dabei gewesen.
Es ist alles gewesen.
Es ist alles nur ein Gewese.
Man wars nicht, doppelt nicht.
Mehr oder weniger warens alle.
Es kann nur ums Dabeisein gehen.
Das Nichtdabeisein sagt: alles nichts.

Dabei war überhaupt keiner dabei. Es ist nämlich überhaupt nichts dabei. Es war alles lange vorbei …

Plagiat

Dienstag, 03. Mai 2011 - Matthias Biskupek

Es ist Dezember heut im Mai.
Die Nutten haben kältefrei.
Man kratzt das Eis von allen Scheiben.
Die Vorhersager untertreiben.
Die Pressefreiheit kommt erst später.
Durch Kopfschuss starb der Attentäter.
Es zittern göttlich selbst die Toten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein 33-jähriger Pilger fragt mich elektronisch um Rat, wie er künftig 500 - …

Radlers Osterspaziergang

Sonntag, 24. April 2011 - Matthias Biskupek

Vom Fernreisen befreit ist heute die Meute,
Durch des Fahrrades holden belebenden Tritt.
Auf ebenen Wegen treten die Leute
In die Pedale mit frohem Mute;
Das doofe Auto, mit seinem Getute,
Bleibt alleweil im Carport zurück.
An Rasern fehlt’s zum Glück im Revier.
Man nimmt den radelnden Menschen dafür.

Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Ostertagen,
Als …

Die Profis und die Amateure

Freitag, 22. April 2011 - Matthias Biskupek

Wenn man an öffentlich einsehbarem Platze mittags seine Nudeln gabelt, wird man von persönlichen Ansprachen nicht verschont: Wenn Ihr heute Abend Zeit habt, kommt doch zur Voraufführung von unserm Sommertheater für die Bauernhäuser. Wir wollen mal bissel Reaktionen sehen …

Der „Schminkkasten“ bot Heimstatt für den theater-spiel-laden, unser bedeutendstes Amateur- (nicht …

Liebe Rennsteigliedfreunde,

Freitag, 15. April 2011 - Matthias Biskupek

nein, ich kann die gestrige Radiosendung zum 60. Jahrestag des Rennsteigliedes, der eigentlich erst heute ist, nicht ins Netz stellen – mal abgesehen vom Manuskript, aber das ist bei einem Hörstück ziemlich witzlos. Warum es, entgegen anderer Sendungen aus der Reihe „Länderreport“, nicht abrufbar ist, weiß ich auch nicht. An …

Uhufelsen und Stockmannsches Gasthaus

Sonntag, 03. April 2011 - Matthias Biskupek

Gestern winzige Radtour nach Keilhau und zurück (15 km), vorbei am Uhufelsen. Der kam unlängst ins Gespräch: Die Akte vom Duell Fallada - v. Necker 1911 samt Projektil ging von Rudolstadt leihweise nach Carvitz, ins Fallada-Museum. Bei Liersch ist über das Geschehen am Uhufelsen dies zu lesen:

„Necker ist nervös. Er …

Die Iden des März

Mittwoch, 23. März 2011 - Matthias Biskupek

Sonne lacht
Blende acht
Prima Klima
Fukushima
E 8 - E 10
Bauer muss gehn
Alles wahr
Muammar
Blender vor
Karl Theodor

Gschamster Diener

Samstag, 19. März 2011 - Matthias Biskupek

So der Name eines Beisels, also eines Kaffee-Restaurants, in der Wiener Stumpergasse im 6. Bezirk. Am ersten Abend der Wienreise – Theater, Ausstellung, Ausflüge waren erst für die folgenden Tage vorgesehen – landeten wir in diesem Beisl. Ein Abend „Uschi & friends – Oldies“ war angeschrieben. Man fragte: Kommen Sie …

Faktencheck BRD zum Frauentag

Dienstag, 08. März 2011 - Matthias Biskupek

Am heutigen Frauentag werden in der TA nur Beiträge unter Führung von Christine Liebermagd und ihrer Assistentin Paula-Josefine Zärthlich veröffentlicht. Ich darf mich deshalb unter meinem Pseudonym Mathilde Biskupkova einreihen:

Der von mir bewunderte Prof. Klaus Schroeder hat eine Methode entwickelt, die Wahrheit zu beschreiben. Seine Methode darf ich schöpferisch anwenden …

Pomade

Mittwoch, 02. März 2011 - Matthias Biskupek

(…) So beweist unser schneidigster Kriegsverteidigungsminister seit 1945, der an Pomade-Verbrauch selbst Berlusconi übertrifft, dass er mit seinem Rücktritt geschichtlich richtig liegt, oder um es im vom Volke so geliebten Doktor-Guttenberg-Deutsch zu sagen. Er beherrscht den Kairos der Historizität: Pünktlich zum Tag der NVA.

Fußnote zu NVA (Wikipedia): „Die Nationale Volksarmee …

Kno und Panzerwurst

Montag, 28. Februar 2011 - Matthias Biskupek

Vom Literaturkalender schaut mich diese Woche Heinz Knobloch an. Mit Sohn Daniel, 1969. Zu dieser Zeit las ich die ersten Texte von Kno, wie wir sagten. Richtig kennengelernt habe ich ihn 1982. Da war er etwas jünger als ich jetzt. In Leipzig gab es einen Sonderkurs für Schriftsteller; man hatte …

Lyrik vom Leser

Donnerstag, 24. Februar 2011 - Matthias Biskupek

Böse sind sie allesamt,
Diese Zeitungsschmierenlappen.
Machen unsern Gutti krank,
Wollen kippen ihn und kappen.
Denn wir alle sind doch Sünder,
Hauen manchmal kleine Kinder.
Das ist auch kein gutter Zug,
Aber nicht viel schlimmer als
Wenn man vorwirft: Lug und Trug
Einem zack’chen Kriegsminister,
Dem der Orden hängt am Hals.

Diese finstern Intellüllen
Von der grünen Espedeh,
Wolln die eigne Schand verhüllen
Weil …

Neue Enthüllungen

Sonntag, 20. Februar 2011 - Matthias Biskupek

Wegen des Zuspruchs aus weiten Kreisen der Bevölkerung zu meinem gestrigen, öffentlich zugänglichen Tagebucheintrag und der damit einhergehenden Ermutigung, möchte ich heute weitere Details aus meiner Diplomarbeit, laut Titelblatt eingereicht am 16. August 1973 bei der TECHNISCHEN HOCHSCHULE OTTO VON GUERICKE MAGDEBURG, offenlegen.

Hinter „Vertraulichkeitsgrad“ steht ein verräterischer Doppelpunkt, aber nichts …

Regierungsorgan

Dienstag, 15. Februar 2011 - Matthias Biskupek

(…)

Heute morgen sagt das Ostthüringer Regierungsorgan in seinem Kulturteil nichts zum Gastspiel des Rudolstädter Theaters in Berlin, schreibt lieber über Begräbniskultur im Geraer Museum und die Oper Leipzig, bietet aber immerhin auf der Lokalseite eine schmale Spalte: schöner Erfolg, etc.

Die TA gibt ihre Kulturseite für das Gastspiel her, denn nicht …

Sven Regener

Samstag, 12. Februar 2011 - Matthias Biskupek

Das gestrige Datum wird also ein Revolutionskalendertag. Mubarak musste ausm Kuhstall. Nun schimpfen unsere Journalisten, warum Frau Merkel et al nicht schon seit Jahren den Rücktritt von M. gefordert haben. Hm. Ich erinnere mich nicht, dass in unseren staatstragenden Zeitungen wie Ostthüringer Heimatbote oder Frankfuddä Allgemeinmönschliche Zeitung unsere Journalisten solches …

Den Tagebuchdichtern zum Vorbild

Montag, 31. Januar 2011 - Matthias Biskupek

Es ist immer wieder schön & meisterlich, wenn sich der Meister aller Journalisten, Chefredakteur Paul-Josef Raue, zur Sprache äußert. Heute zum Beispiel in einer Kolumne zum „Klassischen Sprachschatz“:
„Nach Karl Kraus, dem genialen Meister der Sprache, finden wir keinen mehr, der souverän und fehlerhaft die deutsche Sprache beherrscht.“
O doch. Wir …

Tipp für Bundeswehrgenossen

Mittwoch, 19. Januar 2011 - Matthias Biskupek

(…) Nachmittags mit Bus nach Erfurt – zwischen Hohenf. Therm. und Erfurt Busbhf. bin ich einziger Fahrgast. Im SPD-Flur des Landtags gibt es unter Anwesenheit einer Landtags-Vizepräsidentin (FDP) und weiterer fünf Landtagsabgeordneten eine Ausstellung mit Fotos aus Siebenbürgen von Andreas Berner. MdL Hans-Jürgen Döring, Lesezeichen-Geschäftsführer i. R. Dr. Martin Straub …

Lyrik auf der TA-Leserseite?

Donnerstag, 13. Januar 2011 - Matthias Biskupek

Offenbar gefallen vielen Lesern die gereimten Dichtungen auf der Leserseite nicht. Manche hingegen sind davon begeistert. Ich fand nun ein gar treffliches Exemplar reimloser Lyrik:

„Ein Kind erblickt das Licht der Welt,
Die es noch nicht kennt
Aber doch immer mehr für sehenswert hält.
Die Wärme der Mutter und ihre Nähe
Sind gut für sein …

Das Jahr 20144 naht

Samstag, 08. Januar 2011 - Matthias Biskupek

Künstler und natürlich auch die Krone der Künstler, die Journalisten, sind immer sehr stolz darauf, dass sie schon in der Schule schlecht in Mathematik waren. Denn ein künstlerisches Gemüt wird von physikalischen Zahlen nur gequält. Ein wunderbares Beispiel heute im Lokalblatt. „SPD denkt laut über kleinere Landkreise nach – CDU …

Auf das Neue Jahr 2011

Freitag, 31. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Das Jahr der Katze
Beginnt mit Kater
DIE helle Zukunft
Ist eine VATER
Morgana. Was beweist:
Nach Berta Brecht
Folgt jeder Schönheit
Das männliche Geschlecht
Auch Zwonullelf
- eine frauliche Zahl -
Beginnt noch weiblich:
Wir haben DIE Wahl,
DIE Freude, DIE Tat
Und erst am Ende
Folgt DER Salat

Musik & Sprungbrett, üppig

Sonntag, 26. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Gestern gab’s am Spätnachmittag ein Weihnachtskonzert im Theater. Silvesterkonzerte sind grundsätzlich lange vorher ausverkauft – beim Weihnachtskonzert konnte man noch freie Plätze sehen – wenige. Vielleicht machte der üppige Schnee (gibt’s üppigen Schnee auf sommerlich üppigen Wiesen?) den Musikliebhabern Probleme – wir bekamen jedenfalls noch Plätze.
Das etwas geschrumpfte Orchester begleitete …

Berlinisch

Donnerstag, 23. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Im Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“. In der Pause am runden Stehtisch - verschiedene, nicht zusammengehörige Leute. Eine Frau redet auf ihre Freundin ein, schiebt im Eifer eine Speisekarte auf dem Tisch ein Stück beiseite, die schiebt ein Glas, das bewegt ein weiteres … und das fällt auf der Gegenseite vom …

Kannste nich meckan

Dienstag, 21. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Die Stadt ist ein Wintermärchen: Minus acht Grad, der Himmel klart auf, wunderbar weiße Hauben, unter denen Autos feste schlafen, festgetrampelte Fußwege; auf dem Wasserturmhügel vorm Fenster fährt zu dieser Stunde – acht Uhr morgens – jemand Schlitten.
Die Stadt ist ein Winterschauspiel: Eiskratzende Bürger, trampelnde Wartende, schlitternde Autos …

Der Stab des Messias

Dienstag, 14. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Wetter- und Weihnachtslage: Vier Grad minus, Pulverschnee. Auf dem Balkon steht der Weihnachtsbaum, eingeschneit.

Leipzigs Kulturbürgermeister soll abgewählt werden. Als Michael Faber vor einiger Zeit in Rudolstadt weite, freute er sich, dass er kraftvolles, originelles Theater sehen konnte. Aber er hätte nie einen öffentlichen Ton gegen Leipzigs Puperthäts-Theater gesagt.

Schließlich das beherrschende …

Grammatisch fast korrekter Blogeintrag

Dienstag, 07. Dezember 2010 - Matthias Biskupek

Umso wichtiger erscheint es mir, die Buben zu fordern, zu fragen, was sie selbst tun, wie sie künftige Vollvertreter mit unter den Lappen nehmen und sich in deren Kontrolle danach einbringen. Zur Aktivität aufrufen bzw. diese anmuhen! Zu viele verstecken sich dahinter „man küsste mal“ oder „da kann ich überhaupt …

Lieber Herr Brix,

Sonntag, 28. November 2010 - Matthias Biskupek

weil Sie als Uwe Zerbst nun schon sooo lange nichts mehr schreiben, aber immer mal wieder hier kommentieren – grad las ich wieder einen recht köstlichen Eintrag - darf ich vielleicht mal einen Zerbstschen Kommentar nachempfinden? Ich habe mich bemüht, Ihre Diktion vollgültigst einzuhalten:

Lieber Herr Zerbst, nun mögen Sie …

Erster Schnee im Val de Saal

Freitag, 26. November 2010 - Matthias Biskupek

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nass und Matsch.
Denn wir sind im Val de Saal.
This is wahrlich such
A good Dachmarke
Like Augias the Starke.

Den zwölf internationalen Lesern dieser Notizen muss ich erklären: Vorgestern wurde in Bad Blankenburg von einer Münchner Werbe-Gruppe unter der Dachmarke Ueblacker die neue Städtedreieck-Werbung für Rudolstadt, Saalfeld …

Rationalisierungs-Vorschlag

Donnerstag, 18. November 2010 - Matthias Biskupek

(…)

Am Nachmittag hatte ich auf dem Alex eine TA gekauft und fand das Interview des Erfurter Opernhaus-Intendanten Guy Montavon. Er plädiert für eine Schließung von Theaterproduktionsorten in Thüringen, weil alles so kleinteilig, die Theaterstädte dicht beisammen lägen. Wenn man Autobahnen baut, könnte man auch anderswo rationalisieren. Natürlich will er …

Quietschendes Beziehungsgefüge

Freitag, 12. November 2010 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. In der „Berliner Zeitung“ von heute beklagt Klaus Staeck, dass durch den E-commerce die sozialen Beziehungen verschwänden, zumindest die realen. Man geht nicht mehr einkaufen, man bekommt anonym zugeschickt. Da hat er sicherlich Recht, zum Glück muss man noch real frühstücken. Im „Cafe am Wasserturm“, in dem ich …

Die Zugucker

Montag, 08. November 2010 - Matthias Biskupek

… ich halte das für eine ausgesprochene schnapsidee künstlern bei der arbeit zuschauen zu wollen verstehe aber natürlich diesen wunsch diesen voyeuristischen reflex voyeuristin zu sein gehört ja geradezu zu meinem beruf gut vielleicht ist das eine gewöhnungssache …

Das ist ein winziger Teil eines Bildes, das ich gestern auf der …

Zierde der Literatur

Samstag, 30. Oktober 2010 - Matthias Biskupek

(…)
Abends mit meinem großen (1,85 m) Kleinverleger nach Weimar. Im Auto signierte ich Exemplare der „Blütenlese“, weil vielleicht doch ein Käuferansturm bei der Buchpremiere zu erwarten war und die „Blütenlese“ ohnehin numeriert und signiert sein muss.
In der Eckermann-Buchhandlung sehr guter Besuch – für eine Lesung – und sehr …

Großes Dankeschön von jenseits der 60

Sonntag, 24. Oktober 2010 - Matthias Biskupek

Ja, jener Privat-Feiertag, für den niemand etwas kann, zu dem einem aber alle gratulieren, ist überstanden. Einen herzlichen Dank jenen TAgebuchschreiberinnen, die mich mit freundlichen Geburtstagswünschen bedachten, besonders Hannelore Grünler mit Radiotip und einem Gedicht und Heike Wrede. Von Gitte Glase-Winkler gabs auch beste Wünsche und Uwe Zerbst schickte elektronische …

In der Migration angekommen

Montag, 18. Oktober 2010 - Matthias Biskupek

Man entflieht dem Thüringer Grauwetter, indem man am Sonntagvormittag in den Zug nach Norden steigt und in Berlin wieder aussteigt. Blauer Himmel, kalte Luft, güldne Blätter, Goldener Herbst.

Im Zug ein erstes Erlebnis zur Integration & Migration. Die Schaffnerin versucht mit einem Fahrgast, jung, blond, rundköpfig, zu reden; will wohl seinen …

Herbstgedicht zum Neunten Zehnten

Samstag, 09. Oktober 2010 - Matthias Biskupek

Am Himmel ziehen Wolkenhaufen
Und vor einundzwanzig Jahren sind wir tapfer immer um den Leipziger Ring rumgelaufen
Das Weinlaub färbt sich rot
Und vor zweiundwanzig Jahren soffen wir uns an dem viel zu süßen Murfatlar fast tot
Die Blätter fallen leis herunter
Und vor dreiundzwanzig Jahren wurden wir immer erst so richtig nach zehn Uhr …

Die Einheit in Schwaben

Dienstag, 05. Oktober 2010 - Matthias Biskupek

Richtig einheitlich war das Wetter über die Einheitsfeiertage in Deutschland nicht. In Schwaben, speziell in Ulm, regnete es am Freitag und Sonnabend, also Samstag. Man konnte im Trocknen ein Mauermuseum anschauen, im benachbarten Aalen. Die Mauer hieß Limes und es gab Wachtürme und freie Schussflächen davor. Außerdem erinnerte die Ordnung …

Die Hartz-IV-Sätze

Montag, 27. September 2010 - Matthias Biskupek

Hartz vier mich wär nischde, is ä viel zu weit wegges Gebürge.
Vier sind der Hartz! Vier sind der Hartz!!
Hartz und Vier das reimt sich nier.
Hartz Vier, Ertzgebürge Fümf, Alppen Sechs.

Sehr schlechtes Russisch

Samstag, 25. September 2010 - Matthias Biskupek

Pragramm dlja sewodnja:

Knishnij magasin otkrüwajet. Malenkaja visita u isdatjelstwa w gandwerkerchofje.
Poslje adjinazatch tschasow: Dom imenie Schillera – drusja chudoshestwenüje krasiwüje knigi is Ljepziga w Rudolstadtje. Ja tschitajo malenkije gumoreski.

Na wetschera: teatr w schminkkastenje. „Slabenkuju minutku“. Nado pisatch dlja snamenitije tjuringije gasjetuj.

Werbung und neue Wörter

Dienstag, 21. September 2010 - Matthias Biskupek

Das ANNAPAM in der Augsburger Bäckergasse wirbt für meine Vorstellung am 3. Oktober zum „Tag der sächsisch-schwäbischen Einheit“ so: „Tipp: Dienstag, 21. 09. 2010 um 13.05 Uhr die Sendung ‚Länderreport: Der Sachse siecht – wie wir uns selber feiern’ im Deutschlandradio Kultur hören!“

Gestern Nachmittag schönes Septemberwetter. Mit dem Fahrrad eine …

Das Zugtürschlussproblem

Freitag, 17. September 2010 - Matthias Biskupek

Gestern Vormittag in Nehmzows neuem Atelier am alten Ort. Viel Platz und viel voll – man sieht einfach, dass er ein fleißiger Mensch ist. Worüber spricht man in unserem Alter? Krankheiten … neinneinnein, natürlich die Arbeit, die Weltlage, die Berliner Türkenlage und das deutsche demokratische Wetter.

Die Fahrt nach Sömmerda mit …

Frackgeld

Freitag, 10. September 2010 - Matthias Biskupek

Auf dem Weg vom Ruhrgebiet nach heeme kommt der berühmte Erzgebirg(l)er Sudeluwe vorbei und hinterlässt ein halbfertiges Manuskript, das ich doch bitte alsbald lesen und werten und bessern möge. Höre gerade, dass es für Musiker, wenn sie eigentlich kein Honorar verlangen, dennoch ein „Frackgeld“ gibt. Ich verlange für Freundesdienste ja …

Das halbierte Deutschland ganz

Freitag, 03. September 2010 - Matthias Biskupek

Da wallt dem Türken auch sein Blut,
er trifft die Deutsche Bank so gut,
er haut ihr ab mit einem Streich
die Kompetenz und Kenntnis gleich.
Als er das wacker nun vollbracht,
da fasst er’s Argument mit Macht,
er schwingt es auf des Doktors Kopf,
haut durch bis auf den Gurgelknopf,
haut auch den Christen noch zu …

Das Sarrazin-Deutsch ohne Umschweife

Donnerstag, 02. September 2010 - Matthias Biskupek

Also, äh, also, Sie müssen ja nicht, Sie müssen ja nicht, ähm, die Sache so, die Sache so sehen, ich, ähm, ich, ähm, ich gehe ja, ich gehe ja, von ganz anderen, von ganz anderen, ähm, Voraussetzungen aus, von ganz anderen Voraussetzungen. Wenn ich das noch sagen darf, ähm, wenn …

Sonnennachmittag in Jena

Mittwoch, 01. September 2010 - Matthias Biskupek

Gestern nach vier. Die Unter- und die Oberschichten mischen sich an Jenas „Neuer Mitte“. Gutbetuchte Studenten (im Wortsinn). Kopftuchtürkin (oder Araberin?) mit vielleicht auch teurem Tuch. Einer sieht aus wie ein DDR-Bürger, ein anderer wie ein Kölner. Wie sieht ein Kölner aus? Ein sehr dünnes Mädel (ist das Wort abwertend?) …

Starkregen und Opferverband

Dienstag, 24. August 2010 - Matthias Biskupek

Weil der Begriff „Starkregen“ neu und stark ist, vermutet das verbildete Volk, dass es den früher nicht gab – und ordnet ihn als übliche Klimakatastrophenankündigung ein. Dafür gab es früher den Begriff „Wolkenbruch“, der aber aufgrund seiner Unwissenschaftlichkeit von den Wetterfröschen nicht genutzt werden darf. Dabei habe ich schon vor …

Trolle, brix und Uwe

Freitag, 20. August 2010 - Matthias Biskupek

Wie ich grad lese, gab’s mal wieder einen Kommentarbaum, (16.8.) weil ein kurzer Eintrag von Frau Schaller zu einem Kommentar vom uns allen wohlbekannten brix führte.

Vielleicht sollte man dem erregten Uwe, nicht zu verwechseln mit Uwe Zerbst, der nicht mit brix verwechselt werden möchte, sagen, dass es früher wirklich mehr …

Regen. Nacht. Dach.

Dienstag, 17. August 2010 - Matthias Biskupek

Es klopft.
Es klopft heftig.
Es pladdert.
Es trommelt.
Es donnert.
Es trommelt.
Es pladdert.
Es donnert.
Es klopft.
Es klöpfelt.
Es tröpfelt.
Stille.
Es klopft.
(Dreizehn Zeilen)

Guter Ort

Donnerstag, 12. August 2010 - Matthias Biskupek

Acht Uhr am Morgen ist es düster, Regen platscht und die Autos fahren allesamt mit Licht. Die Pflanzenwelt hat von gelb wieder auf grün umgeschaltet.

Nach dem gestrigen Spiel gegen Saarbrücken sollte der FC Carl Zeiss sich in Jena 07 umbenennen.

Derzeit bin ich abends zu inhäusigem Verweilen verdonnert. So gucke ich …

Küche & Messer

Donnerstag, 05. August 2010 - Matthias Biskupek

Bei Durchsicht des schönen Kästner-Bandes „Die Gedichte“ für die nächste Eule-Kolumne, fällt mir ein Text auf, der seltsam mit einem zeitgenössischen Lied korrespondiert:

ANSPRACHE AN MILLIONÄRE

Warum wollt ihr solange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden …

Rom-Berlin ohne Achse

Sonntag, 01. August 2010 - Matthias Biskupek

Danke für die Interpretation meiner gestrigen Vierzeiler. Immerhin stehen zwischen den Strophen leere Zeilen, die man mitlesen muss – wir nannten das früher „zwischen den Zeilen“. Aber vielleicht hat Uwe Brix aus Zerbst das längst vergessen. Frau Grünler hingegen weiß, dass Schreiben durchaus Therapie ist. Was das für die Tagebuchnotiz …

Last July Deprimation

Samstag, 31. Juli 2010 - Matthias Biskupek

Keine Lust
Ausm Sessel aufzustehn
Keine Lust
Ins Buch zu gucken

Keine Lust
Mitm Finger zu zucken
Keine Lust
Einfach Stückl zu gehn

Keine Lust
Zu hörn, wo der Körper zickt
Keine Lust
Zu tun, was sich schickt

Jede Lust
Alles sein zu lassen
Keine Lust
Leben anzufassen

Keine Lust
Das hier hinzupinseln
Keine Lust
Noch mehr rumzuwinseln

Keine Lust
Wie doch immer schon
Auf einen Scheißreim
Namens Deprimation

Grass da, ich weg

Montag, 05. Juli 2010 - Matthias Biskupek

Er war im Kunsthaus Müller zu Wurzbach, und obwohl die Weltliteraturkritik weiß, dass Grass ein begnadeter Tänzer ist, schlug er per Zug um Rudolstadt samt Tanzfest einen Boden, fuhr nämlich ab Saalfeld nach heeme.
Also traf ich G. nicht. Hingegen waren viele andere am Wochenende in Rudolstadt und mit manchen redete …

Arlo Guthrie

Samstag, 03. Juli 2010 - Matthias Biskupek

Am Morgen ist die Welt noch kühl. Radle eine Runde an der Saale entlang, die Zelt-Stadt beginnt in Volkstedt auf der Insel, dann rechts-saalisch die stillstehende Blech- und Leinwandlawine. Lange, aber friedliche Schlangen an den Kaffeeständen; die TA wird an solchem Tag nicht in die Danzfäsdstadt geliefert, damit ich meinen …

Der Garten Eden

Dienstag, 29. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Er liegt ein Stück hinter der B2, direkt am Kloster Mildenfurth. Marita und Volkmar Kühn haben einen Zaubergarten geschaffen, voller Bäume und Baumartige, Klettergewächse und Kräutlein Niesmitlust. Und voller Kühn-Plastiken. In einem Gartenstück stehen die Kleinbronzen von Kühn sehr solitär, wie man das wohl nennt. Die „Rote Huzule“ begrüßt den …

Brief ans Frauenzentrum Weimar

Dienstag, 22. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Sehr geehrte Christiane Kloweit,

Sie haben einen langen Brief an den Kulturredakteur der TA gerichtet. Es geht um meinen Text zum „Fest der Leidenschaften“, von vier Thüringer Schillerstädten. Aus Jena, Rudolstadt und Meiningen …

Warum es mir heute gut geht

Freitag, 18. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Ich muss nicht den Bundespräsidenten wählen.
Ich muss keiner führenden Partei angehören.
Ich muss mich nicht um Aktienpakete kümmern.
Ich kann an „Kraft“ mit Wehmut und Freude denken, weil ich nicht „Hannelore“ sondern „Gisela“ vor Augen habe.
Ich muss kein Gewicht auf mein Gewicht legen.
Ich muss nicht, aber kann dichten.
Ich kann Uwe Brix und …

Goldberg

Mittwoch, 16. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Meinen gestrigen Eintrag in diesem Blog hatte ich auch als Kommentar unter Goldbergs Beitrag gesetzt. Als ich abends ins Netz schaute, standen dort viele Goldberg-Beschimpfungen mit und ohne Klarnamen. Einem davon, einem eher friedlichen, antwortet Goldberg heute in einem TAcheles. Doch der letzte jener Netz-Einträge, ein ellenlanger, von einem gewissen …

Reichsparteitag

Dienstag, 15. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Zum heutigen klugen Beitrag von Henryk Goldberg “Die deutschen Farben” , der, um es in ironischer DDR-Sprache zu sagen, mir ein “innerer Parteitag” war, muss man denn doch auf einen Fehler hinweisen.
Wenn es denn um historische Sprach-Wahrheit geht.
„Genossen“ waren Mitglieder der SED, „Genossen Genossen“ waren SED-Mitglieder in der NVA, …

Lyrik vom Tagebuchleser

Sonntag, 13. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Ach wie war es doch vordem
Mit Leserdichtung angenehm.
Man holperte durch alle Knittel
Und nutzte nur die mittel-
Guten wie auch allerbeste
Dichtertageswerkesreste.

Heut’ woll’n sich auf Leserseiten
Kaum noch hübsch’ Gedichte breiten.
Drum folget hier mein Stoßgebet
Ich wünsch mir ein Metaphernbeet!
Presst Sie aus Euch, Seelennöte,
Liebesschwüre, Kopfgedanken,
Und macht’s grad so wie Herr Göthe
Lasst uns Dichterlüste tanken.

Alle sollten …

Steuernummer & Hörbücher

Freitag, 11. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Am frühen Morgen ist die Welt noch kühl und in Ordnung. Vom Erdbeerhof Gebesee gibt es das Kilo Erdbeeren für 4,90. Neben dem Steuerberatungsbüro öffnen die Läden und Lädchen; heute nur eine TLZ bei der Zeitungstante. Im Beratungsbüro gibt es die Erklärung für 2009. Allerlei Unterschriften und ein freundliches Gespräch …

Abendgeräusche vorm Balkon

Donnerstag, 10. Juni 2010 - Matthias Biskupek

In der Platane gegenüber zwitschert es. Die Eisenbahn dröhnt im Saaletal. Saitenzupfen. Der Schäferhund von Hümpe bölkt, statt zu bellen. Das Gymnasium wirft es als Echo zurück. Zwitschern. Ein Fiat biegt um die Ecke. Die Katze huckelbuckelt immer zengsdengeleng. Das ist unhörbar. Keckern im Hain. Frauenlachen an der Käseglocke. Ein …

Weimar und Neuenhagen ohne Kaatschen

Sonntag, 06. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Die Presse wird es morgen hoffentlich melden – zumindest Freund Frank wird es in die TLZ setzen: Die alte, also junge Thüringer Schriftstellerverbandsvorsitzende ist auch die neue. Anne Gallinat. Der Vorstand ist etwas erweitert worden; noch immer Ostthüringen in der Mehrheit, aber Südthüringen hat jetzt zwei Plätze, Zentralthüringen ebenfalls zwei …

Hotte K.

Mittwoch, 02. Juni 2010 - Matthias Biskupek

Elf Grad, Nieselregen, eine graugrüne Juniwelt. Und im Radio muss ich hören, dass Horst Köhler bei Ostdeutschen beliebt gewesen sei. Sergej Lochthofen befragt man dazu, und er redet ein bisschen drumrum, widerspricht dieser merkwürdigen These von der offensichtlich besonderen Blödheit der Ossis aber leider nicht direkt. Wiglaf Droste aus Ostwestfalen …

Das Märchen vom “Bricklebritt”

Sonntag, 30. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Das ist das Schöne im Netz: Man findet Anregungen zum Schreiben. Im Grimmschen Märchen muss man nur „Bricklebrit“ rufen, und schon käckert einem der Esel einen ganzen Haufen Gold vor de Fieß. Im Netz hingegen muss man nur brix oder brixel25@gmx.de rufen, und schon erhebt sich eine sonore Stimme und …

Abgrund von Landesverrat

Freitag, 28. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Wie es so geht: Eben das Manuskript für „Das Tolle Jahr von Erfurt“ ausgedruckt und dabei den Autortext schön deutlich gefettet. Damit ich ihn morgen im Halleschen Studio beim Aufsagen gut sehe. Dabei festgestellt: Habe Sprecher und Autortext mal verwechselt. Fehlerkorrekturen beim Wiederlesen.

Die Vergangenheit wiedergefunden: Vor einigen Tagen wurde dem …

Frauen ohne Männer

Donnerstag, 27. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Wie ich sehe, schreiben fast nur noch Frauen in diesem Blog. Wenn man von Manfred Grund und uwe brix absieht. Aber Frauen lesen ja auch mehr, gehen zu Buchpräsentationen und diskutieren lieber als Männer über Literatur. Und sorgen so dafür, dass die Schriftstellerzunft auch weiterhin nicht nur am Hungerbrokat nagen …

Zurückgeblättert

Montag, 17. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Habe mal geschaut, was in der vergangenen Woche in diesem Blog geschrieben wurde: Klagen über das Wetter, Freude über Menowin Fröhlich. Und in den Kommentaren geht es darum, dass Uwe Zerbst nicht mehr schreibt, sondern sich löschen ließ. Ich habe von ihm eine private Mail bekommen: „Die Nichtachtung der TA …

Winterreise an die Donau

Sonntag, 16. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Das Freiluftprogramm der vergangenen Tage musste vorwiegend unter Dach und Fach stattfinden: Folglich Besichtigung der Elektronenstrahlmikroskopie auf dem Eselsberg – ein Uni-Bau, der vielleicht einen Architekturpreis erringen könnte, aber nicht die Sympathie der Benutzer, wie man user heißt. Viel umbauter Raum, Steinchen und Bäumchen, nur manchmal Aug & Herz erfreuend. …

Die Extremisten und die Eitelkeit

Montag, 10. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Die NRW-Wahl wird überall zerpflückt und nun steht Schlimmes am Horizont: Mit Extremisten (also Atom-Aussteigern und Energie-Netz-Kontrolleuren) wird womöglich regiert. Immerhin aalte sich die extremistische Partei der Finanzjongleure bisher ganz gut in Düsseldorfer Regierungssesseln.

Der Schillerhaus-Geburtstag gestern fand pikanterweise an Schillers Todestag statt; da wurde nun mal vor einem Jahr unser …

Schweinfurt

Montag, 03. Mai 2010 - Matthias Biskupek

Der burgart-Verleger sagt: Genau das richtige Wetter für eine sonntagvormittägliche Ausstellungseröffnung. Heiß und sonnig wäre schlimm. An der Autobahn 71 ein Rührei-Frühstück; sind knapp eine Stunde vor Beginn im Otto Schäfer-Museum, weit vom Zentrum Schweinfurts entfernt, in einer sehr beschaulichen Villengegend. Wer soll hier her kommen?

Die Schäfers haben Geld mit …

Positive Lyrik vom Leser

Montag, 26. April 2010 - Matthias Biskupek

Seit Amtsantritt von einem die deutsche Sprache verteidigenden Chefredakteur wird endlich wieder der deutschen Lyrikstimme ein offenes Gesicht in dieser unserer Tageszeitung gegeben. Ich möchte mich nunmehr sehr gern in diesen stimmgewaltigen Chor hineinreihen.

Unsre sonntägliche Radtour
Von Leser Matthias B. (59)

Wir fuhren mit’s Ratt
Von Rudolstadt
Nach Remme
Immer zengstdengelenge.
Nur vor Eschdorf mussten wir …

Presse & Schotte

Sonntag, 25. April 2010 - Matthias Biskupek

Das sagt heute die Internet-Presse mit Kosenamen ddp und Kennung TA:
„Kulturminister Christoph Matschie (SPD) hat am Samstag in Erfurt die Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Wie sein Ministerium mitteilte, hatte zuvor eine Jury aus 734 Einsendungen 28 Literaten ausgewählt, davon sechs aus Thüringen und 22 aus Hessen. Ihre …

Das Flugwesen, es entwickelt sich

Dienstag, 20. April 2010 - Matthias Biskupek

Mehr muss in diesen und den kommenden Tagen als Eintrag hier nicht stehen.

Geschichte in der Wiederaufbereitungsanlage

Samstag, 17. April 2010 - Matthias Biskupek

Es gibt sie in allen Systemen, die Aufbereiter der Geschichte zu Gefallen der huldreichen Gönner. Zwei Beispiele aus einem Monatsjournal und der heutigen Tagespresse. Zum einen werden die „kritischen DDR-Schriftsteller“, sprich: Christa Wolf, Volker Braun, Stefan Heym, Christoph Hein samt und sonders als Feiglinge, Opportunisten usw. bezeichnet. „Was sind das …

Finkenherd bis Smolensk

Sonntag, 11. April 2010 - Matthias Biskupek

Nachostertage - vorbei. In Quedlinburg gefühlte tausend der exakt 1300 Fachwerkhäuser angesehen bzw. gestreift, bzw. vorbeisausen lassen bei Radeltouren über Kopfsteinpflaster. Von den dreißig Seiten Papiertagebuch „Harzreise“ sollen dreißig Zeilen öffentlich hier herumstehen.
An Museen gab es diese: Feininger, mit Aquarellen über Federzeichnungen, von denen wenigstens 1 Blatt gut in unser …

Das richtige Parteibuch

Samstag, 03. April 2010 - Matthias Biskupek

Langsam wird es wieder wie zu DDR-Zeiten – man schaut morgens in die offiziöse Presse und wundert sich, wie Wirklichkeit verzerrt wird. Zum Beispiel ist das „Gefecht“ in Kundus von seiten der Taliban beispiellos feige, aus dem Hinterhalt geführt worden. Hm. Schön, dass die Bundeswehr tapfer, heldisch, fair und politisch …

Malermäßige Instandsetzung

Montag, 29. März 2010 - Matthias Biskupek

Da heute obige stattfindet und gestern ein neuerer Peter-Hacks-Band mich beschäftigte, will ich drei Resultate der innigen Verflechtung beider mitteilen:

Man spürt Staub immer erst dann, wenn man sich entschließt, denselben zu beseitigen. Anders gedacht: Entschlösse man sich zur Maxime, Staub immer zu ignorieren, lebte es sich leichter, gesünder und sehr …

Berliner Brinntemmbs

Freitag, 26. März 2010 - Matthias Biskupek

Der Frühling wurde eingestellt
Ins Netz von Wald und Feld.
Er lädt und lädt,
Denn er beansprucht
Speicherkapazität
In voller Wucht …

Die Kunden rechnen sich was aus.
Ein fescher Bänker tritt vors Haus
Und niemanden vors Schienenbein.
Er raucht und raucht
Und steht allein
Im Zwirn so fein …

Die Spatzen twittern es vom Dach:
Ach, Ach, der Kach-,
Der Kachelmann hat es …

Buchmesse vorbei

Sonntag, 21. März 2010 - Matthias Biskupek

Natürlich tobt sie heute noch in allen Glas- und Kojenräumen – aber für mich ist sie vorbei. Andreas Zeidler hat eine wahrlich treffliche Bild-Dokumentation geliefert, die ich grad durchblätterte - mit Lutz Jahoda, den er ablichtete, unterhielt ich mich am Stand von NoRa über unsere böhmisch-polnischen Namen. Er kannte alle …

Hundename, Küchengewürz

Dienstag, 16. März 2010 - Matthias Biskupek

(…)

Apropos Zeitungen: Es geht ein weiteres Stück voran auf dem Weg zur Pressezentralisierung und -verflachung. Allüberall News-desk mit braver Essener Soße. Ab heute ist der Internet-Auftritt der drei Thüringer WAZ-Blätter gleich, nur in der Farbe verschieden. Immerhin, man kann jetzt unter OTZ einen Beitrag von Frank Quilitzsch (TLZ-Redakteur) finden, wodurch …

Alban Kramer, Theodor Dokter und Silke Galli

Freitag, 12. März 2010 - Matthias Biskupek

Lieber Matthias Alban-Galli, Du hast am 11. März einen Eintrag gemacht, den das geschätzte Tagebuchkollektiv nicht recht wird entschlüsseln können. Auch ich musste eine Weile nachdenken; was habe ich, der hier den Ehrennamen M.B. trägt, wieder Böses mit Parodien verbrochen? Nun steht fast jede Woche eine Gedichtparodie in meinem öffentlichen …

Frauenfeindlicher Terminkalender

Samstag, 06. März 2010 - Matthias Biskupek

Ja, wir haben alle ganz sehr heftig viel zu tun. Doch natürlich soll man gelegentlich einen Blick ins Leben und einen halben in dieses TAgebuch werfen. Das tat ich soeben, weil eine Mitschreiberin mir dies anempfahl, da werden nämlich vom Andreas die Jenny und die Heike und die Elke und …

Einzig & Artig

Sonntag, 28. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Es ist längst an der Zeit, wieder mal einen wichtigen, von inhaltlicher Relevanz getragenen Beitrag, welcher am Rande auch an die morgige ruhmreiche Gründung der Nationalen Volksarmee erinnert und zehn Kommas, auch Kommatatütatas genannt, enthält, hier einzustellen, um in einem tollen Satz all das Herrliche und Schöne & Gute, welches …

Umfrage für Arbeitslose

Dienstag, 23. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Trotz ihrer seltsamen Personalpolitik, die diese Zeitung deutschlandweit in unfreundliche Schlagzeilen brachte und allerlei intelligente Leser vertrieb – leider zu Recht - ist man dem Blatt ja immer noch gewogen. Und denkt also, ihr bei der Qualitätsverbesserung zu helfen, wenn man an einer Netzumfrage teilnimmt. Könnte ja sein, sie fragt, …

Walter Erbse

Montag, 22. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Bei den Recherchen zum “Tag der Thüringer Literatur” (fällt diesmal zusammen mit dem Welttheatertag am 27.3.) blättere ich in Walter Erbses dramatischen Versuchen. Der Name Erbse war früher fast nur in und um Rudolstadt beheimatet, drängte etwas in benachbarte thüringische Gemeinden. Jetzt gibt es 54 Telefoneinträge bundesweit. Er hat ein …

Beim Dichterzirkel gelauscht

Mittwoch, 17. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Die knapp zweihundert brav absolvierten jungen Dichtertexte der vergangenen Tage haben Nachwirkungen. Als Gegenmittel eine Prise Parodie, selbstverständlich NICHT auf Kosten der zarten, jungen, sondern mehrerer älterer lyrischer Gewächse. Zunächst basteln wir uns ein

SAISONALES GELEGENHEITSGEDICHT
Bauanleitung mit Hilfestellung

Schläfrig schaukelt der (Jahreszeit)
In (mehrfarbiges Substantiv).
Der (einfarbiges Substantiv) verbreitet
(Morgenkühle / Abendsonne / Abschiedsstimmung).
Matt taumeln …

Mary& Lizzy und der Sportsgeist

Samstag, 13. Februar 2010 - Matthias Biskupek

„Maria Stuart“ gestern im Theater war schon ein gut Ding – es wollte nicht zu viel Weile haben: 2 Stündchen reichten. Zwei herausragende Königinnen (…) Die größte Szene für mich: Die Stuart im weißen Büßerhemdchen, versucht zu fliehen, zickzackt wie eine verzweifelte Maus über die Bühne, wird von der Herrenmeute …

Gewölbekeller mit Heimatdichtern

Donnerstag, 11. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Gestern abend ein voller Gewölbekeller in Weimar – hundert? – immerhin lasen ein Fünftel davon Texte von Gisela – auch ein paar für G. Mal sehen, ob ich sie, in einigermaßen geordneter Reihenfolge, noch zusammenkriege: Annette Seemann moderierte; Wulf Kirsten, Landolf Scherzer, Ulrike Müller, Angela Egli, Ursula Schütt, Wolfgang Haak, …

Zur Urheberrechtsdebatte

Mittwoch, 10. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Ma oskan oodata. Tengo una averia. Mis se maksab? La cuenta por favor. Mul on kahju. Hablo solo un poco. Ma lähen kohju. En la primera esquina. Kakskümmend kaks. Me duele aqui. Täna on ilus ilm. Natürlich besichtigen wir auch die Ilm. Venceremos companeros y seltsimees. Gewiss fehlen die Haken …

Nachdenkliches Gedenken

Montag, 08. Februar 2010 - Matthias Biskupek

Heute feiert Eva Strittmatter ihren achtzigsten Geburtstag. Ein Erfurter Kabarettist, dessen Hintername mit A und dessen Vordername mit U anfängt, parodierte sie einst als Eva-Maria-Strickmutter. Beiden hat’s nicht geschadet. E. S. und U. A.

Karl Valentins 62. Todestag ist morgen. Mögen hätt ich schon wollen aber dürfen hab ich mich nicht …

Heute auf FIGARO

Mittwoch, 27. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Der Künstler aus dem Thüringer Wald, einst von Gästebuchbeschreibern als „entartet“ geziehen, (siehe Notiz vom 24.1.2010) schickt mir seinen Katalog von 2007 mit freundlichen Grüßen. Er erinnert sich noch an meinen Artikel dazu in der „Weltbühne“ – weiß aber nicht 83/84. Oder 85? Könnte ja mal meine gesammelten roten Hefte …

Entartung

Sonntag, 24. Januar 2010 - Matthias Biskupek

In den Achtzigern besuchte ich im Thüringer Wald eine Kunstausstellung. Der Künstler stellte realistische und abstrakte Bilder aus. Im Gästebuch gab es böse Eintragungen, bei denen immer mal wieder Derartiges zu lesen war: „Solch Entartetes gehört nicht in unsern schönen Thüringer Wald.“ „Dieser sogenannte ‚Künstler’ ist einfach nur entartet.“

Ich schrieb …

Wie wichtig ist das große I?

Donnerstag, 21. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Wie ich sehe, gibt’s in diesem Blog eine kleine Diskussion, in der nicht nur süßliche Streicheleinheiten verteilt werden, wie wunderbar doch der Klausi und das Dorle wieder geschrieben haben. Christa-Maria Schaller hat am 20. 1. 2010 jenes „starke Bedürfnis einzelner Autoren nach Veröffentlichung in der Tageszeitung und Würdigung für die …

Plötzliche Blöße

Montag, 18. Januar 2010 - Matthias Biskupek

(…) sie stand vor mir mit jener schüchtern-lasziven Offenheit, hinter der sich ein sehnsuchtsvolles Verlangen so jugendlich-hingebungsvoll zu verbergen schien, dass meine Männlichkeit in den bedrängtesten Aufstand geriet und ich mit einem Male ebenfalls die verordnete Enge jener Textilien aus den volkseigenen Limbach-Oberfrohnaer Bekleidungswerken zu spüren begann … (mehr zu …

Text von gestern

Freitag, 15. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Eine Leserin meines Netztagebuches bittet mich, einen Teil meiner gestrigen Notiz auch hier einzustellen. Ich tue es – auf eigene Gefahr.

(…) Die Reichseisenbahn bringt mich nach Weimar. In der Eckermann-Buchhandlung Gespräch zwischen Lochthofen und Möller. Beide erinnern sich verschieden – sehr unterschiedliche Wege zum Journalismus, West- und Oststraße. Auf Lochthofens …

Zur TAgesordnung

Montag, 11. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Nach dem Pressebeben Ende November, Anfang Dezember ist Ruhe eingekehrt. Sergej ging, Paul-Josef kam. Die andern blieben - vorerst. Im Impressum steht noch die alte TA-Mannschaft, samt Antje-Marie und Stellvertreter Löhr. Kein böser Leserbrief mehr, nirgends. Im „Journalist“ gab’s eine längere Chronik der Ereignisse, mit Zitaten von Schrotthofer und Co. …

Splitter

Freitag, 08. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Das kreischende Kind, dessen Schlitten umkippt. Der Anruf eines völlig Unbekannten, der nach Giselas Beerdigung fragt. Die Mail zu meiner Mail. Der Gutschein für eine Frühstückstüte. Die Suche nach einem Synonym für Literarische Landeskunde. Die kochenden Kartoffeln. Die Familien-Geschichten des Hans Acht. Seine Fellmütze. Die grünen und salzigen …

Blick- und Grußkontakt

Montag, 04. Januar 2010 - Matthias Biskupek

Der Märchenwinter hält Rudolstadt fest im Griff, alle Bäume weiß, obwohl es im italienisch anmutenden Weinbergsträßchen nur zwei Grad minus sind. Die Wege sind gefegt, die Straßen tragen Matsch, Schneemehl oder eine festgefahrene weiße Decke. Langsamer und vielleicht auch stiller als sonst fahren Autos und nur der griesgrämige Nachbar Hümpe …

Am Ende der Nullerjahre

Donnerstag, 31. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Allerlei Bücher
In trockenen Tüchern.
Muggen die Menge.
Texte auf Länge.
Wirbel geschont,
Wenig gelohnt.
Fürs Radio geschrieben
Und gesprochen.
Mich nicht gerochen
An Schwätzern, Hetzern, Falschvernetzern
Selber Ketzer
Geblieben.
Geschrieben, geschrieben, geschrieben.

Erheischte Aufmerksamkeit

Mittwoch, 30. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Eben habe ich wieder in diesem Blog gelesen, dass er doch mehr Aufmerksamkeit durch die Redaktion bekommen sollte. Ein Leserbrief dazu läge bereit und sollte doch bitte bald gedruckt werden.

Ich habe mal nachgesehen: Ein knappes Dutzend Portale in dieser Zeitung lädt Leser zum Mitmachen ein; das größte – weit vor …

Aus elektron. Weihnachtsbotschaften

Donnerstag, 24. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Ich wünsche Dir frohe Weihnachten und viel Gutes im Jahr 2010 /// zu weihnachten kriegste jetzt noch ein schönes bild von mir im anhang. /// Na mach nur weiter so wirst schon sehn, was du davon hast /// rutschen wir mit dem blitzeis und schneematsch ins neue jahr, wo hoffentlich …

Lieber Herr Zerbst,

Sonntag, 20. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Sie haben mir eben einen längeren Beitrag gewidmet. Danke, ich habe nichts gegen Ihre Einschätzung – nur muss ich Ihnen im Gegenzug einen noch längeren Brief schreiben. Vielleicht sollte man sich in diesem Blog mal über ein Grundrecht unterhalten. Das der informationellen Selbstbestimmung.
Ein schwerfälliger Begriff, gewiss. Er bedeutet: Wieviel Privates …

Einfach gut ausgedrückt

Donnerstag, 17. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Ach sind die heutigen Tagebuchbeiträge von Ziegler, Zerbst-Medeano, Zeidler, Wrede, Wittig, Wild, Wiehle, Werz, Werner, Weiss, Wagner, von Siebeleben, Vogt, Trefz, Topp, Tillmann, Tasch, Strojek, Stottmeier, Seltmann, Schütze, Schunk, Schumann, Schulz, Schneider, Schmidt, Schaller, Schaefer, Rothe-Beinlich, Rommel, Richter, Reißig, Raßlow, Ramelow, Robse, Pohle, Peupelmann, Parschau, Pake, Nicolai, Muschik, Mueller, Müller, …

Gutes Essen in Thüringen

Sonntag, 13. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Die „Thüringer Allgemeine“ wird immer welt- also ruhrgebietshaltiger, seit der WAZ-Konzern aus Essen endlich mal feste zupackt. Da gibt es von der Hochzeit eines pensionierten Parteifunktionärs mit seiner jungen Lebenspartnerin ein TA-Extra. Mit 14 schönen bunten Fotos von Braut und Zeche Zollverein und Bräutigam. Und warum? Weil die Hochzeit …

Die unabhängige Tagebuchkommission

Donnerstag, 10. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Leider hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass eine unabhängige Kommission einberufen wurde, um die besten Tagebuch-Beiträge auszuzeichnen. Sie hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Um der Vielfalt der Beiträge gerecht zu werden, sind Preise in bis zu zwölf Kategorien ausgeschrieben worden. Da gibt es den Richtigschön-Preis, für den richtig …

Autoren in Suhl

Sonntag, 06. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Traditionelle Weihnachtslesungen zum weißnichtwievielten Mal in und um Suhl. In der Stadtbibliothek gleich hinterm Weihnachtsmarkt sollten auf Wunsch der Chefin fünf Autoren Weihnachtsgeschichten lesen; siehe da: alle hatten welche. Verena Zeltner (Neustadt), Anne Gallinat (Saalfeld), M.B., Ursel Schütt und Holger Uske (beide Suhl). Es kamen vor: Engel, das Arbeitsamt mit …

Paul-Josefs Nachtlied

Donnerstag, 03. Dezember 2009 - Matthias Biskupek

Im Impressum sitzt er nu
In der Zeitung spürest Du
Noch keinen Hauch
Redakteure schweigen im Walde
Warte nur balde
Schlafen wir Leser
Auch

Lustig, lustig, tralalalala

Samstag, 28. November 2009 - Matthias Biskupek

Mein etwas längerer Tagebucheintrag steht heute in der Papier-TA. Er wurde, wie fast alle meine Texte für diese Zeitung, vom Ressortleiter Kultur angeregt. Der lässt heute, entgegen seiner sonstigen zurückhaltenden bescheidenen Art, einen persönlichen Beitrag drucken. Über seinen Mitstreiter, Chef und Freund Sergej Lochthofen. Ein Thema, das, wie ich bemerke, …

Leben in der DDR - Bilder und Geschichten

Donnerstag, 26. November 2009 - Matthias Biskupek

So heißt der drei Pfund schwere Band aus dem Eulenspiegel Verlag, den ich als Beleg zugeschickt bekam. Man könnte ja meinen: es ist genug mit all der Aufarbeiterei. Aber angesichts einer immer verzerrteren Darstellung jener 40 Jahre – Hosianna oder Kreuziget sie! – sind solche Bücher fürs Gedächtnis vielleicht ganz …

Drei Tage Schweiz

Mittwoch, 25. November 2009 - Matthias Biskupek

Auf meinem Schreibtisch liegt „Schweiz heute – Ein Lesebuch“, herausgegeben im Jahre 1976, bei „Volk und Welt“. Darin hatte ich vor der Schweizreise gelesen. Ich sollte in Bern etwas über mein Schweiz-Verhältnis erzählen. Das begann damals mit intensiver Lektüre, wie bei Nicht-Reise-Kadern in der DDR üblich – bevor ich die …

Chemnitz

Freitag, 20. November 2009 - Matthias Biskupek

Wenn ich gelegentlich darin herumtappe, wird es mir von Mal zu Mal fremder. Die Straße der Nationen heißt noch so, aber der Rosenhof ist keiner mehr. Die Einkaufspaläste stehen wie in Wiesbaden oder Magdeburg herum. Irgendwann gab es hier die mARTa und die Galerie “oben”– aber das ist lange her. …

Zum Hundertsten

Montag, 16. November 2009 - Matthias Biskupek

Max Zimmering wurde heute vor hundert Jahren in Pirna geboren. Als Sachse, Jude, Kommunist und Anlass-Dichter zu vielen, vor allem Ulbricht-Geburtstagen sicherlich eine merkwürdige Mischung. Ehren wir ihn, indem wir uns und unseren Freistaatsführungen nützen und ein Gedicht zum Ruhme des jeweils führenden friedlichen Revolutionärs fügen:

Damals, als bestes Blut in …

Digitales Eigentum

Freitag, 13. November 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Bei den gestrigen vormittäglichen Schriftsteller-Podien im ver.di-Palast ging es um Texte im Netz, Bücher bei Google und jenen Gewinn, den Server und Werbe-Industrien aus den vielen geistigen Leistungen ziehen, die überall durchs Netz schwirren. Eine hübsche Einlassung eines Kollegen dazu:

Eigentum ist sozial gebunden – dieser Verfassungsgrundsatz fällt den …

Schiller-Gala

Mittwoch, 11. November 2009 - Matthias Biskupek

„Gala, eine Zeitschrift, wenn es die zu Schillers Zeiten gegeben hätte, hätte er sie wohl nie gelesen.“ So eine der Mensching-Karusseitschen Sentenzen, die gestern auf der Bühne fielen. Das schönste Blödelkabarett: Dialog zwischen Dr. Heilbutt alias Thomas Rühmann und Mensching. Die beste Kostümleistung: Thomas Thiemes Schuhe. Die beste Selbstverspottung: Dieter …

Aufdringliche Werbung

Montag, 09. November 2009 - Matthias Biskupek

Heute abend spielen die Jazzer Joe Sachse und Uli Weber im Volksbad zu Jena unter dem Titel „Die Worttrompetengitarre oder Das hymnische Deutschland“ auf. Die unpassenden Texte zum Großen Jubiläum spricht ein gewisser Matthias Biskupek. Der Beginn ist zwanzig Uhr und der Eintritt nicht frei. Keinerlei Werbung gibt es hingegen …

Von Weihrauchkörnlein und Tadel

Freitag, 06. November 2009 - Matthias Biskupek

Der güldne November leuchtet heute morgen in Zimmer und Herz, was zum Hölty-Zitat verleitet: „Stets wahre Gleichmut Freund und Zufriedenheit / Wann Dir der Rezensent ein Weihrauchkörnlein streuet/ Oder spöttischen Tadel verströmt und Grobheit.“

Zwei neue Rezensionen zum „Glück des richtigen Geldes“ gibt es. Das „Freie Wort“ schreibt von „gelungener Kombination …

Personaltableau (name dropping)

Mittwoch, 04. November 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Acht Uhr fünfzig stehen am Gleis elf des Leipziger Hauptbahnhofs zwei Thüringer Bundestagsabgeordnete in vertraulichem Gespräch beieinander. C. S. von der SPD und K. G.-E. von den Grünen. Kein Hoffmeister, Lochthofen, Erzigkeit in Sichtweite. Diese interessante Personalie (Leipziger Bahnhofs-Pakt) wird also morgen nicht in TA, TLZ oder OTZ …

Die Novemberlyrik

Sonntag, 01. November 2009 - Matthias Biskupek

Im bleichen Mond November
Von fern sang Ute Lemper
Die Windel, die hieß Pamper
Und ich, ja ich remember:

Ein jedesmal bevor de sterbst
Zieht ein der farbendüstre Herbst
Vom Appenzeller bis nach Zerbst
Vom Käse bis zur Leberwurst

Es schwindet letzter Lebensdurst
Vom Jammertal bis Freudenberg
Auch eine Ute wie die Lemper
Da geht er hin und heißt November…

Gemeinschaft

Donnerstag, 29. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Einen streitbaren Text von Adam Soboczynski gefunden: „Das Netz als Feind – Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird (…) Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem …

Vergessen, Erinnern

Mittwoch, 28. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Lese im Zug hierher die Zeitungsbeiträge zum Tode von Heinz Czechowski. Die Regionalblätter schweigen vornehm, weder TA noch OTZ rührt heute auch nur einen Journalistenfinger für ihn. Rühmliche Ausnahme: die TLZ mit ihrem F. Q.
Czecho war halt bloß Sachse, in Frankfurt/M. verstorben, da kann man ihn mal vergessen …

Toleranz mit Schlutzkrapfen

Dienstag, 27. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Eben lese ich in der TA, dass nur die zeitweilige Umfunktionierung zu Lagerhalle und Tanzsaal das bauliche Überleben der Erfurter Synagoge sicherte. Ähnliches gestern auch auf der Heidecksburg. Zur Eröffnung der kleinen Kabinett-Ausstellung „Rudolstädter Judaica“ mit Thorarolle und wohlrestaurierten Textilien sind an die hundert Leute gekommen. Die drei Eröffnungsredner verweisen …

Ländliche Heimvolkshochschule

Samstag, 17. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Ein schöner Begriff. Weil ich wissen will, ob meine heutige Veranstaltung korrekt im Netz eingefangen ist, suche ich „Kloster Donndorf, Biskupek“ – und finde 49 Meldungen. (Mit „Heimvolkshochschule“ sind es gleich zwanzig mehr). Die meisten erzählen von längst vergangenen Lesungen – aber das Programm der „Ländlichen Heimvolkshochschule“ – man kann …

Kinderwaldstätte 66

Mittwoch, 14. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Gelegentlich verquicken sich Erlebnisse: Am Sonntag sann ich während der Zugfahrt nach Mittweida über die Station „Kinderwaldstätte“. Einst achtsilbig Karl-Marx-Stadt-Kinderwaldstätte, jetzt zum Siebensilber Chemnitz-Kinderwaldstätte geschrumpft. In meinem Kopf gehört K zu K – die Kinderwaldstätte konnte nur in Karl-Marx-Stadt liegen – übrigens ein Halt im Wald, man ahnte und ahnt …

Sprach-und-Info-Kunst

Montag, 12. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Frühmorgens wird man durch einen Leserbrief im Lokalblatt erheitert. Ein abgewählter Politiker der Blockpartei-CDU schreibt von der „Spitze einer Kette von Äußerungen“. Ich stelle mir vor, wie auf der Kettenspitze Äußerungen balanciert werden …
Drei Zeilen zuvor hat der tapfere promovierte Sprach-Schnitzer nämlich schon von einer „Welle von Äußerungen“ geschrieben, …

Eckermann-Buchhandlung mit Bäckerdutzend-Prosa

Freitag, 09. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Was ein Nobelpreis für den kleinen Handelsmann bedeutet, sehe ich gestern abend in der Weimarer Eckermann-Buchhandlung. Gleich nach dem Herta-Müller-Wunder 13.00 Uhr bestellte die Buchhandlung in allen Auslieferungen Bücher von ihr – am Abend teilen alle Computer mit: Nicht lieferbar …

Das kleine Wunder fand oben statt: Zehn Jahrgänge und dreißig …

Tagebuch-Manier. Dem 60. Geburtstag unserer Republik gewidmet

Mittwoch, 07. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Ach, war das heute ein wunderschöner Tag, welcher sich mir toll darbot. Ich sprach mit einem Bürger, auf dessen Gesicht sich ein helles Leuchten ergab. Das ist echt cool, dachte ich in einer modernen Redeweise, die ich an jungen Menschen stets achtungsvoll anerkenne. Ich selbst bin ein hilfsbereites Mitglied unserer …

Staatsfeiertag mit Pinakothek

Sonntag, 04. Oktober 2009 - Matthias Biskupek

Am 3. Oktober war ich schon in Saarbrücken, paar Mal in Berlin und auch schon im Ausland. Dieses Jahr also München, weil in einer Frauen-Werkstatt ein paar Worte zu Ost- und Westtheater gesagt werden sollen. Die Werkstatt ist am Nachmittag – ich schwänze also zwei sicherlich wunderbare Vorträge und gucke …

Die feigen und die recherchierenden Journalisten

Mittwoch, 30. September 2009 - Matthias Biskupek

Der Chefkommentar des Chefredakteurs im randthüringischen Morgenblatt: Bejahend im Sinne der herrschenden Zentralklasse in Thüringen. SPD darf etwas mitregieren, aber nicht mit neuen Personen und schon gar nicht mit LINKEN. Kontinuität, Stabilität, Sessel, Eisbein, Feierabend. So agitierte der heutige Chefredakteur auch schon vor 22 Jahren. Damals hieß die Zeitung noch …

Hacks mit Variation & Interpretation

Sonntag, 27. September 2009 - Matthias Biskupek

Der Herbst steht auf der Leiter
Und malt die Blätter an.
Ein lustiger Waldarbeiter,
Ein froher Malersmann.

Der Herbst, er fällt den Leiter,
Und schmiert die Leute aus.
Ein lustiger Kurz-Arbeiter,
Ein frohes Du-bist-raus.

Interpretation, physikalisch: Der Autor verwendet den Begriff „Leiter“ im elektrischen Sinne. Es kommt in der dritten Zeile zum Kurzschluss (ungewollter Stromfluss durch lebende Materie), …

Tagebuchnotiz mit Kripo

Samstag, 26. September 2009 - Matthias Biskupek

„Am 20. Juli das Erlebnis der dritten Art: Auf einem asphaltierten Wander- und Radweg, ca. 4 m breit, Hinweisschilder auf dem Boden „Achtung Fußgänger!“ – PKW bis 50 km/h dürfen ihn befahren – an einer Ausweichstelle (8 m breit) kommt ein PKW angeschossen (…) Der Fahrer sieht mein an der …

Entschleunigung

Dienstag, 22. September 2009 - Matthias Biskupek

Manchmal kommt ein Wort plötzlich aus vielen Ecken auf einen zu. Bei unserer Weinwanderung am Wochenende hieß es: wir wandern entschleunigt. Das lag an der körperlichen Verfassung von unsereinem und an den zahlreichen zwischendurch genossenen Wein-Quantums (Wein-Quanten wären ja große Stiefel, mit denen man durch Wein watet).

In der Rezension von …

Die Texträtselstruktur

Donnerstag, 17. September 2009 - Matthias Biskupek

Beim Radioeinlesen (das ist ein schönes Wort) wird mir bedeutet, nicht so hochdeutsch zu sprechen. Also: die Bedeutung der Hochdeutscheinlesung wird heruntergestuft. Oder: Die Sprechung einer Hocheindeutschung ist von der Bedeutung her radiohaft.

Gut schreimor noch was Verninftjazz: Nachdem ich eine Weile in der Redaktion OSSIETZKY (Greifswalder 4) im Versinksofa über …

Heinrichsort mit Haiku

Montag, 14. September 2009 - Matthias Biskupek

Ein Wochenende mit einem halben Tausend Nazis in Pößneck und mehr Gegendemonstranten, zu denen sich sogar Christine Lieberknecht gesellte – Althaus Verschwinden bringt endlich was zustande. In Heinrichsort bei Wurzbach tummelten sich derweil die Thüringer Schriftsteller zwischen Manuskripten, Schieferbrüchen und Kartoffelsuppe mit Würstchen. Manche Kollegen fragt man alle Jahre dasselbe …

Texte aufsagen

Dienstag, 08. September 2009 - Matthias Biskupek

Unsere Eulenspiegel-Lesungen nannten wir so. Ich glaube, Renate Holland-Moritz hat das erfunden. Oder „Mit Betonung vorlesen“.

Mit Betonung vorlesen ist schön. Man kann seinen Text erproben, ihm nachhören, die Eitelkeit befriedigen und manchmal auch noch Leute erfreuen. Zudem bekommt man (meist) Geld dafür. Oft mehr, als wenn man den Text irgendwo …

Die Balance der Stabilisatoren

Freitag, 04. September 2009 - Matthias Biskupek

Die rotbraune Streunerkatze balanciert heute morgen ausdauernd auf den Stahlstreben des Autounterstandes (für Deutsche: Carport) und im Lokalmorgenblatt lese ich, dass in Jena eine Tagung zur DDR-Literatur stattfand. Mit Experten wie Prof. Meinhold, der im DDR-Schriftstellerverband nie ein böses, eigentlich gar kein Wort wagte, dafür 1990 ganz schnell die Entfernung …

Friseurpreise und Bytom

Sonntag, 30. August 2009 - Matthias Biskupek

Der gestrige Tag tröpfelte kühl – eine größere Radtour fiel also aus; etwas Schwimmen, Moor-Packung; den neuen Herta-Müller-Roman ausgelesen.
Dafür ließ ich mir vormittags den Rüssel putzen, wie man in Sachsen zum Rasieren sagte. Ein Vergleich der Friseurpreise offenbart doch Merkwürdiges. In der thüringischen Provinz kostet mich einmal Bartscheren (auf …

Anweisungen, Kriegerdenkmal zum zweiten und Chile

Samstag, 29. August 2009 - Matthias Biskupek

Eine Auswahl von Anweisungen, die der willige REHA-Patient gern ausführt:
Wir führen die Arme eng am Körper entlang nach oben.
Wir drücken das Becken fest auf die Matte.
Wir stellen uns vor, unsere Stirn hängt an einem Faden an der Decke.
Wir führen das Reissäckchen abwechselnd unter den angewinkelten Beinen durch.
Wir schaufeln das Wasser …

Briefwählers Leiden

Freitag, 28. August 2009 - Matthias Biskupek

Wahl-Zwischenspurt: DeutschlandRadio Kultur bringt heute Mittag einen Landgang extra „Land-Tag-Wahl“, achtzehn hoffentlich humorvolle Minuten zu den Wahlen in Thüringen und Sachsen. MDR FIGARO beendet seine erste Kabarettisten-Serie „Achtung Wahlkampf! – Vorsicht Satire!“. Ich war schon vor zehn Tagen dran und kann deshalb „Briefwählers Leiden“ hier als meine ultimativ letzte Wählermeinung …

In der Diaspora

Montag, 24. August 2009 - Matthias Biskupek

Die evangelische Kirche von Bad Driburg hat anstelle eines Allerweltsaltarbildes eine große Orgel – davor ein schlichtes Kreuz. Die Kirche steht auch nicht wie üblich in Ost-West-Richtung, sondern eingenordet. Der Pfarrer erklärt mir, die 1853 gebaute Kirche musste/sollte sich den Sichtachsen der Gräflichen Latifundien fügen. (Heute: „Gräfliches Gesundheits- und Fitness-Bad“, …

Neues aus der Anstalt

Donnerstag, 20. August 2009 - Matthias Biskupek

gibt es nicht viel zu melden. Die Anstalt zur Wiederherstellung und Erneuerung der gesundheitlichen Kräfte sowie zur max. Reproduktion der Arbeitskraft zwecks immer besseren Wohlergehens der Gesundheits-Industrie – Kenner sagen REHA – in Bad Driburg lässt den Kurbetrieb rund laufen. In Thüringen kommen die Wahlkämpfer auf Touren und erzählen Altes …

Der tolle Thüringer Dieter

Dienstag, 11. August 2009 - Matthias Biskupek

Wieder mal im „Forum“ der TA und im „Thüringer Tagebuch“ geblättert. Im „Forum“ beharkt man sich heftig wegen Dienstwagen-Ulla und Schweinegrippe, im „Thüringer Tagebuch“ hingegen findet man einander noch immer „toll“: wahrscheinlich herrscht dort Adjektivmangel. Noch immer gibt es Beiträge ganz ohne Kommentar von Uwe Zerbst. Der christliche Demokrat Volker …

funeral master im Erdmöbel

Mittwoch, 05. August 2009 - Matthias Biskupek

…Abends ein Stammtisch mit Katrin Göring-Eckardt im luftigen Schillergarten mit ein paar Künstlermenschen. Sie will wissen, wie sich Kunst und Kultur vernetzen und hört mehr zu, als dass sie erzählt. Immerhin weiß sie offensichtlich aus ihrer Arbeit in der Enquete-Kommission des Bundestages, wie mager freie Künstler hierzulande bezahlt werden.
Die OTZ …

Adolf Endler

Dienstag, 04. August 2009 - Matthias Biskupek

ist gestorben. Die Thüringer Lokalblätter bringen nichts oder einen winzigen AFP-Textschnipsel. Ob „Frankfurter Rundschau“, oder „Welt“ – alle schreiben Exklusiv-Beiträge. Das „Neue Deutschland“ bemüht für seine halbe, klug bebilderte Seite einen holländisch-englischen Germanistikprofessor. Die „Märkische Allgemeine“, auch BLOSS ein Lokalblatt, titelt „Zum Tode des Dichters, der sich den Spaß nicht …

Möcht ihn auch tot

Samstag, 01. August 2009 - Matthias Biskupek

im Wochenblättchen lesen, sagt Frau Marthe Schwerdtlein im „Faust“. Ich lese mich, wie alle eitlen Leute, ganz gern lebendig in der Zeitung. Doch das Thüringer Allgemeine Blättchen mit meiner Mund-Art ist just am Wochenende in der Rudolstädter Fußgängerzone nicht zu haben. Und die online-Ausgabe praktiziert die muselmanische Methode der Beschneidung. …

Zadek und Beipackzettel

Freitag, 31. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Sehr unterschiedlich reflektieren die Medien den Tod von Peter Zadek. Auf FIGARO kam soeben eine sehr persönliche Gesprächs-Erinnerung von Jutta Hoffmann. Die großen Zeitungen von FAZ bis ND schreiben Exklusiv-Beiträge – Hans-Dieter Schütt kann im ND natürlich auf viele eigene Beobachtungen zurückgreifen. In Thüringen macht Wolfgang Hirsch für die TLZ …

Sklavensprache

Mittwoch, 29. Juli 2009 - Matthias Biskupek

In einem MDR-Hörfunk-Gespräch gestern im Studio Halle soll ich mir - noch ins Ungeschnittene, Unreine – Gedanken machen, ob es im DDR-Kabarett eine Sklavensprache gab. Der Begriff „Sklave“ war m. E. in der DDR besetzt – durch den Aufstand des Spartakus. Denn eigentlich waren die Sklaven die Guten, auch wenn …

Letzte Urlaubs-Radkilometer

Sonntag, 26. Juli 2009 - Matthias Biskupek

„Regen, Regen stört uns nicht / Schlägt er uns auch ins Gesicht“ … wer kennt noch die guten alten Zonenschlager? Oder ist das gar gesamtdeutsches Kulturerbe? – Nein, der Regen verhielt sich solidarisch am Freitag und Sonnabend. Im Ilmtal zeigte er sich lediglich in Höhe des berühmten Eisenbahnviadukts als feiner …

Erlebnis von vorgestern

Mittwoch, 22. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Auf einem asphaltierten Wander- und Radweg, ca. 4 m breit, Hinweisschilder auf dem Boden „Achtung Fußgänger!“ – PKW bis 50 km/h dürfen ihn befahren – an einer Ausweichstelle (8 m breit) kommt ein PKW angeschossen, im Kennzeichen das nicht unbekannte AH, was neben HH, 18 und 88 vor einigen Jahren …

Zwischen Wäldern und Flüssen

Freitag, 17. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Eine Lyrik-Anthologie mit diesem Namen fand ich beim Stöbern in einem alten Burger Bücherschrank, zwischen Auszeichnungs-Exemplaren für vorbildliche Arbeit. „Natur und Landschaft in vier Jahrhunderten deutscher Dichtung“, herausgegeben 1965 vom damals kaum dreißigjährigen Heinz Czechowski. Eine Fundgrube für besten Umgang mit Versen, für Toleranz und Modernität. Neben Klassikern stehen die …

Rjasan

Freitag, 10. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Gestern weilten (weilten!) russische Lehrer (nicht Russisch-Lehrer!) zu Besuch in Rudolstadt. Ich erzählte ihnen bisschen über Schiller, was sie als Deutschlehrer gewiss alles wussten. Über das Schillerhaus wussten sie nicht alles – aber ich erfuhr, was ich noch nicht wusste: Rjasan, ihre Heimatstadt, ist auch Heimat von Sergej Jessenin. Die …

Liebe Musikredakteure von MDR-FIGARO

Dienstag, 07. Juli 2009 - Matthias Biskupek

ich höre Euern Sender gern und oft – also nicht selten drei volle Journal-Vormittagsstunden, gelegentlich auch nachmittags oder abends. Zumindest dann, wenn ich im Verbreitungsgebiet bin. Über die Musikmischung will ich nur wenig meckern; ein bissel mehr an Klassik und nicht nur Singersongreiterei wäre vielleicht auch gut.
Was mich erstaunt und …

Lieber Herr Behlert,

Montag, 06. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Sie haben gestern in diesem TAgebuch einen freundlichen Bericht zum tff Rudolstadt geschrieben – Danke. Ein paar Dinge darf ich richtig stellen: Leere Innenstadtgeschäfte finden Sie - leider nicht weniger, eher mehr - auch in anderen Thüringer Kleinstädten, von Artern über Apolda bis Weimar. Was Sie dort nicht finden: …

Kulturvoll

Donnerstag, 02. Juli 2009 - Matthias Biskupek

In der DDR war es eines der häufigsten Worte, wenn man als Brigadier, als Chefin, als Vorgesetzter oder auch als einfache Arbeitsmaid zeigen wollte, dass man den Kultur- und Bildungsplan vollinhaltlich (auch so ein schönes leeres Wort) zu erfüllen gedachte.

Da mich Wörter und deren Verwendungen interessieren, nutze ich die wahrlich …

Abends Thüringen und Sachsen

Mittwoch, 01. Juli 2009 - Matthias Biskupek

Am späten Nachmittag gestern die Buchpremiere von „09.11.1989 – Der Mauerfall – 20 Jahre danach“. Die thüringische Landesvertretung an der Mohrenstraße bot sich als Lese-Ort an, weil die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß Mitherausgeberin ist.
Das Buch hat sehr schweres, sehr weißes Papier und einen graublauen Rundhorizont. Die meisten Autoren schaffen es, …

Propaganda und Wohlklang

Montag, 29. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Im Radio gibt es eine Wort-Betrachtung. Der „Supermarkt“ ist ein Propaganda-Wort, gegenüber der „Kaufhalle“. Denn das Dings ist wirklich nur eine Halle zum Einkaufen – kein Markt von Super-Produkten. Aber in der aufgemotzten Animiersprache hat man halt „Supermarkt“ zu benutzen, der „Kaufhallen“-Sprecher zeigt sich als hoffnungslos zurückgebliebener Ossi. Die Frage, …

Erinnerungsschwangere Herren

Mittwoch, 24. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Im Januar bekam ich eine Einladung, an einer Mauerfall-Anthologie mitzuwirken, herausgegeben von einer Bundestagsabgeordneten und einem freien Journalisten und Herausgeber. Da man einen Text nicht unbedingt eigens dafür schreiben musste, sondern auf Bewährtes zurückgreifen konnte, schickte ich drei Sachen zur Auswahl hin; zwei kamen später als gesetzte Textdokumente wieder, zur …

Siebzig Prozent

Samstag, 20. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Findet man gleich am frühen Morgen eine elektronische Lobes-Post über den heute in der landeshauptstädtischen Zeitung gedruckten Text zur „Klassenlosen Schulgesellschaft“, ist das natürlich aufbauend. Findet man im hiesigen Lokalblatt ebenfalls noch im Morgen-Grauen die Behauptung eines unserer Widerstandserforschers, dass die DDR-deutsche Reichsbahn auf 70 % aller Bahnstrecken zum Schrittempo …

Kontrastprogramm

Freitag, 19. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Gestern nachmittag in der Weimarer Eckermann-Buchhandlung mit einem guten Dutzend älterer Schriftstellerkollegen, Kaffeekuchenkaltgetränk. Erinnerungsaustausch, Leseproben aus neuen Manuskripten. Landolf schenkt Kaffee aus, Kuchen ist von Ellen; ich moderiere ein bisschen. Damit alle rankommen, soll jeder bloß fünf Minuten lesen. Dann Nachfragen, Diskussionen zu Verlags-Abzockern, Urheberrechte. Erbarmungslos muss ich ausufernde Lesungen …

Hochwichtiges Datum

Mittwoch, 17. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Natürlich ist heute ein bedeutender Tag. Vor 199 Jahren wurde Ferdinand Freiligrath geboren („Seht alsdann mit breitem Nacken / Nach den Pommern und Polacken“) und vor 85 Jahren der Märchen- und Hacks-Freund Gotthold Gloger. Tigran Petrosjan, der alte Schach-Kämpe, wäre heute achtzig Jahren geworden, nicht zu verwechseln mit Tigran Schipanski. …

Kinderschaukel

Dienstag, 16. Juni 2009 - Matthias Biskupek

(…) radle gestern abend zum dienstlich-privaten Pressegespräch nach Saalfeld, durch friedlich-feuchtwarmes Wetter. Nur die Rückfahrt muss dann bei Starkregen geschehen. Warte ich nun noch eine halbe Stunde …? Zwar steckt immer der Regenumhang in der Satteltasche, aber der Starkregen meint: Der stört mich nicht.
Nun hat der Liebe Gott ja …

Sinar

Montag, 15. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Der verwunschene Name „Ranis“ liest sich verkehrt noch märchenhafter: „Sinar“. Und märchenhafte Dinge kann man dort allenthalben erleben, wenn zum Beispiel gerade Thüringens größtes Literaturfest stattfindet.
Der Weg dahin mit Bahn und Taxi via Saalfeld und Pößneck ob. Bf. allein ist schon erstaunlich. Denn während man aufs Taxi wartet, kann man …

Das Märchen von Medea und Medeano

Samstag, 13. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Es war einmal eine Schulklasse, in der durften alle Mädchen und Jungen sich die Namen selbst wählen. Ein Mädchen war schlank und klug und nannte sich Medea. Und ein Junge war dick und täppisch und nannte sich aus Ärger über die schlanke, kluge Medea Medea-No. Denn es fuchste ihn gewaltig, …

Gott und Gottsched

Freitag, 12. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Die Schirmherrin dieses Blogs, die „Thüringer Allgemeine“ bringt gelegentlich wunderbare Beiträge auf ihrer Kulturseite. Manchmal aber sind sie – sagen wir so: etwas fehlerhaft. Vor acht Tagen gab ein wichtiger Kulturpublizist seine Beobachtung der lokalen Thüringer Theater zur Kenntnis u. a. dies: In Nordhausen haben es den ganzen Mai keine …

Wie demokratisch darf Kunst sein?

Mittwoch, 10. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Der Himmel blaut, das Wetter braut / sich noch nicht zusammen / Ammen.

Dies ist ein weitgehend kunstloses Gebilde, das einen Kern von Gotteslästerung enthält wegen der Verhohnepiepelung des Gebetsschlusses. Fasse ich diese Worte möglichst groß, unter Verwendung von Gold und Adelsgestein und halte dazu eine Vorlesung über die Bildwirkung …

Lied der Thüringer

Samstag, 06. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Es hat uns alles gegeben.
Sonne und Wind und es geizte nie.
Wo es war, war das Leben.
Wo wir auch sind, isses schie.
Es hat uns niemals verlassen.
Fror auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt das Fehlen der Massen.
Uns trägt Dein mächtiger Scharm.

Thürin-Gen, Thürin-Gen, das ist immer …

Die Eisenacher Methode

Freitag, 05. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Da ich heute in aller Herrgottsfrühe durch die Rudolstädter Innenstadt radle, komme ich in den Besitz einer Papier-TA - genauer, der „Ilmenauer Allgemeinen“. Auf der Kulturseite steht meine Mini-Rezi zu den Fürnberg-Gedichten – gestern geschrieben – heute schon drin. Im Netz steht sie nicht, und wenn ich sie jetzt hierher …

Lockal- und Theaterpolsterticker

Donnerstag, 04. Juni 2009 - Matthias Biskupek

Einer der verquältesten Lokalpolitiker teilt mir per Wurfsendung mit, warum ich ihn unbedingt am Sonntag wählen sollte: wegen seiner „Beteiligung an der Bildung einer rationelleren personellen Struktur im Rathaus“ – sprich Mitwirkung an Entlassungen. Wegen seines Kampfes für die „Benennung der Herbert-Stauch-Straße nach einem Opfer des 17. Juni“ und schließlich …

Bliebe noch

Mittwoch, 03. Juni 2009 - Matthias Biskupek

ein Rätsel für A. in konsequenter kleinschreibung, das vielleicht morgen gelöst werden könnte: erst schminke dann wasche ich mich singe bin stumm. die sanftschwellenden bäuche der flaschentrompeter. dem winter folgt der sommer der begierde. auf dass er sich ein opfer fasse. Die freude teilend, denn es wuchs durch hände …

Unrechtspfingsten und Rechtspfingsten

Sonntag, 31. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Die ungerechte Straßenverkehrsordnung. Der ungerechte Biologieunterricht. Das ungerechte gemeinsame Lernen. Der ungerechte Baumkataster. Die ungerechte deutsche Rechtschreibung. Die ungerechte Ehescheidung. Der ungerechte Benzinpreis. Die ungerechten Soldatenuniformen. Das ungerechte Übernachten unverheirateter Paare. Die ungerechten Imkerstandorte. Die ungerechten Löhne und Gehälter. Die ungerechte Kreiseinteilung. Die ungerechten Parkplatzgebühren. Die ungerechte Oder-Neiße-Grenze. Die ungerechten …

In eiszeitlicher Landschaft

Freitag, 29. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Vor der Haustür entsteht ein zugeschüttetes Loch, jedenfalls rumpelt und pumpelt der Bagger, kreischt eine Säge und neigen sich sorgenvolle Köpfe über Bauunterlagen. Der schöne, gelbe, märkische Sand ragt als Kegel neben dem zugeschütteten Loch im Halbfertigzustand.

Gestern Frontstadtbesuch mit dem Rad. Am Brandenburger Tor wird man problemlos durchgewinkt. …

Maxim-Gurken-Theater

Donnerstag, 28. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Das war vielleicht doch nicht die beste Entscheidung: Büchners „Leonce und Lena“ im Maxim-Gorki-Theater. Alternativ wäre gestern abend „Der zerbrochene Krug“ im DT oder „Dichterleben“ mit Wulf Kirsten und Richard Pietraß gewesen.
Das MGT ist nach wie vor ein sympathisches, wenig edel ausgestattetes, eher kleines Theater im großmächtigen Berlin. Ein Rang, …

Bornholm Eins und Zwo

Dienstag, 26. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Mein Gewerkschaftsblättl kämpft eilfertig mit an der Front der Aufklärung – und teilt in einer Glosse mit, wie grauenhaft die Zensur im Aufbau-Verlag einst, als Elmar Faber ihn leitete, funktionierte. Ich schicke dem Chefredakteur, der offenbar selten aus Schwaben herauskommt, einen freundlichen Brief:

Lieber Herr Baltzer, las gerade Ihren Beitrag zur …

Exkurs, dreigeteilt

Sonntag, 24. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Katrin Gaßmann hat einen überaus anregenden Essay in diesen Blog gestellt. Sie fragt nach Textformen in verschiedenen Umgebungen; warum Textformen missinterpretiert werden. Der Rahmen schütze ein Kunstwerk und stütze die Wahrnehmung seiner Form. „Man könnte nun, wäre es nicht ohnehin kompliziert genug, auch noch mit der Verwechslung spielen. Man könnte …

Der Frühling zündet die Blüten an

Mittwoch, 20. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Wo gibt es noch wirklich normale Essenmengen und kann das als anziehend zum Besuch werten? Ist ein Lachen durchaus zu verstehen. Mein schreibendes Fehlen. Ist ein Lachen durchaus zu verstehen. Auch durften wir die Ersten Besucher der ganz tollen Tierausstellung sehen. Ist ein Lachen durchaus zu verstehen. Die Devise lebe …

Die liberalen Steuern

Montag, 18. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Alle Thüringer Zeitungen verweisen heute auf die Preisverleihung des „Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen“ vergangenen Samstag in Wiesbaden. Zehn erste Preise a 500 Euro, zwei davon gehen nach Thüringen.
Und alle Welt-Presse diskutiert das famose FDP-Steuermodell. Leider verrät niemand, wie dabei öffentlichen Aufgaben bewältigt werden sollen. Wo kommen dann die paar Euro für …

Löcher im Leben

Mittwoch, 13. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Bekam gleich mehrere Anfragen, warum ich gestern und am Sonntag mein Leben in Schweigen hüllte. Darum heute gleich auf allen verfügbaren Netzfrequenzen: Es ist ein Wort von alters her, wer Muße hat, hat es auch schwer.
Gestern hatte ich es leicht auf Burg Ranis – vom Gymnasium Lobenstein war ein Bus …

Der Querschnitt

Dienstag, 05. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Ich habe ein Experiment durchgeführt. Mein Noch-Chef, ein Wessi, nahm es mit Humor, dass er den Spruch auf kyrillisch nicht erlesen konnte. Aber der Sprecher von Pittiplatsch und Herrn Fuchs, da weiß man doch sofort, um wen es sich handelt. Abgesehen von der Hilfe die gut ankommen würde, läuft dort …

Verlautbarung

Samstag, 02. Mai 2009 - Matthias Biskupek

Zu Ehren des gestrigen Kampf- und Feiertags der Werktätigen wurde ein neuer hochleistungsfähiger Drucker von VEB Epson installiert. Er wurde sogleich erfolgreich erprobt, um die Rechnung für sich selbst aus dem gesamtgesellschaftlich immer wichtiger werdenden Internetz auszudrucken. (VEB = Volkswirtschaftlich Eigenfinanzierte Broduktion)

Positiv ist weiterhin anzumerken, dass wiederum zahlreiche Artikel in …

BILD und Doppelselbstmord

Montag, 27. April 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Wenn in Berlin eine Abstimmung stattfand, muss man BILD Berlin lesen. Die Zwangseinführung von Religion als Wahlpflichtfach in der Schule wurde von den Wählern abgelehnt. Etwa 30 Prozent gingen gestern abstimmen – und davon wollte über die Hälfte die jetzige Regelung beibehalten. Das ist in einer Stadt, in …

Jubiläums-Jubel

Donnerstag, 23. April 2009 - Matthias Biskupek

Wenn etwas zum zweiten Mal stattfindet, ist das eine schöne Tradition. Am 25. April findet bereits wiederholt der „Thüringer Tag der Literatur“ statt, weshalb alle lebendigen Thüringer Autoren an diesem Tag in irgendeiner Stadt Thüringens mit Vorlesen, Vortragen, Vorstellen oder vornehm tun beschäftigt sein werden.

Doch ein hochwichtiges Jubiläum gibt’s bereits …

Die Schnitttechnik

Dienstag, 21. April 2009 - Matthias Biskupek

Des Wiedergängers Dieter gute Miene nach seinem bösen Fahrfehler wird heute allüberall besprochen. Doch klar bleibt für die Regierenden: Die Partei, die Partei hat immer recht. So verkünden die guten, treuen SED-Genossen und Einheitslistenwähler von einst, die nunmehr die neue führende Partei seit 19 Jahren mit überwältigender 43-prozentiger Zustimmung stützen, …

Brief an Medea

Mittwoch, 15. April 2009 - Matthias Biskupek

Liebe Medea, das Internet ist eine demokratische Einrichtung – mit Vorzügen und Nachteilen. So hat sich die Anrede „Hallo“ durchgesetzt. Nun mag ich nicht mit Hallo! angebrüllt werden, aber was soll ich machen? Rumzicken?
Sie benutzen die gute alte Briefform „Sehr geehrte/r“. Im Mutterland der Höflichkeit, in England, werde alle, …

Kommentatorenduett

Dienstag, 14. April 2009 - Matthias Biskupek

Chefkommentator: wieder so viele wunderbare einträge. dass und wie diese alle im TAgebuch stehen, zeigt mir, dass dieses TAgebuch nicht nur ein „für sich allein“ sondern doch ein wenig auch „miteinander“ darstellt. und die kommentare sind der zucker in der suppe.

Mimosus sagt: Ganz richtig. Aber vielleicht auch falsch? Oder nicht?

Chefkommentator …

Greindonnerstag

Donnerstag, 09. April 2009 - Matthias Biskupek

Im Radio höre ich, dass der Gründonnerstag vielleicht aus „Greinen“ – also Klagen sich ableitet. Wäre immerhin keine fruchtbarkeitskultige, heidnische, sondern eine kirchliche Deutung, die allerdings nicht viele Unterstützer hat. Denn zu Ostern, das nach neuer deutscher Dummgrammatik „an Ostern“ zu heißen hat, wird durchaus Grünes gegessen, genossen geheiligt. Bisher …

Das Lied vom Montag

Montag, 06. April 2009 - Matthias Biskupek

Das Lied vom Obama
Nach Karl Valentin

Es war Obama hell und klar
Obama sprach so wunderbar
(Wauu Wauu Wauu)
Obama sprach so einzig schön
Ich hab nicht leicht an schönern gsehn
(Waauuuuuu!)
Es geht eim wirklich durchs Gemüt
Wenn man an solch Obaama sieht
(Wau, ich habe gesprochen!)
Doch dauerte es …

Bob Dylan im “bogart”

Freitag, 03. April 2009 - Matthias Biskupek

Gestern abend gegen halb zwölf kommen Petra und Reini in den Pub, hinter ihnen schnürt, vom Auftritt in Erfurt geschafft, Bob Dylan. Die drei setzen sich an den großen Tisch zu uns und den Theaterheinis. Ewa, die den ganzen Abend schon etwas krakeelt, ruft: Na Mensch, wird Zeit dass de …

Sie waren ein ganz wunderbares Publikum!

Mittwoch, 01. April 2009 - Matthias Biskupek

Das sagen Theaterleute, aber auch eifrige Diavortragsbürger immer gern, wenn genügend Zuschauer kamen. So gesehen war mein Publikum gestern beim Erfurter „peterknecht“ ganz ganz wunderbar. Wenn dann noch ein paar Bücher gekauft werden, ist die Freude noch größer, die Buchhandlung wird zum schönen Freudenhaus.

Unser Diavortrag gestern hieß natürlich Lektschn …

Frühlingsgedicht, ein zweites

Freitag, 27. März 2009 - Matthias Biskupek

Von Weltbild Augburg kommt wieder ein Auswahlband: „Sternstunden des DDR-Humors – Die Jahre 1983/84 - Mein Dörfchen das heißt DDR“. Finde meinen Text „Wie meißelt man ein Süßstoffkombinat?“ – er ist offensichtlich damals nur im „Eulenspiegel“ erschienen. Ich hatte ihn vergessen und lese mit Interesse.

Gestern bei einer der vielen Augenärztinnen …

Schulaufsatz

Sonntag, 22. März 2009 - Matthias Biskupek

Nach einwöchiger Lese-und-Juroren-Tour über Land (Sachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt) sehe ich, dass gestern die Papier-TA vermutlich mit sächsisch-thüringischen Befindlichkeiten gefüllt wurde. Von mir finde ich die ersten zehn Zeilen des „Hausaufsatzes über Wahlthüringer“. Der dazu gehörige Schulaufsatz folgt exklusiv und vorerst nur hier:

WEISEN SIE NACH, DASS GEBÜRTIGE SACHSEN ALLEN ANDEREN ÜBERLEGEN …

Herr Biskurek und die langbeinige, junge Sekretärin

Sonntag, 15. März 2009 - Matthias Biskupek

Vor einer knappen Woche bekamen offensichtlich alle Tagebuchschreibemenschen einen Brief der Online-Redaktion:
Es wird gott- und netzseidank auch künftig keine Klarstellungsbehörde geben; man darf von „Göttervater“ schreiben wie auch „an Zynismus kaum zu überbieten“. Es werden auch künftig keine Redaktions-Bienchen verteilt für Beiträge, welche zu achtungsvollstem Miteinander aufrufen. Es wird auch …

Im Prinzip

Freitag, 06. März 2009 - Matthias Biskupek

Von gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wurde ich gebeten, eine Richtigstellung zu meinem Eintrag vom 5. 3. 2009 zu schreiben.
Im Prinzip ist es zwar richtig, dass Schriftsteller Honorar bekommen, aber nicht automatisch, von welchen Landesregierungen auch immer. Auch Lesungen sind niemandem garantiert. Es gibt nicht mal ein Worthonorar/Lyrisch nach ver.di-Belletristik-Tabelle. Und …

Klare Ansage

Donnerstag, 05. März 2009 - Matthias Biskupek

Es gehen Gerüchte um, dass man als freier Schriftsteller ganz gut verdiene. Bildende Künstler dürfen ja immerhin, wie Katrin Gaßmann - wahrscheinlich unberechtigterweise - verrät, als künstlerisch wertvolles Funkenmariechen eingesetzt werden. Doch Schriftsteller? Drum hier ein offenes Wort:

Jedes Mitglied des Schriftstellerverbandes (VS in ver.di) bekommt zwar eine vom Land Thüringen …

Entschuldigungsrede

Montag, 02. März 2009 - Matthias Biskupek

Ich bekenne mich schuldig. Da habe ich mit elf Zeilchen am 27.2. ä Gackerle (sächs. für kleines Feuer) entfacht, nur weil ich jene Zeitungs-Aktion nicht soo gut fand. Sittenwächter Uwe donnerte: „wenn ich mich recht erinnere, schrieben sie einmal, dass schreibende mehr für sich / allein sind. nehmen sie es …

Tischdienst und Seine Tollität

Freitag, 27. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Immerhin 22 km gestern durch Berlin geradelt, bei Sau- bis Mastschweinewetter. Prenzlauer Berg, Mitte, Weißensee. Privat- und Dienst-Besuche; den besten Kaffee gibt’s bei Alban NH, den meisten in der Thüringischen Landesvertretung an der Mohrenstraße, die noch immer so heißen darf. 1 Text zwischendurch gedichtet über den Mensching-Sammelband. Abends …

Viele Wichtigkeiten

Freitag, 20. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Gestern mal wieder ein Rundumdieuhrtag. Morgens kurz nach sieben aus dem Haus, mit zwei Bummelzügen nach Halle. In die Kantine des MDR zum Teetrinken; dort sitzt Freund Harald, durchaus ungeplant, und ich kann gleich ein paar O-Ton-Dinge für spätere Sendungen klären.

Ab elf dann Aufnahme für das Buchjournal mit Micha Hametner …

Geschick gegen Missgeschick

Samstag, 14. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Was brachte Freitagderdreizehnte? Steige in Berlin in den IC 11.52 Uhr nach Jena, dem der von mir bestellt/bezahlte Platz fehlt. Der Wagen endet bei Sitz Nr. 96. Ich bin die 115. Nun gut, es gibt noch Platz – der Schaffner, auf den Fehler aufmerksam gemacht sagt: Sie bekommen die 2 …

La lutta continua

Samstag, 07. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Soso. Das war also der Tag der Demokratie in Weimar. Eine Sicherheitsmeute im Foyer des DNT; spaziere ein bisschen herum und werde sogleich nach meinem Tun gefragt. Der Presseausweis beruhigt. Nein, Steinmeier macht keine Pause – pünktlich halb eins tröpfeln die Besucher heraus. Aufgemüntet vom Kanzlerkandidaten. Am Nachmittag kann ich …

Brot oder Begabung?

Montag, 02. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Eigentlich sollte im Thüringen-Fernsehen gestern ein Beitrag zur Begabten-Förderung kommen. Doch Bernd, das entführte Brot war wieder aufgetaucht – also wurde diese Tatsache groß ins Bild gehoben und die Begabten ersatzlos gestrichen. Nichts gegen die witzige Kultfigur, doch benötigt man für derlei Erfindung nicht begabte Leute? Mehr lesen Sie heute …

Tagebuch-Änderungskündigung

Sonntag, 01. Februar 2009 - Matthias Biskupek

Johannes Arpe führt gestern zum letzten Mal seinen „Herr-Lehmann“-Abend mit Musik vor. Die „Saalgärten“ sind gut gefüllt, Arpe-Fans bis Leibzschhouch sind angereist. Zur Feier des Abschieds gibt’s den vielbesungenen Schweinebraten aus der Kreuzberger Markthalle. Danach „bogart“, was irgendwann offiziell „Zum Bösen Wirt“ heißen sollte – um Mitternacht schneien ein paar …

Die Lesezeichner

Samstag, 31. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Gestern Nachmittag in der Abbe-Bücherei zu Jena. Der Verein „Lese-Zeichen e.V.“ hat seine Jahreshauptversammlung. Weil ich Donnerstag zur falschen Zeit am falschen Ort war – im Zug Berlin-Weimar, wo ich den als Versammlungsleiter vorgesehenen Jörg D. traf, der krankheitshalber ausfällt – darf ich Versammlungsleiter spielen. Die lieben Kollegen machen mir …

Druckfreigabe

Freitag, 30. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Komme ich nach drei Tagen Abwesenheit wieder an meinen Rudolstädter Schreibtisch, liegt das ohnehin von mir liederlich hinterlassene Möbel voll: Briefe, Buchsendungen, Quittungen, Anrufzettel. Da habe ich es in Berlin vergleichsweise komfortabel als Einsiedler. Nichts stört des Sängers Fleiß und Unordnung.
Gestern lag ein TA-Belegexemplar – o seltene, schöne Aufmerksamkeit! – …

Das Halsband & die Kriegsfreunde

Donnerstag, 29. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Die Porzellangeschichte für Kati Zorn ist fast fertig. Nun muss das Dingelchen noch etwas trocknen, glasiert werden; zum Glattbrand ab in den Ofen. Kriegsbemalung. Die Mäuse am Halsband sollten noch Ringelschwänze bekommen.

Das große Berlin-Criminal vom Millionenraub im KadeWe passiert zwar quasi vor der Haustür – ich bekomme es mit Tagen …

Für Wochen abgetaucht

Mittwoch, 28. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Viel Winding in Kopfing, also brainstorming gestern Nachmittag. Freund Hans-Otto hat allerlei Ideen für „SPRUNGBRETT – Das Provinztheater und seine Leute“; er redet von Tischproben und einer Filmmontage. Wahrscheinlich habe ich dem Theater, wie überhaupt meiner Arbeit, immer viel abwartender als er gegenübergestanden.

Von Uli Weber höre ich, dass …

Links

Dienstag, 27. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Der graue Nebel Thüringens ist dem Berlin-bayerischen Weißblau gewichen. Die Leute haben deutlich ungesündere Hautfarben und gucken verkniffen. Vielleicht aber auch nur, weil sie gerade Nachrichten gehört haben. Wird doch nicht etwa wieder eine Bank notleidend sein?

Der Ch. Links Verlag hat Fahnen geschickt: Das Schicksal der DDR-Verlage – …

Alles Theater römisch Zwo

Montag, 26. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Jörg Sobiella von MDR-Figaro ist heute kurz nach sechs am Morgen schon voll des Lobes über die samstäglichen „Zwei Krawatten“ in Rudolstadt – tut aber auch nicht so, als sei die Revue eine der tiefsinnigsten solchen. Es gelingt ihm, nebenbei noch ein halbes Jahr Mensching-Intendanz kurz, lobend und exakt zu …

Endlich unterfertigt

Sonntag, 25. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Die weisen und unerforschlichen Beschlüsse der gestrigen Sitzung des Verbandes deutscher Schriftsteller, Landesverband Thüringen, mit befreundeten Vertretern befreundeter Vereine werden das literarische Leben in Thüringen unter der weisen und unerforschlichen Leitung Einer Führenden Partei noch besser zur vollständig Entfaltung kommen lassen.
Dies der Satz für dpa, die in Thüringen wegen der …

Der Hof der Andings

Samstag, 24. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Finde heute morgen in der Netz-TA den Anfang eines Beitrages von mir, der „Goethe und andere Missverständnisse“ heißt. Ein gut abgelagerter Text. Ich lese den Beginn durchaus mit Interesse – vielleicht finde ich heute noch eine Papier-TA? Oder nachher, zur Schriftstellervorstandssitzung, bringt ein Kollege aus dem Verbreitungsgebiet eines der offensichtlich …

Soljanka mit Gletscherbeben

Freitag, 23. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Muss gestern bei der Zugfahrt von Berlin nach Erfurt in Leipzig umsteigen. Der IC ist ziemlich voll; setzte mich also in die leere Mitropa, die heute bestimmt anders heißt. Kaffee und Kuchen mit Blick in die Gegensonnenlandschaft Thüringens. Ein Vergnügen, das der Gruselkabinettspreisträger Mehdorn bisher noch nicht verhindert hat. Vielleicht …

Kult.Pol. Saloon

Donnerstag, 22. Januar 2009 - Matthias Biskupek

„Berlin noch knapp im Minus!“ So könnte die Optimismus verbreitende Überschrift heute heißen. 0,6 Grad minus um 7:30 Uhr. Heute Mittag dann: Die Wende zum Positiven ist geschafft. Schon drei Grad über dem Nullpunkt.
Die noch gediegenere Politsprache erlebte ich gestern eher zufällig bei einem Salon der kulturpolitischen Gesellschaft. Am Sophie-Charlotte-Platz …

Promi-Florist

Mittwoch, 21. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Erfahre, dass der Promi-Florist Humpert & Suden in der Pariser Straße schließt. Ende Februar. Beschließe folglich, alle Einrichtungen meiner Umgebung mit dem Vornamen Promi zu ehren. In der Belforter steht das Promi-Theater „bat“, direkt gegenüber das Promi-Cafe Fröhlich. Meine Promi-Bäckerei ist Nane Germ, der Promi-Fahrradladen selbstverständlich ostrad in …

Rudolf im Pappschnee

Dienstag, 20. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Der Brief der vier Weimarer Stadträte in Sachen ihres Intendanten ist aufschlussreich: „Da, wie zu hören ist, Herr Märki sich seit langem an anderen Theatern erfolglos bewerben soll …“ Es „ist zu hören“ – also keiner weiß, wer hört. Er „soll“ sich bewerben. Die Sprache ist verräterisch. Es ist zu …

Schlicker, Koch & Rüttgers

Montag, 19. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Am Sonntagmittag bei noch freundlich-nassem Wetter Aufbruch im Saaletal; auf der Bergbahnhöhe dann Schneesturm. In Cursdorf empfängt Kati Zorn mit Kaffee und Hefekuchen. Das Wohnzimmer in einem ehemaligen Fabrik-Obergeschoss, großzügig und verspielt zugleich, um die vielen Fenster wirbelt der Schnee, man sieht nichts mehr von der nahe gelegenen Meuselbacher Kuppe. …

Vietnam

Sonntag, 18. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Die Große Samstagabendunterhaltung war bei uns ein Besuch bei Freunden. Die tourten längere Zeit durch Vietnam, Nord, Mitte, Süd. Gestern gab es zunächst vietnamesisches Essen; Schüsselchen, Meeresfrüchtchen, Sößchen, Gemüschen, Fruchtstückchen, Stäbchen. Dann Bilder und kurze Filmstücke sowie allerlei Erzählchens. Unsere Siebenerrunde war zur Vietnam-Kriegs-Zeit stürmisch jugendlich – wir erinnern uns …

Blasenwurst und Tote Oma

Samstag, 17. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Der Mitteldeutsche Verlag schickt die elektronischen Korrekturfahnen des kulinarischen Kurzkrimi-Sammelbandes. 16 Autoren für 232 Seiten. Ergäbe pro Autor gut 14 Seiten. Ich bin fünf Seiten unter dem Durchschnitt. Hatte halt Zeit, mich kurz zu fassen.
Finde ein fehlendes Komma (kann man fehlende Kommas finden?), eine Füllwortstreichung und einen fehlerhaften Markennamen. Früher …

Der Adel und IM Katja

Freitag, 16. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Vor einiger Zeit hatten wir im Schriftstellerverband mal darüber geulkt, dass man sich als Autor ganz offiziell Künstlernamen zulegen dürfe, folglich auch Adelsnamen. Also müssten wir nur gegen gut Geld adelswillige Leute aufnehmen – und der Verband könnte zu einem florierenden Wirtschaftsunternehmen werden.
Nun erfahre ich heute durch eine Rundmail, dass …

Katzensprache

Donnerstag, 15. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Traum des Tages: Bin auf einer Insel mit Fahrrad – weiß aber nicht, wie das Fahrrad auf die Insel gelangte. Denn auf der Insel-Fähre steht groß: Verboten für alle mechanischen Fortbewegungsmittel! Ich diskutiere mit dem Fährmann, was mechanische Fortbewegungsmittel sind. Er schlägt in einem großen Buch nach, kann aber mein …

Geraffte Gardinen

Mittwoch, 14. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Gestern abend Probenbesuch des Theaterfördervereins bei den „Zwei Krawatten“. Erster Großer Durchlauf mit Kostüm – also das Erste Große Tohuwabohu. Machtvolle Besetzung hinter und neben dem Regiepult mit Intendant samt Vorständen. Gemessen daran, dass noch anderthalb Wochen Zeit bis zur Premiere sind, finde ich die ersten Bilder durchaus gelungen. Regisseur …

Fundstück

Dienstag, 13. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Am frühen Morgen dieses Zitat von Jan Freitag zu Stauffenberg und dem ZDF-Zweiteiler heute und am 20.1.: „ … diese Inszenierung eines zutiefst klassischen Antisemiten zum humanistischen Freund aller Lebewesen außer Hitler ist Ergebnis einer lang anhaltenden, langfristig ausgelegten, langsam unheimlichen Kampagne.“ Freitag hat auch ein passendes Briefzitat Stauffenbergs zur …

Löffelsprache

Montag, 12. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Nachdem ich mich schon gestern und vorgestern kurz in die Jugend versenkt hatte, griff nach einem Telefonat erneut die Vergangenheit ans Gemüth. Wie verbreitet ist eigentlich heute noch die Löffelsprache? Wir hatten sie – vor fünfzig Jahren – in die Leipziger Jungmädchenregion versetzt. Wahrscheinlich, weil eine schöne Leipziger Cousine – …

Taubenacker und Dallas

Sonntag, 11. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Zu meiner gestrigen Eintragung über jene merkwürdige Rezeption der „Perlmutterfarbe“ in Ost und West schickt einer meiner fleißigen Leser nicht nur die genauen Daten zur Autorin Jokl, die in der Tat, wohl im Zusammenhang mit dem „Kampf gegen Kosmopolitismus“, eine antisemitische Stalin-Kampagne, ihren zeitweiligen Wohnsitz in Ostberlin 1950 aufgeben musste, …

Erwünschte Wahrheit

Samstag, 10. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Zwölf Grad minus. Schneehöhe auf dem Balkon, zehn Zentimeter. Die Preilipper Kuppe schaut klar aus dem Morgennebel.

Überall wird der Film „Die Perlmutterfarbe“ gepriesen. Warum kommen mir Geschichte und Titel bekannt vor? In den Medien wird verkündet, dass die Autorin des Kinderbuchs in der DDR unerwünscht gewesen sei. Habe ich dissidentische …

Kino mit Tagebuch und Aufarbeiterehepaar

Freitag, 09. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Gestern abend in den „Buddenbrooks“. Im Rudolstädter Kinosaal Vier sind wir acht Zuschauer. Dass der Film hier läuft, ist ja schon ein großes Zugeständnis. Was an Vorankündigungen gezeigt wird, ist gruselig. Von Problemchen amerikanischer Girls und den Heldentaten amerikanischer Weltretter, nicht zu vergessen das, was mal SF hieß. Da muss …

Viermal Unordnung und Frühes Leid

Donnerstag, 08. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Welche äußeren Umstände sind zur Lektüre welcher Bücher günstig? Am Strand Karl Mays „Durch die Wüste“ und im Krankenhaus natürlich „Wer stiehlt schon Unterschenkel“ von Gert Prokop. Kafka beim Warten in Amtsstuben und Günters Gras wäre im Drogenrausch das Richtige. Auf der Toilette sollten Gedichte von Kristiane Allert-Wybranietz liegen – …

Die Mathematik und Väterchen Frost

Mittwoch, 07. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Das politische Feuilleton im DeutschlandRadio Kultur heute hebt an: „Zugegeben: Ich war nie gut in Mathematik. Ich leide da unter einer typischen weiblichen Minderbegabung.“
Die Kolumnistin erzählt danach durchaus bedenkenswerte Dinge, die man aber nach solchem Einstieg nicht ganz ernst nehmen kann. Gilt es denn immer noch als chic, in der …

Räkeln aufm Bildschirm

Dienstag, 06. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Die Stadt in Kälte und Schnee – seit Zilles Zeiten ein eher seltener Anblick. Das Brandenburger Land sieht aus, als sei es zur schwedischen Provinz geworden. Vom Wasserturmberg vorm Fenster rodeln Kinder, nur Zillesche Kleedasche haben sie nicht an, sondern Markenoutfit.

Irgendjemand schickt wieder ein riesiges Dokument durch …

Gutes Gewissen für heute

Montag, 05. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Wahrscheinlich habe ich es schon oft gehört und gelesen: Es gehört zur geistigen Hygiene, sich gelegentlich mit den großen und kleinen Werken anderer großer und kleiner Leute zu beschäftigen. Wer nur die eigenen guten Taten ständig beweihräuchert oder die eigenen Depressionen zu gebrochnen Reimen flicht, wird über kurz oder lang …

Gegossenes Blei

Sonntag, 04. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Dieser vierte Januar zeigt wieder mal, wie seltsam und krude sich Wörter in den Zeiten mischen. Man geht abends bei trockenem Wetter aus dem Haus, um den fünfzigsten Geburtstag des Intendanten im Theater zu feiern – mit anschließendem Bleigießen – Plumbum 09 genannt. Am andern Morgen noch vor dem Aufstehen …

Seltsam verlorene Leute

Samstag, 03. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Schöner, klarer Schneeweißmorgen. Gestern am Nachmittag in Weimar fing es an zu krümeln. In der Eckermann-Buchhandlung - Buchpremiere von Simone Ungers „Wegelagerer“; die Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft. Das graue schmale Heft im Berner-Layout. Ein Dutzend Einseitentextstücke, Prosaminiaturen oder poetische Notizen. „In einem von Mauern umgrenzten Graben fand ich etwas weichen …

Infamie und Faulheit

Freitag, 02. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Auch im neuen Jahr drehen sich Menschen umeinander. Auf der Allee treffen sich zwei Frauen (Nein! Kein Witz - Beobachtung). Beide haben je 1 Tasche und je 1 Hut. Sie schwatzen so an die zehn Minuten miteinander. Zu Anfang steht Dame 1 an der oberen Seite, Dame 2 an der …

Menü

Donnerstag, 01. Januar 2009 - Matthias Biskupek

Vermutlich unvollständige, wenig geordnete Liste der Speisen und Getränke an und zwischen den Feiertagen 2008/2009:

Hühnersuppe mit Nudeln und Gemüse, Frikassee überbacken, Kartoffelsalat, Knackwürstchen, Wiener Würstchen, Knoblauchwurst, Ente mit Grünen Klößen, Rosenkohl und Rotkraut, Sauerbraten mit Salzkartoffeln und Rotkraut, Spinat mit Spiegelei und Kartoffeln, belegte Brote aller Art, Spaghetti al pesto, …

Neujahrsgraphik

Mittwoch, 31. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

„Zum Jahreswechsel beende ich mit freundlichen Grüßen die 47-jährige Folge meiner Neujahrsgraphiken. Egbert Herfurth usw.“

Egbert hat auf einem langen Bogen noch mal all seine Neujahrsgraphiken in Briefmarkengröße versammelt – ich nannte die vor Jahren üblichen Graphik-Grüße gern Silvesterkärtchen und zog mir den kollektiven Zorn meiner bildenden Kunstfreunde zu.

Nicht alle 47 …

Bräunliches Papier

Dienstag, 30. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

„Das Jahr Zweitausend naht!“ hieß es vor achtunddreißig Jahren in neun Sätzen für gemischten Chor a capella. Den genauen Text dieser Zukunftsverheißung von Siegfried Matthus und Paul Wiens wollte ich gern nachlesen: Wenn man weiß, wie man gestern dachte, was morgen sein wird, sind gegenwärtige Prognosen noch fraglicher.
Das Netz gibt …

Richtige Sicht in die Zukunft

Montag, 29. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Zauberspruch für Bankenkrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Weltkrise, Roland Koch, Israel, Hamas, Xundheitsbeitrag, Thüringer CDU mit Mieke Mohring an der Spitze, Volksentscheid, Tagebuchzuwenigschreiber, Opposition, geköhlerte Reden, Tagebuchzuvielschreiber, LINKE von rechts, Rechthaber von links, Hartz IV, Ertzgebürge V, Alppen VI und natürlich alle Schwulen:

Nehe Smursre dnal amsellas ads Sumnam.

Weltbild Augsburg

Sonntag, 28. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Wenn die Weltbrände in Gegenden stattfinden, die man kennt, werden sie noch unheimlicher. Vor einem reichlichen Jahr in Israel kam wir zwar nicht in Gaza-Streifen-Nähe – aber die Kontrollen nach Bethlehem und Nazareth machten durchaus einen Vorgeschmack. Die Sympathien sind bei mir gleich verteilt – was soll ein Volk machen, …

1 Katze, 1 Enkel, 1 Schwimmlehrer

Samstag, 27. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Wir treffen uns IMMER am Zweiten Feiertag und IMMER bei uns. Sagte vor Jahren Freund und Kustos Jens Henkel. Dieses Jahr war’ s in der Tat so. Kaffee, Kuchen, Plappereien. 1 Enkelkind und 1 Katze zogen viel Aufmerksamkeit auf sich. Das ist IMMER so wenn Erwachsene ihre Wichtigkeit gegenseitig betonen.

Hatten …

Mörike, verwässert

Freitag, 26. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

ES PISST!

Winter lässt sein nasses Band
Wieder klatschen durch die Lüfte.
Feuchte altbekannte Düfte
Nässen ahnungsvoll das Land.
Frösche träumen schon,
Wollen balde quaddern.
Jauchzt von fern ein Feuerwehrton.
Winter, ja Du bists!
Weihnacht muss es pladdern.

Paradies & Porzellan

Mittwoch, 24. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Am Heiligabendmorgen sind allerlei Mails eingelaufen. Man hat offensichtlich auch anderswo keine äußeren Termine, kann also die inneren wahrnehmen. Falls ich nicht auf alle Bilder, Wünsche, Computeranimationen antworte – Allgemeinen Weihnachtswunschdank.

Vom großen Karikaturisten aus Kleinmachnow, Harald Kretzschmar, habe ich das „Paradies der Begegnungen“ nun durchgelesen. Begegne auf merkwürdige Weise Leuten …

Druckfahnen und Weihnachtsgeschichte

Dienstag, 23. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Trotz Elektronik und Mailwechsel – Druckfahnen haben noch immer etwas. Man sieht das Buch erstmals zusammenhängend, geheftete Blätter, noch sehr mager gedruckt, fehlerbehaftet, die Bilder in ahnbarer Qualität. Dennoch: es ist was Körperliches. „Das Glück des richtigen Geldes - und weitere Schlaglichter aus zwei Jahrzehnten seit der Wende“ so …

Beim Schlossherrn der gepriesenen Insel

Montag, 22. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Letzte Berlin-Termine dieses Jahr. Gestern ein undienstlicher Abendbesuch bei Manfred Kiedorf, dem Mitschöpfer der „Schlösser der gepriesenen Insel“. Die sind neuer Besuchermagnet auf der Heidecksburg. Der Meister empfängt im Oblomow-Neglige, wie er sagt. Pankow, eine Taut-Siedlung – vorn braust der Verkehr; nach hinten ein geschlossener, sehr weiter, begrünter Hof, von …

Verwertungsgesellschaft Wort

Sonntag, 21. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Dies ist eigentlich eine segensreiche Einrichtung – denn sie schüttet Geld aus. Für jedes Zeilchen, das in irgendwelchen Zeitungen, Zeitschriften gedruckt wird und jedes Tönchen, das irgendwo gesendet wird – neuerdings sollen auch Internet-Angebote dazugehören – bekommt man Pünktchen. Dieselben werden in gültiges Geld umgetauscht. Man muss nur alles melden. …

Grammatik der Krise

Samstag, 20. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

„Wir erhalten Provisionen von einigen der Aufträge ausgeführt von ausländischen Vertragspartnern im Ausland in Höhe von (US $ 23m) dreiundzwanzig Millionen US-Dollar nur. Ich möchte Sie zu verstehen, dass, weil wir als Beamte, wir wollen nicht, dass unsere Regierung, um zu sehen, diesen Betrag an, unsere persönlichen Account und das …

Computerhorrido

Freitag, 19. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Der Webmaster aus Ulm ist gekommen, allwo er sonst der Höheren Elektronenstrahlmikroskopie obliegt. Er schnappt sich die im Haushalt ansässigen Computer, bricht sie auf, sägt, bohrt, hobelt, zerspant und zerneuert, flanscht an und ab, popeliert, schnitzelschnatzelt, raspelt, bastelt und nistelt, denn alles wird umgeeumelt, um mit Olaf Schubert zu sprechen.

Meine …

Froschkönig

Donnerstag, 18. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Wer am Vormittag Zeit hat, kann ins Theater gehen. Weihnachtsmärchen. Ich nehme mir heute Zeit und paar Euro und sitze ganz hinten. Vor mir allerlei Grundschulklassen, die zwar nach zehn Minuten zapplig werden, weil man selten länger still halten und zuhören kann. Dennoch: die Schauspieler sind laut genug und lassen …

Jazz ’s Feierohmd

Mittwoch, 17. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Gestern seit langem mal wieder die Bahnstrecke nach Chemnitz gefahren, immer am Erzgebirgsrand entlang. Die Landschaft ist schwarzweiß, bei bezogenem Himmel scheint der Winter noch farbenärmer, holzschnittartiger, als sonst.

Helmut, unter Jazzern Joe Sachse (damit auch mein fleißigster Tagebuchleser Uwe Zerbst weiß, um wen es geht) genannt, hat schon alles für …

Wenzel

Dienstag, 16. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

„Die DDR war ein textzentriertes Land, in dem die Musik eher funktional gedacht wurde. Musik hat aber die größte Kraft, Denkschemen zu sprengen. Sprache ist an den Ort gebunden, Musik viel mehr an die Zeit. Die ist eines der letzten Medien, das unser Leben ins Verhältnis zur Unendlichkeit setzen kann.“

Was …

Ich bin drin!

Montag, 15. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Am Wochenende bei einer mittelgroßen Familiengeburtstagsfeier im Sächsisch-Anhaltinischen – das weder sächsisch, noch anhaltinisch ist, sondern brandenburg-preußisch. Entsprechend reden die Gäste – es gibt also geene Bemmen, sondan jute Butta uff allet, ville Fleesch und jute Schlachsahne, also keine Schloochsahne und schon gar keine Schloochsoohne, wie von schlechten Sachsen-Nachäffern zu …

Die Schwarzburg

Samstag, 13. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Gestern nachmittag Buchpremiere des mehrpfundschweren Bandes über die Schwarzburg. Findet natürlich auf der Schwarzburg – bzw. deren Resten, die nach 1940 stehenblieben – statt. Sollte damals zum Reichsgästeheim umgebaut werden. Das Reich verschwand. Die Gäste flohen. Das Heim ist seit 1971 der restaurierte Kaisersaal. Rappelvoll; natürlich kommt, wie ein Radiokollege …

Lob des Lobens

Freitag, 12. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Den Menschen eine Freude bereiten. Den Menschen eine überaus große Freude bereiten. Den Menschen eine ganz besonders fröhliche Freude bereiten. Selbstlos sein. Ganz selbstlos sein. Ganz besonders selbstlos fröhlich sein. Schmunzeln. Schmunzelnd Freude bereiten. Ganz besonders schmunzelnd selbstlos sein. Kulturvolles Miteinander. Kulturvollstes Miteinander. Miteinander kulturvoll fröhlich selbstlos Freude bereiten. Die …

Kunstschnee und Kunstfilm

Donnerstag, 11. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

An der Saaletalbahnstrecke rechts und links dünn beschneite Flächen, ein fast durchsichtiges Hemde über den Äckern. Plötzlich ballen sich Schneeberge, erstaunlich gleichmäßig, am Waldrand. Es sind aber doch nur weiße, plasteummantelte Futterballen. Vielleicht ein Tip für die Tourismus-Industrie: Neben die von Schneekanonen beschneiten Loipen und Abfahrtsstrecken sollte man ein paar …

O Tannenbaum, o Pannenbaum

Mittwoch, 10. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

So heißt ein Weihnachtsprogramm unseres Theaters – meist ausverkauft. Gestern gab es zusätzlich eine Vorstellung im Spielplan; man hatte am Abend noch Karten vorrätig. 3 Schauspieler(innen) und 1 Pianist: Blattner, Kies, Ronas, Steidl. Ach nee, ist ja keine Theaterkritik – denn wenn man sonst nichts zu schreiben hat – die …

Jan Ullrich benötigt eine Zehntelsekunde

Dienstag, 09. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Ein Kleintransporter fährt heute morgen Kälte und Klima spazieren. Dreimal kommt er die Große Allee entlang. Groß steht „Kälte“ und „Klima“ auf den Autoflanken. Ein weiterer Schritt in die virtuelle Welt: Wir empfinden weder die Kälte noch das Klima. Wir bekommen aber beides medial präsentiert. Guck mal, grad ist die …

Die Schönheit der Einnerung

Montag, 08. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Die „Thüringer Allgemeine“ kürzt neuerdings ihre Netz-Präsenz radikal. Da es außerhalb Zentral- und Nordthüringens diese Zeitung nur sehr, sehr selten zu kaufen gibt - an der alten Bezirksgrenze ist Schluss und man kann nicht immer zum Presseladen im S-Bahnhof Alex reisen – wird sie gänzlich zum Provinzblatt werden. Das wiederum …

Unschlagbare Rätselstadt

Sonntag, 07. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

DeutschlandRadio Kultur kramt gelegentlich in Archiven. Dann hört man die unverwechselbare, jugendlich-helle Stimme Hans Rosenthals, wie er Allein gegen Alle spielen lässt. 1969 lautete eine Frage nach dem Kommandeur des Thälmann-Bataillons im spanischen Bürgerkrieg. Die unschlagbare Rätselstadt findet ihn nicht heraus – es war Ludwig Renn.

Gestern Schriftstellerverbandsweihnachtsfeier in Suhl. Zuvor …

Bücherklau, chic

Samstag, 06. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Der Arbeitsplan für Restdezember sagt: Wegen, wissenschaftlich ausgedrückt: Mobilitätsproblemen werde ich nicht alles schaffen. Gestern kam aber der Verlagsvertrag zum Wendebuch – mit dem jetzt avisierten Titel samt Untertitel kann ich gut leben: „Das Glück des richtigen Geldes - und andere Schlaglichter aus zwei Jahrzehnten seit der Wende“. 128 Seiten, …

Polnische Muttersprache

Freitag, 05. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Aus gegebenem Anlass fällt mir ein alter Witz ein. Deutschland ist der wahre Erbe der Werke von Marxengels. Die BRD hat das Kapital bekommen und die DDR das Elend der arbeitenden Klasse.
Die Sache stimmt ja heute noch, nur dass Kapital und Elend jetzt räumlich ziemlich gleich verteilt sind – und …

Presseschau

Donnerstag, 04. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Der heutige Kommentator des „Neuen Deutschland“ hat wohl meinen gestrigen Tagebuch-Eintrag gelesen – denn wie ich macht er seine Betrachtung zu „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ auf mit „Die Sprache der Liebe ist leis“. Das beweist aber eigentlich nur: Die Idee ist nicht so originell, als dass sie nicht …

Die Sprache der Liebe ist leis

Mittwoch, 03. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

„Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“. So soll es nach dem Willen der CDU demnächst im Grundgesetz stehen. Bisschen bitter, wenn ausgerechnet eine Bestimmung zur Sprache in unklarem Deutsch verfasst ist. Man merkt den Blödsinn, wenn man für „Bundesrepublik“ ein anderes Dingwort einsetzt (i.e. Substantiv). Die Sprache der A 71 …

Die kleine Marei

Dienstag, 02. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Vor einiger Zeit hatte ich nach „Auf der Straße ging heute die kleine Marei“ einen Liedtext geschrieben. Im Kopf waren mir noch weitere Zeilen „und es fragten die Leute, wo der Bruder denn sei / Mein Bruder ist bei der Volkspolizei …“. Der Text steckt jetzt im CD-Projekt mit Joe …

80 Jahre und Hurra-Brüller

Montag, 01. Dezember 2008 - Matthias Biskupek

Wer schreibt noch Schreibebriefe, wie es Tucholsky formulierte? Ich! Heute morgen. Nach Berlin, in die Ernststraße. Denn dort wohnt ein Bürger ohne Internet. Beigelegt habe ich das Vorwort für das Lothar-Kusche-Bändchen, das demnächst im Eulenspiegel Verlag erscheinen soll. Der Anfang meiner gestrigen Tages-Arbeit:

„Kusche und Kindermund – ein Vorwort

‚Ich kannte seine …

Eiskalte Aufklärung

Sonntag, 30. November 2008 - Matthias Biskupek

Beim Adventfrühstück hören wir „Die Schneekönigin“ im Radio. Großartige Schauspieler, eine klar erzählte Geschichte ohne Zeitgeist-Mätzchen. Wenn man fragt, was aus der DDR blieb – zum Beispiel gute Kinderhörspiele. Dennoch ist alles drin, was der schwule H.C. Andersen reinschrieb: Sieg der kuschelwarmen Romantik über die eiskalte Aufklärung. Vor ihrem Glück …

Säulenbündel

Freitag, 28. November 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Der Weihnachtskitsch macht sich breit – zu dieser ruppigen, direkten, im guten Sinne basisdemokratischen Stadt passt das nicht sonderlich – doch Konsum muss sein, gerade hier.

Abends gibt es im „Haus der Demokratie und Menschenrechte“ die monatliche „Republikanische Vesper“ mit Brot und Käse, Wasser und Wein. Fahre mit …

Sachsenklinik

Donnerstag, 27. November 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Hei nuun. Die Bude empfängt recht kühl; ich habe sie drei Wochen vernachlässigt. Die Grünpflanzen schauen mich leicht zerknittert an. Hey Jungs, sage ich, Ihr kriegt Euern Whisky. Die Post besteht aus Rechnungen und hochherzigen Kredit-Angeboten. Hey Ihr Geldeintreiber, sage ich, die zehn Dollar Wohnnebenkostenschulden für 2007 …

Besprechungszimmer

Mittwoch, 26. November 2008 - Matthias Biskupek

Auf der gestrigen Versammlung des Friedrich-Bödecker-Kreises wird der Vorschlag gemacht, besonders verdienstvolle Leute mit einem Preis zu ehren. Menschen, die sich um Leseförderung, Schullesungen verdient gemacht haben. Doch wie soll der Preis heißen? Lese-Lupe. Ehrenleser. Lese-Leuchte. Das Lese-Förderband. Großer Vorleser. Der Bücherwurm. Liebe Leseratte. Das Buchfreundchen. Lesen & lesen lassen …

Plumpes Nachformen

Dienstag, 25. November 2008 - Matthias Biskupek

Im Hain sind die Bäume weiß überpudert. Strittmatter schrieb mal in einer Tagebuchnotiz sinngemäß, dass die Leute von den überzuckerten Bäumen reineweg begeistert seien und die Zeitungen dazu schrieben: Der Winter – ein begnadeter Künstler! Strittmatter schließt daran die Frage: ist plumpes Nachformen Kunst?

Das Groß-Geschrei um den Chef aller Sachsen, …

Lokalstiletto

Montag, 24. November 2008 - Matthias Biskupek

Auf der Straße fährt ein Schneeräumauto mit wehenden Fahnen vorbei. Im warmen Saaletal hat es heute nichts zu räumen, zu tun, zu machen.

Von Anja aus Mittweida kommt eine Einladung an die dortige Hochschule. Anja ist Studentin, war eine zeitlang in Irland und machte eine ganz hübsche Netz-Seite: Anja bei den …

Morgen & Wettbewerber

Sonntag, 23. November 2008 - Matthias Biskupek

10:25 Uhr. Morgenbrot beendet. Morgenarbeit beendet. Morgensport beendet. Morgentoilette beendet. Wer wissen will, wie ich die gestrige „Blütenträume“-Premiere am Theater Rudolstadt empfand, muss den Wettbewerber der TA lesen. Morgen oder übermorgen. Kollegin Frauke A. wird sicherlich was Kluges für die TA schreiben – sie ward gestern bei der Premierenfeier mit …

Fahlberg-List & Schade

Samstag, 22. November 2008 - Matthias Biskupek

Draußen: Leasing rieselt der Schnee - so wollte Kollege Quilitzsch mal eines seiner Bücher betiteln – der Verlag redete es ihm aus.

Von der Mitherausgeberin Silvija Hinzmann kommt die Korrektur meines kulinarischen Kurzkrimis „Schlammkeule“. Am 30. Mai sollte ich den Plot mitteilen, am 18. September hatte ich noch nicht mal die …

Das Gedächtnis der BRD

Freitag, 21. November 2008 - Matthias Biskupek

In der Zeitung steht heute, dass der Bischof sich vom „Sozialen Wort“ der Verbände distanziert. Er äußert sich zudem zur Bildungspolitik usw. usf. Alles schön und gut – doch nur Kenner wissen, dass es sich um den katholischen Bischof in Thüringen handelt. Am Kürzel vor dem Beitrag (KNA) erkennt nur …

Wohlig räkelnd

Donnerstag, 20. November 2008 - Matthias Biskupek

Das Lokalblatt, am radikal östlichen Rande Thüringens gelegen, politisch sich wohlig im Hinterteil der jeweils herrschenden Regierung räkelnd, hat etwas zum Kulturkonzept des Landes mitgeteilt. Beziehungsweise zu dessen Kritikern aus Vereinen, Verbänden, Theatern, Bibliotheken Das seien „selbsternannte Landeskultursprecher“. Sie pflegten eine „unrealistische Basisdemokratie“. Das Ganze ist nicht mal ein Kommentar, …

Längliche Rechenschaft

Mittwoch, 19. November 2008 - Matthias Biskupek

Gestern abend bei Frosti, dem Netzwerker von „Gründer, Erfinder Leseratten“. Im Rudolstadt-Center das TLQ in Stammbesetzung. Frank Quilitzsch und Hans-Jürgen Döring lesen das, was sie immer lesen – Landolf Scherzer brandneue 7 Seiten aus seinem „Grenzgänger II“; ich teste Texte für das 20-Jahre-Einheit-Buch. Immerhin kommen dreißig Leute und spenden auch …

Neue Epidemie?

Dienstag, 18. November 2008 - Matthias Biskupek

Heute pritt mein Computer durtt die Naate. Wahrtteinlitt hat er Nuppen. Kein Wunder bei den vielen Viren, die durtt die Luft fliegen. In dieter Welt fängt man tit nell wat ein. Habe ihm tonn Wadenwickel gemaht und heitte Umläge. Nütt allet nitt. Ob it ihm eine Attpirin gebe? Aber wo …

Die Lage

Montag, 17. November 2008 - Matthias Biskupek

Nachrichtenlage am Montag: Welche Autofirmen bekommen wie viel Geld? Wie schaffen es die Grünen, mit der CDU zusammenzugehen, ohne sich gänzlich zu verleugnen? Lichtblick von der Sachsen-SPD: Sie will das Bundestrojanergesetz nicht mitbeschließen.

Arbeitslage am Montag: Erste Fassung des Radiokabarettessays fertig und schon beim MDR – freundliche Signale vom Redakteur. Sollte …

Alte Perücke

Sonntag, 16. November 2008 - Matthias Biskupek

Bei schönem, kühlem Spätherbstwetter gestern nachmittag eine Radrunde nach Remschütz. Bei Sabine Körting gibt’s die berühmten Windbeutel. Im winzigen Cafetresenraum erzählen Kinder vom sehnsüchtig erwarteten Brüderchen. Arbeitstitel: Erwin.

Abends zur „Blauen Stunde“ in den „Schminkkasten“: Der rauschende Bach. Musikdramaturgin Marlin Pahl und Solocellistin Grita Bühler stellen die Suite Nr. 5 von …

Mauerbezwinger und Thür

Samstag, 15. November 2008 - Matthias Biskupek

Beim morgendlichen Stehradeln sehe ich, dass in der Schule gegenüber irgendwas los sein muss: Es kommen allerlei Schüler. Weil das Tor heute am Sonnabend verschlossen ist, steigen sie über die – niedrige – Mauer. Jeder machts anders, aber alle schaffen die Hürde.

Im Radio sagt Jörg Sobiella grad ein paar passende …

Schillers Schwelle

Freitag, 14. November 2008 - Matthias Biskupek

Strahlender Blauhimmelmorgen. Wie gestern, als ich am Schillerhaus, das eigentlich das Beulwitzsche Haus ist, vorbeiradle. Man legt gerade die Wandgestaltungsentwürfe aus – ich kann sie mir anschauen. Im derzeit heftig restaurierten Haus fand man auch die Schwelle zwischen beiden Gebäudeteilen, unversehrt wie zu Schillers Zeiten. Soll sie hinter Glas kommen, …

Bibliomania

Donnerstag, 13. November 2008 - Matthias Biskupek

Bücher, Bücher, nichts als Bücher, heißt eine Rubrik auf MDR-Figaro. Gestern kommen drei Bücher vom Wartburg-Verlag – die Jahresproduktion der Muschelkalk-Reihe. Was drin steht, kenne ich zum Teil durch Abdrucke: Dwars’ Essays, Goldbergs Kolumnen – Weghenkel hat seine Gedichte immer mal vorgetragen. Leider hat diese Edition eine Augenpulverschrift – meine …

Diseuse und Verdi

Mittwoch, 12. November 2008 - Matthias Biskupek

Sprache im Wandel: Anlässlich der Schach-Meisterschaft fällt mir ein, dass früher vor oder hinter Spielernamen die Kürzel IM oder IGM standen – Internationaler Großmeister oder Internationaler Meister. Heute möchte kein deutscher Schachmensch als IM bezeichnet werden.

Muss heute endlich das Manuskript für den Radio-Kabarett-Essay beginnen. Die Sendung ist schon für den …

Volltextsuche

Dienstag, 11. November 2008 - Matthias Biskupek

Diese Netzseite hatte eine hübsche Funktion: die Volltextsuche. Ich gebe also „bogart“ ein und lese, dass der Begriff vierzehnmal im Tagebuch auftaucht. Dreizehn mal bei mir, einmal bei Rainer Aschenbrenner. Der spricht aber von Humphrey, während ich die Kneipe in der Schillerstraße meine, die nun zum vierzehnten Mal erscheint. (beachte …

Gewesener Wellensittich

Montag, 10. November 2008 - Matthias Biskupek

In den Thüringer Zeitungen wird heute die Erfurter Opernuraufführung zerrupft – sogar im Lokalblatt. Die „artthuer“ hingegen wird gelobt – zu Recht. Gut vier Stunden war ich gestern in der – sagen wir dichten – Atmosphäre – und bewundere die Kollegen Künstler, die dies drei lange Tage durchhielten.
Treffe gute alte …

Sonnenaufgang Siemuhrzwoundzwanzig

Sonntag, 09. November 2008 - Matthias Biskupek

Atommülltransport, Cottbus verliert, die Post baut Arbeitsplätze ab – Meldungen am Schicksalstag der Deutschen. In Rudolstadt hatte gestern ein Kreisler-Musical Premiere – wen’s interessiert, mag darüber in der Papier-TA nachlesen. Die Rezension – ein Mini-Stück - ist nämlich in der nächsten Stunde zu schreiben. Anschließend nach Erfurt. „arthuer“.

Nichts von Krankheit

Samstag, 08. November 2008 - Matthias Biskupek

Muss mich gestern Nachmittag in eine Röhre stecken lassen – denn neben Autos und Atomkraftwerken bedürfen leider auch Humanoide gelegentlich einer Durchsicht. Da ich derzeit noch die Alternative zwischen Rollstuhl und Fahrrad habe, radle ich gen Volkstedt und ertrage in der radiologischen Praxis männlich das Brummen der Maschine und das …

Waal und Übernahme

Freitag, 07. November 2008 - Matthias Biskupek

Genau 8.38 Uhr schleppt sich heute unser Museumsdirektordottore Lutz mit Aktentasche mühselig die Weinbergstraße entlang, hinauf zur Heidecksburg. Dies als amtl. verbürg. Protokollnotiz, weil er gestern ganz frech in aller Kneipenöffentlichkeit behauptete, er ginge nie so spät.

OSSIETZKY-Eckart ruft an – und ich habe ein schlechtes Gewissen. Ja, lange nix für …

Strafarbeit bis Change

Donnerstag, 06. November 2008 - Matthias Biskupek

Strafarbeit für gestern und heute: Abschreiben der Interviews mit Hensel, Kudernatsch und Rating für die Dezembersendung. Manchmal ist der Schriftsteller ein Abschriftsteller.

„Die Zeit“ und „Neues Deutschland“ meinen heute gleichermaßen: Die Europäer waren mit großer Mehrheit für Obama. Doch in KEINEM europäischen Land würde ein Schwarzer zum Präsidenten gewählt werden. Das …

Wahlparty im Schminkkasten

Mittwoch, 05. November 2008 - Matthias Biskupek

Eine große Menschentraube steht abends halb elf, als ich vom Zug komme, vorm Schminkkasten: Luftschnapper, Rauchluftschnapper, Raucher. Es ist gerade die zweite Pause. Erstaunlich viele sind noch da; ich bekomme dann sogar einen Sitzplatz. Intendant Mensching hatte gesagt, keiner werde weggeschickt – also hat man vorn Stuhlreihen gestellt. Freund Frank …

Radio, Bus, Indien

Dienstag, 04. November 2008 - Matthias Biskupek

Relativ zeitig heute los zum Hauptstadtstudio; treffe mich im Cafe unten mit Arnulf Rating. Der hat sich auf meine Fragen nach Comedy oder Kabarett bestens vorbereitet; in den zwanzig Minuten im Studio bringt er so viele Pointen, dass ich allerlei werde ungeschnitten verwenden können.

Mit dem 85-er Bus quer durch Berlin, …

Die Genauigkeit

Montag, 03. November 2008 - Matthias Biskupek

Berlin Kolmarer Straße. Die Stadt ist voll Nebel. Am Hauptbahnhof fällt mir eine Schreibaufgabe ein: Suche unter den Läden drei aus – und beschreibe jeden mit genau drei Sätzen so, dass man ihn findet. Schau Dir die Reisenden an – und beschreibe drei mit je drei Sätzen so, dass …

Wie lange noch?

Sonntag, 02. November 2008 - Matthias Biskupek

Gestern große Freundesrunde bei uns am ovalen Tisch. Raucher gehen auf den Balkon. Worüber reden die älter werdenden Erbauer des Morgens von einst? Über Essen und Trinken. Die Kinder in Thailand oder den Niederlanden, im fernen Westen und Süden. Museums- und Theaterperspektiven. Über Reisen – zwei waren in Vietnam auf …

Rapsgelb im November

Samstag, 01. November 2008 - Matthias Biskupek

Vor Etzelbach breitet sich ein Rapsfeld aus – das zu blühen beginnt. Sehe ich gestern vom Zug aus. „Der Raps kündet gelb / Von Klimakatastrophen / Schwafelschwefel liegt in der Luft“ – Dies als Anregung für die anklackende Lürick.

Ein ehemaliger Berufsmitschüler schickt einen dicken Packen Gedichte. Handschriftlich. Nu schto djelatch …

Mittagsschlaf & Freiberufler

Freitag, 31. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Arbeits- und Freizeitjournal für den gestrigen Donnerstag:
Vormittags Text für 20 Jahre Wende – 1999 Der Umzugsbeschluss. Berlin ist Regierungssitz. Mailantworten, Schreibebrief an einen Jungdichter aus Kahla, Telefonate. Mittags Resteessen von gestern Abend, Tages-Abwasch, neue Tischdecken, Lektüre von Frank Goykes Fontane-Krimi beenden, Mittagsschlaf, kurzer Gang durchs Viertel, Treff mit N. …

Die Achsen des Bösen

Donnerstag, 30. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Der Wasserturmhügel vorm Fenster wird durchsichtig; die Wein-Stöcke sind deutlich zu sehen.

Gestern die Fahrt per IC war angenehm stressfrei – obwohl auf den Bahnhöfen Jena und Naumburg sich die Leute drängelten. Hatte mir eine etwas langsamere Verbindung mit Platzkartenreservierung rausgesucht, so konnten Mehdorns „Achsen des Bösen“ mir …

Tickender Osten

Mittwoch, 29. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Alle Welt, und besonders die „Welt“ schreit auf, dass es keinen Osten oder Westen, nur noch DEUTSCHLAND gebe. Mit dem „Welt“-Artikel, in Sachen Dieter Althaus und Jugendweihe zeigt sich: Im Westen weiß man immer noch nicht, wie der Osten tickt.
Althaus mag seine eigene Lehrer-Vergangenheit beschönigen – mit dem Brief vom …

TLQ im Oktober

Dienstag, 28. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Die TA bringt heute die Meldung, dass die Stasi-Vorwürfe an Quintana, den Heilbronner Schauspieldirektor, einst Rudolstadt verbunden, entkräftet seien. Unser Lokalblatt, das dies eigentlich eher angehen sollte, schweigt vornehm. Passend dazu: Per Mail bekomme ich einen unveröffentlichten Leserbrief, der die seltsamen Kommentare des Chefredakteurs Erzigkeit kritisiert. Die alte DDR-Methode – …

Ich Faust

Montag, 27. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Gestern nachmittag stellt Frank Quilitzsch seine Gespräche mit Thomas Thieme im Hotel „Elephant“ zu Weimar vor. Buchpremiere. Anlass: Thiemes Sechzigster. „Ich Faust“. Vor dem Eingang eine Menschenschlange. Wir haben persönliche Einladungen – stehen also auf der Liste – dürfen uns vordrängeln. Sehr angenehm, an einer Wartegemeinschaft stante pede vorbeizugehen. Natürlich …

Protokoll einer Sitzung

Sonntag, 26. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Durch gefärbten Laub-Misch-Nadelwald begab sich am Samstag, 25. 10. 2008, die gemischte Delegation der Standorte Rudolstadt und Saalfeld des VS in ver.die (LV Thür.) ins Thüringer Oberland. Am dortigen Sektions-Standort waren bereits die gemischte Delegation Südthüringen/Erfurt sowie die Ostthüringens eingetroffen. Die Weimarer Doppelspitze war entschuldigt.
Es wurden sodann Fragen allseitigen Interesses …

Reichtum & Dummtun

Samstag, 25. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Erst in einem Jahr wird es DAS GROSSE JUBILÄUM geben, doch derzeit rüstet man allüberall auf. Ein Nazi, den man, zur Vermeidung von juristischen Schritten, „ein den nationalen Kräften Nahstehender“ nennen sollte, schreibt seinen Frust in Lokalblatt-Leserbriefen heraus: Alles in der DDR war schaurig, nur Stasi und Hunger, Not und …

Unkorrekte Bibo

Freitag, 24. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

„Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ So verkünden es heute alle Medien. Und weil am Montag just dies für Eisenberg gilt, hier die passende Geschichte dazu:
Ende der Fünfziger war ich eifriger Nutzer der Kinderbibliothek, die im obersten Stockwerk des Pionierhauses „Ernst Schneller“ untergebracht war. Jetzt firmiert es als „Johannes-Schilling-Haus“, an den wilhelminischen …

Fernmündlichkeitsgutachten

Donnerstag, 23. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Gestern Anrufe aus diesen Orten (alphabetisch geordnet):

Altenbeuthen, Bad Berka, Bad Homburg,
Berlin, Burg, Düsseldorf,
Gera, Jena, Krakau,
Leipzig, Leitzkau, Mittweida,
Osterwieck, Rudolstadt, Saalfeld,
Solothurn, Uhlstädt, Ulm,
unterwegs, Weimar, Wermsdorf,

Schkeuditz

Mittwoch, 22. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Man erreicht den Ort natürlich mit dem Flugzeug – und per Stau. Am entsprechenden Kreuz. Mit dem Zug aus Thüringen geht es via Halle und S-Bahn. Die Stadt hat eine Bahnhofstraße – an dessen unterem Ende die Stadtbibliothek liegt. Dort empfängt einen eine fürsorgliche, vorausschauende Bibliothekarin – sie hatte zuvor …

Peter Depunkt

Dienstag, 21. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Nach Zeitungslektüre, Stehradeln und Radiofigaroammorgen fällt mir dies ein: Ich lebte in einem herausgehobenen Land. Das einzige, das die Auszeichnung „ehemalige“ erhielt – immer wieder angeprangert, aber hartnäckig in den angeblich so klugen Medien benutzt. Aus allen anderen so gar nicht ehemaligen Epochen wurde viele gute und paar abschreckende Architekturbeispiele …

Letzte Fahrt mit SLF-MB 18

Montag, 20. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Abfahrt Rudolstadt: 7:30 Uhr, km: 79055
Im Radio FIGARO-Lesezeit. Aus dem berühmten Käse-Reklame-Roman von Turgenjew „Feta und Söhne“
Ankunft Magdeburg: 10:20 Uhr, km 79292
Benzinverbrauch: 5,9 Liter/100 km
Hotel “Maritim”. Salon Magdeburg 10:45 Uhr (30 min vor Auftritt kommt ein ordentlicher Theatermensch)
Raum voll, warm, Scheinwerfer, Blonde Dame liest gerade ihre liebste Weihnachtsgeschichte. Wers’n das? …

Nachricht aus dem Innern des Fortschritts

Sonntag, 19. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Liebe Mutti,
heute war nichts besonderes los. Deshalb möchte ich Dir endlich einmal schreiben. Onkel Münte und Opa Steinmeier haben sehr schön gesprochen. Ich bin stolz darauf. Nun muß ich aber endlich mein ausführliches Schreiben beschließen und Dir einen glücklichen Ausgang, an welcher Stelle auch immer, wünschen.
Dein treuer Sohn und Genosse….

Bauchfreier Winnetou

Samstag, 18. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

In der Nacht von Freitag zum Sonnabend gegen halb zwei Uhr ist die S-Bahn zwischen Charlottenburg und Alex rappelvoll. Junge Leute zwischen achtzehn und fünfundzwanzig. Ein paar Uralte wie ich dazwischen. An allen Haltestellen das, was man Wuhling nennt. Vielleicht ist um diese Zeit gerade ein Wechsel zwischen den …

Der Charme des RIAS

Freitag, 17. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Seit langem mal wieder im DeutschlandRadio-Studio gewesen; sonst erledige ich Radiogeschäfte meist im neuen Hauptstadtstudio in der Wilhelmstraße. Am Hans-Rosenthal-Platz hingegen gibt es noch ein wenig vom Backstein-Charme des alten RIAS. Studio 1 ist in der vierten Etage, Studio 4 in der dritten … Vielleicht sehen das Leute, die dort …

Feengrottenführer

Donnerstag, 16. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Blauweißer Himmel, kein Thüringer Regen. Letzte Berlin-Tour mit meinem kleenen roten Nissan. Montag, nach Magdeburg-Abstecher geht er zurück ans Autohaus – mal sehen, wie ich als Nur-ÖVM-Nutzer klarkomme. Bei Berlinfahrten ist dies ja ohnehin viel besser – jede Fahrt mindestens ein gelesenes Buch mehr.

Gestern Menschings Rateshow „Was bin …

Wurstpaket mit Schuss nach hinten

Mittwoch, 15. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Hans-Dieter Schütt, larmoyantester Barde des „Neuen Deutschland“, hat heute einen hübschen Text zur Frankfurter Buchmesse gestrickt: Nur neue Buchtitel, passend aneinandergereiht.

Ich habe gestern früh den Text „Die Thüringer Politik – Ein einziges Wurstpaket“ für DeutschlandRadio gestrickt. Drei Minuten. Macht mehr Arbeit, als ein Dreiseitentext. Freitag Aufnahme am Hans-Rosenthal-Platz im Funkhaus, …

Blechbüchse ohne Worte

Dienstag, 14. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Wegen des großen Erfolges der Notiz vom 12.10.08 hier noch ein Auszug aus dem Gruppenbuch der Klasse 4 b der Fichteschule Mittweida, Pionierfreundschaft „Sophie Scholl“, vom 29. 3. 1961:

„An diesem Gruppennachmittag besuchte uns der Arbeiterveteran Herr Rudi Grunert, um uns aus seinem Leben und vom Kampf der Arbeiter unserer …

Deutscher Sprachschwulst im Oktober

Montag, 13. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Ein paar Leitplanken einziehen. Ein paar absichernde Leitplanken einziehen. In der gegenwärtigen Situation müssen noch mehr absichernde Leitplanken eingezogen werden. Wir werden nicht umhin kommen, die bereits eingezogenen Leitplanken zur Sicherheit weiterhin zu verstärken. Es ist doch längst an der Zeit, die Sicherheit der Leitplanken, die hier und heute unbedingt …

Gruppenratsvorsitzender

Sonntag, 12. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Ein Herbsttag voll Blätter, wenig Wind und allerlei fallenden Früchten. Die „Schwarze Susanne“ schoss ihre schwarzen Kügelchen auf unseren Balkon. Bilanz-Zeit.

Denn auf der Sachsen-Tour griff die Vergangenheit mir ans Gewissen. Werner, von der 1b bis zur 8b in meiner Klasse, wie ich damals Mathematik-Olympiade-Kader (muss man das bei der Überprüfung …

Info in Halbsät.

Samstag, 11. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Eine Tagebuch-Leserin macht mich zu recht darauf aufmerksam, dass ich jüngst Grammatik vergewaltigte: Vergangene Erlebnisse mit Verben in der Gegenwart erzählen – dat jeht ja nuh nich. Grammatisch verdrängte Vergangenheit.
Dennoch im Stakkato die vergangene Woche, Extrakt aus dem Bleistifttagebuch:
Sa.: Fahrt nach Dresden, Quartier bei Freunden, die derweil Südtirol bewandern. Abends …

Kein Meckertext

Freitag, 10. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Nein, man soll nicht immer über Deutschland meckern. Und schon gar nicht über seinen Osten. Auch wenn die Deutschen den frischen Nobelreisträger LeClezio kaum kennen – kulturlos sind sie nicht. Auf der Herbstreise mitten ins Herz der sächsischen Kultur machte ich höchst erfreuliche Beobachtungen: Man kann in diesem Lande in …

Blumenzerrupfen mit Bassocontinuo

Samstag, 04. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Eigentlich – man sollte eigentlich keine Sätze mit eigentlich beginnen – wollten wir gestern nachmittag Koralls und Pawlitzkis China-Fotos in Jena ansehen. Hatten eine Einladung zur Eröffnung um 14.00 Uhr. Doch die neue Jena-Info war von einer Tribüne verstellt; es wurden ellenlange, salbungsvolle Einheits- und Einweihungsreden gehalten – nichts mit …

Quodlibett & Kontaktgift

Freitag, 03. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Theater im Gespräch. Am Tag der dt. Einh. In Heilbronn, wo eine Truppe aus Rudolstadt unter Vornam mit – laut Medien – gewaltigem Erfolg die Spielzeit begann, hat man die Akten abgegrast. Bei einem Dutzend Ossis, ein Begriff, den wir um Himmelswillen nicht mehr verwenden sollen, wird sich doch was …

Himmelbrot oder Hungerbrot

Donnerstag, 02. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Ceterumcenseo nicht Zetermordio: Die gestrige Buchvorstellung in der Landesvertretung mit Kräuterkönig und Lavendelprinzessin war ein Erfolg. Überall Schautafeln aus der Region; die Königseer Firma Hoffmann & Sommer war mit einer ganzen Produktpalette angerückt. Vom Rudolstädter Bürgermeister bis zum Landtagsabgeordneten für das Olitätenland war die, wie man sagte, politische Spitze vertreten. …

Keine Werbung

Mittwoch, 01. Oktober 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Berlin im Regen. Das Fahrrad bleibt im Keller, denn Nässe auf den Radlerpisten / lässt Gemütlichkeit vermisten.

Ich zähle mich nicht zu den mathematischen Flachzangen, dennoch ist den Bankenkreditkrisendiskussionen nur schwer zu folgen. Eines war doch immer klar: Ich kann nicht Waren im Wert von zehn Euro hundertmal …

Vesselnd

Dienstag, 30. September 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Habe gerade gelesen, dass ängstliche Leute mehrheitlich konservativ (bürgerlich lagernd) wählen. In den USA hat man herausgefunden, dass diese auch für Todesstrafe und militärische Interventionen sind. Das wäre doch DIE Möglichkeit, eine ewigwährende CDU-Alleinregierung für die mitteldeutschen Länder zu installieren: Etwas Angst verbreiten – und eine Bildungs-Initiative …

Bürgerliches Lager

Montag, 29. September 2008 - Matthias Biskupek

Dieser Begriff spukt seit einiger Zeit und ganz besonders seit der gestrigen Bayernwahl durch die Journalistenprosa. Was er soll, sagt niemand – denn er stammt aus Urzeiten, als es noch Arbeiterparteien oder eine Partei der kleinen Landwirte gab. Vielleicht will man nicht „Rechtes Lager“ sagen. Weil es mehr rechte Stimmen …

Alles Bibo

Freitag, 26. September 2008 - Matthias Biskupek

Lese soeben im Lokalblatt, dass zwei Bibliothekarinnen 200-300 Bücher aus der Remdaer Bibliothek als „nicht mehr zeitgemäß“ aussortiert haben. Im übrigen soll die Bibliothek ohnehin geschlossen werden – es gab kaum noch Ausleihen. Nächste zeitgemäße Wahl-Botschaft - die Grünen würden im Landtag gern mit der CDU - wenn sie dürfen. …

Zwei LeserInnen im Stadtviertel

Donnerstag, 25. September 2008 - Matthias Biskupek

Drucke eben die Kolumne über die Agenda 2010 aus, die ich heute nachmittag im Erfurter Funkhaus sprechen soll. Danach Arnstadt - Lesung in der Bibliothek. Mal sehen, wen die nächtliche Stunde um 19.00 Uhr dorthin treibt.

Gestern vormittag in Berlin langes Kaffeetrinken mit Korall. Für seinen Katalog will und soll ich …

Agenda mit Dotter

Mittwoch, 24. September 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Das Frühstücksei hat ein riesiges gelbes Dotter und eine dünne Schicht Eiweiß ringsum. Vorbote einer kommenden Welt- und Lebensmittelkatastrophe?

Im norwegischen Film „Die Kunst des negativen Denkens“ sehe ich gestern wunderbare Charakterköpfe; Menschen, jenseits der üblichen Leinwandglätte. Kammerspiel mit schwarzem Humor und dem, was man wohl Message nennt. Der …

Mikro & Currywurst

Dienstag, 23. September 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Das „Politische Feuilleton“ von DeutschlandRadio wird immer gruseliger. Heute morgen erzählt Richard Herzinger, wie schauderhaft gute Beziehungen zu Russland seien, denn echten Demokraten in den USA könne dies nicht gefallen. Dazu bemüht er angeblich traditionelle Sympathien der extremen Rechten zu Russland, obwohl ja eigentlich die finsteren Linken …

Kletten & Klett

Montag, 22. September 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Der Herbst fängt mit Regen in Thüringen an und endet am Berliner Wasserturm mit Sonnenflecken. Im DLF höre ich während der Fahrt vom Fluch und Segen der Medizindiagnostik. Gut, dass man seine Kinder längst hat. Wahrscheinlich sagen Generationen sich das immer wieder: Gut, dass ich da nicht …

Presse-Dokumente

Sonntag, 21. September 2008 - Matthias Biskupek

Wochenendausgabe vom 20./21. September 2008 der „Ostthüringer Zeitung“, Nachfolgerin des „Organs der Bezirksleitung Gera der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“:

„Entzauberter Sozialismus / Von Ullrich Erzigkeit /
(…) Die sich sozialistisch nennende Einheitspartei … fügte dem düsteren Gemälde sogar noch weitere tiefdunkle Farben zu. Der übergroße Teil derer, die über Jahre in dem Gebilde …

Schweinehund

Samstag, 20. September 2008 - Matthias Biskupek

Dialog vor der Imbissbude an der Schwarzaer Flugplatzbrücke:
Der hatte doch solsche Bisswundn!
Äh was!
Doch! Da muß die Sau ja paarmal zugeschnappt hamm!
Iss doch ä Hundsschwein, das Vieh!
Der tutt sonst belle, wie nur was. Muss denn der dumme Hund egah belle?
Der tutt belle, das blöde Schwein, das. Und nuh hatter zugebissen. So …

Nu nebbich

Freitag, 19. September 2008 - Matthias Biskupek

Ein Traum, der mir zu denken geben sollte. Bin mit vielen Leuten in Gera, Gedenkstätte Amthordurchgang. Große Betonbaustellen, Hallen, überall Gruppen, die sich mit der Stasi-Aufarbeitung beschäftigen. Hinter jeder stählernen Bau-Tür eine neue große Halle mit Sitzungsordnungen. Versammlungsleiter an der Stirnseite, straffe, vorbereitete Diskussionsbeiträge. Ich sage: Das kommt mir so …

Idee einer Idee

Donnerstag, 18. September 2008 - Matthias Biskupek

Zehn Bücher liefen schief, an- oder durchgelesen im Regal. Höchstens vier, vielleicht fünf, kann ich in die nächste Buchkolumne packen. Und die unerwähnten werden dann entweder vom Anzeigenredakteur oder vom Verlag oder gar vom sich nicht geschätzt gefühlten Autor angemahnt. Annett Gröschners faktengefülltes Berlinbuch von Nautilus habe ich noch nicht …

Hartmann, Harnisch und die anderen

Mittwoch, 17. September 2008 - Matthias Biskupek

Merkwürdig verschränken sich Theaterwelten heute morgen. Im „Neuen Deutschland“ ein langes Porträt von Thomas Irmer über den neuen Leipziger Intendanten Sebastian Hartmann, seinen kruden und geraden Weg durch off-Theater, Volksbühne und Skandale. Darunter die Rezension von Hanno Harnisch über Menschings „Pirandello“, überaus freundlich. In der TA schreibt Frauke Adrians über …

Simon & Simone

Dienstag, 16. September 2008 - Matthias Biskupek

Ach Gott, da hat der Wettbewerber der TA heute ein Bild ins Internet gestellt. Zur Rudolstädter Pirandello-Aufführung setzt er diese Unterschrift: „Die junge Schauspielerin Simone Kehl (vorn links) spielt eine junge Schauspielerin.“ Nun gibt es einen jungen Schauspieler namens Simon Keel und allerlei junge Schauspielerinnen im Ensemble, die Clarissa, Anne …

Rezensionsrezension

Montag, 15. September 2008 - Matthias Biskupek

Nach einer Premiere ist es immer wieder Hauptspaß, zu sehen: Was schreiben die Leute darüber? Was haben sie gesehen, was ich nicht sah? Jörg Sobiella erzählt soeben bei MDR Figaro zur vorgestrigen Premiere von „Sechs Personen suchen einen Autor“, dass der Regisseur vielleicht zu sehr vom Blatt inszenierte: Wenn Pirandello …

Gruppenleiter mit Sekt

Sonntag, 14. September 2008 - Matthias Biskupek

Gestern Rudolstädter Theaterfest unter strahlend kalter Sonne. Im Klubtheater Schminkkasten sitzen die „Gruppenleiter“ der Anrechtsgruppen und Intendant Mensching kann das Wortspiel nicht lassen, von den Gruppenleitern, die auf „Seid bereit“ mit „Immer bereit“ reagieren. Doch brav und ungeschickt serviert der Theaterförderverein Sekt, Kaffee und Kuchen. Draußen gibt es allerlei Orchesterstücke …

Gute Thaten

Samstag, 13. September 2008 - Matthias Biskupek

Ich finde, liebes Tagebuch, man sollte Dir viel mehr über das Gute und Schöne in uns erzählen. Nur so werden wir die Welt schön und gut machen. Gestern zum Beispiel wartete ich an einer Ampel bei Rot, obwohl kein Auto kam. Doch erst bei Grün ging ich hinüber. Nur wenn …

DEFA-Märchenkulisse

Freitag, 12. September 2008 - Matthias Biskupek

Nach Fahrten von Berlin über Mittweida, sächsische Burgen und Schlösser wieder in Rudolstadt. Schreibwerkstatt in der Fichteschule (gestern und heute vormittag) brav abgeschlossen – die Schüler bastelten fleißig Haikus, lieferten sie zum Teil illustriert und schrieben auch Geschichten zu von mir ausgedachten Schlüssen. Mut und Unmut zu dieser Veranstaltung darf …

Bornholm II

Mittwoch, 10. September 2008 - Matthias Biskupek

So hieß ein Gedichtband von Uwe Kolbe. Gemeint war die Berliner Gartensparte in unmittelbarer Mauernähe. Dort radele ich gestern lang. Das Schöne in Berlin: Wenn man diese Ostseeinsel entlang nordwärts fährt, kommt man alsbald nach Südtirol. In die Dolomiten, nach Trient und Toblach. Zwischendurch riecht es nach Äpfeln, Spiritus, Laub …

Gift auf den Weg

Dienstag, 09. September 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. Letzte Spätsommerautofahrten. Auf der Autobahn drängelt ein diplomatisches Korpsauto alle andern weg. BILD hätte eine schöne Schlagzeile: Diplomaten-Araber machen unsere Straßen zur Raserwüste.

Höre im Auto zweimal die neue Bayon-CD. Viel Exotik, aber angenehm durchsichtig, wie man zur Kompositionskunst sagt. Kein Musikbreinerlei – das Wort darf ich hier stehen …

Ilmufer mit Bayon

Montag, 08. September 2008 - Matthias Biskupek

Der Schauspieler Bernd Lange wollte etwas ausprobieren. Kann er jene Leute, mit denen er im Verlauf seiner dreißig Nationaltheaterjahre an literarisch-musikalischen Programmen arbeitete, zu einem Fest vereinen? Gestern gelang dieses Unternehmen im Weimarer Bienenmuseum auf erstaunlich schöne und lockere Weise. Am Ilmufer wurde gebraten, wurden Bierflaschen geöffnet – und allerlei …

Matinee eben

Sonntag, 07. September 2008 - Matthias Biskupek

Jubelzeitungsmacher würden so schreiben: Der Literaturtag war ein voller Erfolg! Nee – er war durchwachsen – wie das Wetter gestern.

In der THALIA lagen gleich vorn auf rundem Präsentierteller die Bücher von acht Rudolstädter Autoren. Als ich die Eitelkeitskontrolle mache – ja auch von mir drei Titel – spricht mich ein …

Bildungsnotstand und Berufsverbote

Samstag, 06. September 2008 - Matthias Biskupek

Vom Sutton-Verlag kommt eine CD mit Bildauswahl und Bildunterschriften „20 Jahre Wende“. Nun kann ich gelegentlich in diesem Bilderbuch am Computer blättern und zusehen, was für Texte mir in den nächsten zwei, drei Monaten dazu einfallen.

Manfred Kiedorf, einer der beiden Götter der „Schlösser der gepriesenen Insel“ auf der Heidecksburg hat …

Sentimentalität in Grenzen

Freitag, 05. September 2008 - Matthias Biskupek

Gestern einen Achtzehnstundentag gehabt – nein man muss mich nicht bedauern. Passiert selten. Kurz nach sechs aus dem Haus, kurz vor Mitternacht wieder rein.

Vormittags lande ich eine Stunde vor meinem Schreibwerkstattbeginn an der Mittweidaer Fichteschule an. Meine olle Schule – sie riecht doch anders. Das große Fichtezitat gleich neben meinem …

Hymnisches Deutschland

Mittwoch, 03. September 2008 - Matthias Biskupek

Ein erstes Konzept für die Jazz-Wort-CD mit Joe Sachse und Uli Weber gemacht – sieben leseerprobte Geschichten, ein paar Sprachspiele und Sprüche. Als Arbeitstitel steht erst mal „Das hymnische Deutschland oder Die Worttrompetengitarre“. Dummerweise haben die beiden Jazzer kein elektronisches Fach für Texte – ich werde das Zeugs mühsam ausdrucken …

Aber so isses

Dienstag, 02. September 2008 - Matthias Biskupek

Nachdem nun die fünfte Nachfrage bei mir eingelaufen ist, wieso mein Beitrag vom 29. August „TA-Ladefehler“ erst drei Mal aus dem Netz flog, dies für die lesende TA-Allgemeinheit:
Ich hatte zunächst „Schweinigel-Link“ getitelt und bei den tags „FKK“, „nackt“ und „Schweinigel“ angegeben. Das muss die Maschine zum Nachdenken und Zensieren gebracht …

Vom Sprach-Radar verschwunden

Montag, 01. September 2008 - Matthias Biskupek

Heute morgen kommt im Radio ein Kalenderblatt: Vor 25 Jahren wurde eine koreanisches Zivilflugzeug über dem Osten der Sowjetunion abgeschossen. Unklar ist nach wie vor der genaue Hergang – wieso kommt eine Maschine Hunderte Kilometer vom Kurs ab? Damals saßen wir auch gerade im Flugzeug – eine Gruppe junger Schriftsteller …

Lockere Leichtlebigkeit

Sonntag, 31. August 2008 - Matthias Biskupek

In Erfurt-Tiefthal tagt der Vorstand des Schriftstellerverbandes. Wir sitzen am langen Tisch im Garten und frühstücken sehr ausgiebig. Offensichtlich sind drei der hochverehrten Vorstandsmitglieder erst vor wenigen Stunden kurz zu Bett gegangen; das zeigt doch die überaus lockere Leichtlebigkeit von freischlafenden Künstlern.
Besprechen unsere Manuskriptwanderung am letzten Septemberwochenende in Weißensee und …

Großes Geheimnis

Samstag, 30. August 2008 - Matthias Biskupek

Liebes Tagebuch, heute möchte ich Dir erzählen, was ich gestern machte. Aber es muss unter uns bleiben! Gestern, liebes Tagebuch habe ich nämlich geschrieben. Das finde ich „super“ und auch „toll“, um es mal so richtig schön auszudrücken. Nun aber, mein liebes Tagebuch, will ich schließen. Denn ich muss noch …

TA-Ladefehler

Freitag, 29. August 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Augustregen; Sonnenschirme werden zu Regendächern. Mein Fahrrad knirscht mit allen Zahnkränzen. Es musste wieder pro Berlintag fünfzehn Stadtkilometer schrubben.

Erschröckliches Ereignis im Weltnetz. Meine Homepage zeigt seit Juli plötzlich extrem ansteigende Zugriffszahlen – aber nur auf einen Buchtitel. Den Einband vom FKK-Buch aus dem Eulenspiegel-Verlag. Steht seit Monaten …

Lose, geahnte Projekte

Donnerstag, 28. August 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Habe mittlerweile drei Medien-Aufträge, die ich aber (noch) links liegenlasse, obwohl solche Aufträge, im Unterschied zu Tagebuchnotizen, honoriert werden.

Radle nachmittags in die Seelower Straße. Zweiter Stock, Hinterhaus. Eine Bude voller Bilder, Computer, Musikinventar. Uli Weber, der Jazz-Trompeter, Hobbymaler und gebürtige Frohburger, schlägt mir vor, eine CD zu …

Der Klirrfaktor

Mittwoch, 27. August 2008 - Matthias Biskupek

Normalerweise nerve ich dieses Tagebuch nicht mit Bulletins zu meinem Gesundheitszustand. Eine Ausnahme, weil sie vielleicht eine poetische Idee enthält:

Ich hatte mich tagsüber etwas mehr als üblich angestrengt, abends Bürokram erledigt, das Telefon klingelte dazwischen. Nach dem Telefonat vernahm ich plötzlich merkwürdige Resonanzen. Nun lief auch noch die Waschmaschine – …

Lieber Gott und Humor

Dienstag, 26. August 2008 - Matthias Biskupek

Leibhaftige Leserbriefe auf Papier sind die schönsten. Zu meinem FKK-Beitrag von voriger Woche in der TA meldet sich ein Herr, der auch noch in der Pfarrmünsterstraße wohnt. Ich hätte doch den „lieben Gott“ aus meinen Betrachtungen herauslassen sollen, denn in der Bibel heiße es „Gott lässt sich nicht spotten“.
Was soll …

Finanzamtsblüten

Montag, 25. August 2008 - Matthias Biskupek

Das Finanzamt Pößneck treibt wunderbare Blüten. Alljährlich bekommen sie von mir eine Einnahme-Aufstellung, in der zum Beispiel die Honorare beim MDR genauestens aufgelistet sind: Sender, Tätigkeit, Bemerkung – und Klassifizierung also ob Publizistik, Lesung aus eigenem Buch, öffentliche Lesung mit Aufzeichnung, literarische Vorlage für ein Feature usw. Die Liste ist …

Nostalgische Auspuffwolken

Sonntag, 24. August 2008 - Matthias Biskupek

Drei Wandertage im Grabfeld sind vorbei – Freitag beschränkt sich das Wandern auf einen Stadtrundgang in Römhild, einen Besuch Harald Gerlachs – sieben Steine und eine Muschel liegen auf seinem Grabstein – und einen abendlichen Gang in die Stifts-Kirche. Der Gospel-Chor joyful singers aus Berlin lobt den Lord. Mehrere Hundert …

Herrschende Nichtarbeiterklasse

Freitag, 22. August 2008 - Matthias Biskupek

Vor vierzig Jahren übertrafen sich die Presse-Kommentare in der DDR. Alles rechtfertigte den Prag-Einmarsch. Es war ziemlich widerlich. Wir kamen in die zwölfte Klasse und diskutierten heftig – doch unsere Meinungen waren das eine, die dümmlichen öffentlichen Bekundungen der Journalisten das andere.
Gestern bringen fast alle Medien den dümmlich-unpassenden Vergleich von …

Staatsbibliothek

Donnerstag, 21. August 2008 - Matthias Biskupek

In der sitze ich gestern und bekomme einen Privatkaffee von der promovierten Gabriele serviert. In ihrem Zimmer liegt gerade der Nachlass von Günter Hofé. „Roter Schnee“ sage ich – der Titel wurde nicht im Sinne seines Erfinders in der DDR als Klassifizierung gewisser Bücher benutzt. Hofé wurde Anfang der Sechziger …

An einem Sonntag im August

Mittwoch, 20. August 2008 - Matthias Biskupek

So heißt eine Kneipe in der Kastanienallee. Am gestrigen Dienstag sitze ich dort in der Sonne und stelle fest, dass das Klischee vom schwarzgewandeten Prenzlauer Berg – auch ich benutze es gern – nicht ganz stimmt. Von den Flaneuren tragen aber doch zehn Prozent schwarz. Mehr, als andernorts.

Am Nachmittag im …

Dr. Aleman kokst

Dienstag, 19. August 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer. In der Sredzkistraße eine Kunst-Buch-Aktion. In aufgerichtete Baumstämme hat man Regale gesetzt, mit Klappen verschließbar. Darinnen Bücher. Jeder kann welche herausnehmen – oder hineinstellen. Vielleicht soll den Büchern ein modifiziertes Bibelwort klar gemacht werden: Aus Holz warst Du – zu Holz sollst du werden.

Höre beim Nachmittagsitaliener nebenbei ein …

Die Prohibition und Der Hacks

Montag, 18. August 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Dieweil mir heute morgen Blut zu wissenschaftlichen Zwecken abgezapft werden soll, sitze ich ein Stündchen beim Arzt. Zwei ältere Damen murren gemeinsam und passen genau auf, ob die von ihnen beobachtete Reihenfolge eingehalten wird. Zu ihrem Unwillen wird sie nicht – es gibt Vorbestellungen und eine kleine …

Fünfte Plätze, Konzeptkunst & Faltblatt

Sonntag, 17. August 2008 - Matthias Biskupek

Bei den Olympischen Spielen hat die Leichtathletik begonnen – das hält mich gelegentlich vor dem Fernseher. Was mir nach wie vor auf den Wecker geht: die Besserwisserei unserer Kommentatoren. Hat man bei Spielen in den USA den Gastgebern je „alles etwas zu kitschig“ vorgehalten? Wenn die Chinesen mal nicht die …

Neues vom Dichtungslehrer

Samstag, 16. August 2008 - Matthias Biskupek

Schreibe ein lyrisches Gedicht in fünf Zeilen, das mit einem Ausrufezeichen schließen und zudem wenigstens einen Reim und fünf folgende Wörter enthalten soll: Mond, Sterne, Liebe, Traum, Morgen.

Mandy dichtet:

Der Mond scheint klar.
Und Sterne funkeln.
Die Liebe bleibt mein Traum
Im Dunkeln.
Und Morgen wird er wahr!

Amtssprache mit schöpferischer Stille

Freitag, 15. August 2008 - Matthias Biskupek

Im Radio diskutiert man über Amtssprache. Der Interviewte, ein Professor, der die Verwaltung geißelt, sagt: „Da wird über uns verwaltet“. Meint er: Da wird über uns entschieden? Oder: Da werden wir verwaltet? Natürlich wird immer „über uns“ verwaltet, denn die Verwalter sitzen, wenn nicht oben, so doch am längeren Hebel. …

Eitelkeit mit Karl Valentin

Donnerstag, 14. August 2008 - Matthias Biskupek

Sitze gestern bis spätnachmittags an einem Text für OSSIETZKY in Sachen Georgien-Ossetien-Russland: „Das Völkerschachbrett“ – natürlich wird die Überschrift im Druck geändert werden, denn der Überschriften-Sinn von Redakteuren ist meist anders, als meiner. Immerhin habe ich jetzt Luft abgelassen und kann über die heutigen Pressekonferenzen zum Thema gelassener hinweglesen. Man …

Magie großer Zahlen

Mittwoch, 13. August 2008 - Matthias Biskupek

Das TAgebuch läuft offiziell seit dem 25. April 2008. Auch die fleißigste Tagebuchdichterin, die keinen Sonn- und Feiertag, keinen Urlaubstag ausgelassen hätte, könnte heute bestenfalls die Nr. 111 erreicht haben. Nun kann man ja auch zwei, zwölf oder vierundzwanzig Eintragungen pro Tag machen, also kein Tagebuch, sondern ein Stundenbuch führen. …

Das Ei vom Zwerghuhn

Mittwoch, 13. August 2008 - Matthias Biskupek

Geburtstag von Lenau und Liebknecht. Und von Freund Ulf. Als politisch Korrekte sollten wir natürlich des Mauerbaus gedenken: Ich war vor 47 Jahren stocksauer. Bei Onkel Willi in Zeesen, unweit von KW, war ich für die letzten beiden Augustwochen als Ferienkind angemeldet – natürlich wollten wir Tante Martha in Westberlin …

Die Panne

Dienstag, 12. August 2008 - Matthias Biskupek

„Es gibt kein Recht auf Sezessionismus!“ – sagt gestern der deutsche Regierungssprecher. Er meint damit aber nicht die Abspaltung des Kosovo oder gar Kroatiens von einem souveränen Staat. Südossetien ist gemeint – deren Einwohner nicht mehr von der „eigenen“ Armee abgeschlachtet werden wollen. Die Zyniker eines untergegangenen Staates formulierten das …

Absegnungsfähiges Stück Papier

Montag, 11. August 2008 - Matthias Biskupek

Bei trübgrauem Nachmittagshimmel setze ich mich gestern endlich an die schriftliche Idee für meinen nächsten Kabarett-Essay: Wir machen bloß Quatsch – Was unterscheidet Comedy von Kabarett? Der MDR will so was ja immer lange vorher – im Dezember soll das Dings gesendet werden, zuvor muss ich Kollegen befragen, schreiben, sprechen. …

Liebhabertheater

Sonntag, 10. August 2008 - Matthias Biskupek

Sitze über den letzten fünfzig Seiten des letzten Buches für meine Herbst-Eulenspiegel-Kolumnen. Eine erstaunliche Geschichte von alten SS-Kämpfern, die sechzig Jahre nach Kriegsende ihren Bunker verlassen – Anlass für eine Satire zum bolliddisch-corrrrecccten Umgang mit brauner Soße. Werde also nächste Woche meine Texte dem Äther überantworten – kann man das …

Separatisten & Anwälte

Samstag, 09. August 2008 - Matthias Biskupek

Beim morgendlichen halbstündigen Stehradeln höre ich statt MDR-Figaro mal ABBA. Gewiss – ich schäme mich für meinen Musikgeschmack, verstehe aber jetzt Fitness-Studio-Gesellen, die „bei flotter Musik“ ihre Übungen absolvieren.

Heutige Sprachregelung in den Medien: In Südossetien kämpfen reguläre Truppen gegen „Separatisten“. Die Abchasen sind ohnehin Separatisten, während Georgiens Saakaschwili ein Vorkämpfer …

Sehr geehrte Krause Glucke!

Freitag, 08. August 2008 - Matthias Biskupek

Bewerbungsschreiben für ein Hochliteraturstipendium

Die Welt als Milde und Vorsehung
Der Held als schillernder Koreaner
Das Zelt als Hilfe und Verdrillung
Das Geld als Killer und Zerstörer
Die Milde als Held und Vollstrecker
Die Gilde der Scharlatane
Und unter der Soutane
Die Leiber voller Zeitvertreiber
Und morgen wieder ein paar Nietzsche-Weiber, he!

mfg
mb

(Der Text entstand im gestrigen dreiunddreißiggrädigen Berliner Schatten)…

Dolle Schimpfe

Donnerstag, 07. August 2008 - Matthias Biskupek

Eine Mail von Manuel, Jahrgang 1978, zum Kleinen DDR-Lexikon: „Vielen Dank, dass Sie der Welt dieses hervorragende Stück Erklärliteratur zur Verfügung gestellt haben. Ich wurde im Westen sozialisiert (Oder muss man ‚kapitalisiert’ sagen? Also verkauft - womöglich für dumm…) und frug mich bereits mehr als nullmal, was denn nun mit diesem oder jenem Begriff gemeint sein könnte.

Dienstag ist Kinotag

Mittwoch, 06. August 2008 - Matthias Biskupek

Manchmal läppern sich auch in Berlin die Radkilometer. Gestern dreißig – das kommt davon, wenn man erst nach Pankow, hernach in die Gegenrichtung Charlottenburg gondelt.

Schlachtschiff aus Zement

Dienstag, 05. August 2008 - Matthias Biskupek

Auf dem Weg nach Berlin Station in Sachsen, an der Kriebstein-Talsperre. Das „Waldhaus Lauenhain“ als Stätte von Jugendsünden und Jugenderinnerungen. Nahebei war die „Seesportschule“, in den Fünfzigern als Ausbildungslager für die GST genutzt. (Interessenten schauen unter „GST“ nach).

Kanal noch nicht voll

Montag, 04. August 2008 - Matthias Biskupek

Der ZDF-Theaterkanal zeigt am 1. September die Theaterlandschaften Rudolstadts, vorgestellt von Esther Schweins. Das fand ich im Netz – nicht gefunden habe ich, wie man, womöglich im Netz, den Kanal sehen kann. Doch da das Programm, das nun wieder sehr ausführlich im Netz verzeichnet ist, mitteilt, dass es auch ein zehnminütiges Gespräch mit mir an allerlei Sendetagen im September vorführt, schicken die Macher vielleicht einen Datenträger, wie man jetzt ganz allgemein sagen kann, um sich von VHF bis CD nicht ständig in Buchstabenabkürzungswelten bewegen zu müssen.

Kräutererbepfleger

Sonntag, 03. August 2008 - Matthias Biskupek

Was gehört in Südthüringen zum Ferienprogramm für ein Ferienkind? Richtig, die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn. Also lassen wir uns gern belehren: Die Fahrt von der Talstation zur Bergstation überwindet 324 Meter Höhenunterschied mit einer Geschwindigkeit von 5,6 Stundenkilometer. Oder sind die Zahlen doch etwas anders?

Ergriffensein - Begleitgestein

Samstag, 02. August 2008 - Matthias Biskupek

Gestern abend Sommerfest im Hof bei den Freunden in Uhlstädt. Sprich: Rostbrätel- und Bratwurstessen. Da es auch einige – wenige - alkoholische Getränke gab, werden im Laufe der sich anschließenden, tiefgründigen Diskussion zu Menschheitsfragen die letzten Welträtsel gelöst. Das Problem dabei: Es gibt keinen Protokollanten, der die Ergebnisse für die …

Durchtobte Nacht

Freitag, 01. August 2008 - Matthias Biskupek

Von den Städten wird bleiben, der durch sie hindurchging: der Wind. So ähnlich dichtete Brecht. Seit heute die Fassung für unsereins: Von den Menschen wird bleiben, die sie abstempelte: Die Steuernummer. Es gibt neue – und die bleiben noch zwanzig Jahre nach dem Tode an einem haften.

Haken am Bild

Donnerstag, 31. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Aus heiterm Himmel – nein, bei abendlichem heiterem Himmel – fiel gestern ein Bild von der Wand. Es landete weich und unversehrt, auf dem Sofa. Der Plastehaken war abgeschert, im Lauf der Jahre vom Bildaufhängungsdraht durchschnitten.

Nervosana und die Todesstrafenfrage

Mittwoch, 30. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Auf der Schulhofmauer gegenüber sitzt heute morgen eine alte Dame. Sitzt und guckt in die Sonne. Sitzt nicht auf irgendeiner Parkbank – nein, auf der Schulhofmauer. Baumelt mit den Beinen. Das ist heutzutage so ein seltener Anblick, dass eine Kurzgeschichte daraus entstehen könnte: Die alte Dame lässt die Beine baumeln.

Schwankende Elemente der Grünen

Dienstag, 29. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Im Sommerloch erkennen die politisch Gereiften wieder mal, dass man unbedingt mehr über die DDR aufklären müsse. Weil nur katholische bayerische Schwesternschülerinnen das wahre DDR-Bild kennen, nicht aber brandenburger oder sächsische Jugendliche.

Ich klebe nicht umsonst!

Montag, 28. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Freuschaffende können sich ja immer Urlaub leisten. Merke: Freuschaffende. Denn vogelfrei sind lediglich die Honorarabrechnungsvergeltungszeiten, das Schaffen hingegen ist freudvoll.

Nach einigen Tagen Abwesenheit lagern Belege überall, die man zwecks steuerlicher Absetzung sammeln, ordnen, aufkleben muss. Da bleibt nur zu sagen: Ich klebe nicht umsonst!

Malerisch knirschender Mahlsand

Sonntag, 27. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Mitten im Juli gab es bei Waren 1 Oktobertag – und 4 Tage Hochsommer. Am Oktobertag flüchteten wir ohne Fahrräder von Kirche zu Museum, von überdachter Einkaufsmeile ins Cafe. Nicht auszudenken, Mecklenburg nur so genießen zu können. An den andern Tagen verringerte sich sukzessive die tägliche Radfahrleistung – von siebzig über fünfundvierzig bis auf ein paar über zwanzig Kilometern. Dafür stieg die mittägliche Aufenthaltsdauer an und in den Eiszeitseen – von einer guten Stunde bis zu vier sehr guten.

Sächsische Hexenschraubzeuggitarre

Samstag, 26. Juli 2008 - Matthias Biskupek

So. Urlaub zu Ende, Computer muss auch wieder arbeiten. Er brummt bissel rum, aber das haben zickige Computer so an sich.

Mamma mia

Samstag, 19. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Grad überlege ich, warum mir gestern in unserm Cineplex, das ich mangels intelligenter Filme weitgehend meiden muss, der ABBA-Streifen so gut gefallen hat.

Zugezogene Gardinen

Freitag, 18. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Station in der Mitte Deutschlands – sprich: zu Hause. Zwischen dem deutschen Südwesturlaub und den deutschen Nordostferien. Post sortieren, Mails abrufen, zugesandte Bücher auspacken, ein Schreibebrief eines über Achtzigjährigen, der mein Urteil über einen Text wünscht. Erstaunlich frisch – und wie bei älteren Leuten oft: Genau und detailreich die Kindheit beschreibend.

LPG und Langos

Mittwoch, 16. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Eines meiner Hauptvergnügen im Urlaub: die fremde Zeitungslandschaft durchforsten. Man könnte ja das Internet bemühen – aber ich liebe Papierausgaben. Meist entpuppt sich das Ganze als Listig-verkappte ZeitungsProduktionsGroßwirtschaft (LPG).

Zivile Opfer und südslawisch

Dienstag, 15. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Ulm. Etwas Urlaubs-Atmo. Der deutsche Südwesten , vor allem an seiner südöstlichen Ecke, hat seltsame Kanten, Risse, Sprünge. Am Sonntag in Lindau, das „im Bodensee“ - wegen seiner Inselbeschaffenheit - liegt, zu Bayern gehört, aber recht eigentlich schwäbisch ist und lange österreichisch war, ein bezeichnendes Erlebnis, das nun wieder für Westdeutschland stehen mag: Die Peterskirche war mal Getreidespeicher – und enthält Wandmalereien von Hans Holbein.

Jetzt ganz stark sein …

Samstag, 12. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Verehrte ständige Leser dieser meiner WiMis (Wichtigen Mitteilungen), also sehr geehrter Herr Dr. Schäuble, hochverehrter Pfarrer Neuschäfer, uns allen sehr verbundene Frau Xundheitsministerin, Hallöchen Dieta Bohlnnn, werthe Menschen draußen im Lande – jetzt müssen Sie ganz stark sein. Ich zappele mal eine Weile nicht im Netz herum. Denn ich begebe …

elbtonale percussion

Freitag, 11. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Bei WELT-online finde ich einen langen, gut recherchierten Beitrag über das Tanz- und Folk-Fest. Es geht also – noch können sich die Medien Leute leisten, die etwas mehr Zeit als eine Stunde für einen Text aufwenden können. Ansonsten raunen die Nachrichten von ungesicherten ICE-Rädern.

Quastenflosser und Bundesamt

Donnerstag, 10. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Gestern Lesung im Brecht-Haus: „Dichterleben“. Richard Pietraß stellt seinen Kollegen, den Dresdner TalDichter Michael Wüstefeld mit einem großartigen Projekt vor. „Das AnAlphabet.“ Dreißig Leute hören zu, darunter gute Bekannte: Joochen Laabs, Barbara Thalheim, Sabine Herholz, die mal unseren Schriftstellerverband geschäftsführte.
Wüstefeld hat die Idee der Dänin Inger Christensen …

Voll verkabelt mit Alpaka

Mittwoch, 09. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Traum: In einem Flugzeug. Ein Bergziegenalpakaschaf – jedenfalls irgendein exotisch behaartes milchgebendes Tier – fliegt mit und beansprucht mehrere Plätze, drängelt sich zudem ständig durch die Reihen. Ich erhebe sanften Einspruch. Die Bergziegenführerin schilt mich als egoistisch – und die Fluggäste nicken beifällig. Auch und gerade diese …

Rechtsverbindliches Gemein-Wesen

Dienstag, 08. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Das Frühstückseidotter ist merkwürdig blass. Was waren das bis vor einigen Jahren noch für goldene Zeiten, als die Hühner mit modernen Nahrungsergänzungsmitteln dazu gebracht wurden, richtiges Dottergelb zu produzieren.

Demmlern auf Saiteninstrumenten

Montag, 07. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Die Freunde von Liedgesang, Trommelei und Röckchenschwenken waren heute nach zehn Uhr morgens noch in größerer Menge am Rudolstädter Bahnhof vertreten, auch der wackere Tanzfestchronist Christoph Dieckmann zog seinen Koffer am Henkel treppab, bahnaufwärts.

Historischer Zufall

Sonntag, 06. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Nicht dass die taz-Redaktionäre auf dieses Tagebuch reagieren – mit drei Tagen Verspätung wurde meine sanfte Richtigstellung zum Beitrag von Christian Rath über den „historischen Zufall“ des Tanz- und Folkfestes zu Rudolstadt ins Netz gestellt.

Dänen lügen nicht

Samstag, 05. Juli 2008 - Matthias Biskupek

MDR-FIGARO sagt mir den ganzen Morgen im Autoradio, dass man nach Rudolstadt zum tff kommen solle – die Straßen seien noch frei. Und siehe da – es stimmt. Vom Ortseingang bis zu meinem Autostellplatz dauert es kaum 15 Minuten – das ist normale Nachmittags-Stau-Stufe.

Das Folkfest und das Grünschwarzweißweltbild

Freitag, 04. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Jedes Jahr erstaunlich: Aus einer Kleinstadt wird ein Zeltlager für Fahrendes Volk. Kräne stapeln hoch und Sitzreihen breiten sich aus. Buden und Podien wachsen. Härene Gewänder und Schellenmützen tauchen da und dort auf. Das Fest der Folkies frisst sich ins biedere Leben. Ein gestandener Fan aus Hamburg klingelt und zeigt …

Ä Worldwide Letter

Donnerstag, 03. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Mei good girlfriend Antje Bebende Erde (this is her native name, the real name is very geheim!) makes a Studienreise in the staaten, because she is gucking to the Indianers. Also write she in a good indo-american dialect – and I will trainee also my american language, dadermitt I she …

21 Biographien

Mittwoch, 02. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Morgen soll das Bibliotheksgesetz im Landtag verabschiedet werden. Vor fünf Wochen hatten zwei Dutzend Leser-Vertreter das ihre zum Gesetz gesagt. Von deren friedlichen und freundlichen Vorschlägen ist nichts übriggeblieben. Lediglich eine selbstverschuldete Dämlichkeit bei den Studiengebühren wollte die ARROGANZ DER MACHT nun ausgerechnet mit diesem Gesetz ausbügeln. Das wenigstens ist …

Fauler Dichter-Montag

Dienstag, 01. Juli 2008 - Matthias Biskupek

Schreiben ist Vergangenheitsbewältigung. Über den Montag kann man erst am Dienstag schreiben, über das vergangene Jahr, erst dieses Jahr, über den Zweiten Weltkrieg erst im Dritten … also was geschah gestern:

Der positive Buckel

Montag, 30. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Mein Konto hat einen positiven Buckel bekommen. Wie das? Die Steuerbehörde überweist die von mir im Jahre 2007 zu viel gezahlten Umsatzsteuern zurück. Haben wir nicht großartige Behörden? Sind Finanzämter nicht die reinsten Freuden-Häuser? Wir wollen sie folglich loben und preisen und lobpreisen – bis zur nächsten Prüfung oder Nachzahlungsforderung.

Dresdner Kulissen, Leipziger Chemiker

Sonntag, 29. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Der Blick auf die Straßenzüge links und rechts der Dresdner Frauenkirche lässt eine Theaterkulisse aufscheinen – der Fluch der Kopie. Gestern wurde mir das zum ersten Mal so deutlich bewusst – vor der Geburtstagsparty im Zschonergrund bummelten wir durch die Stadtmitte.

Julia und Wismut Aue

Samstag, 28. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Ein passender Freilufttheaterabend auf der Heidecksburg gestern. Die Vögel, wohl kaum Lerche oder Nachtigall, zwitscherten in die Shakespearschen Oneliner aus „Romeo und Julia“; gelegentlich gab es Glockentöne und das Echo vom Zug aus dem Tal. Diese Inszenierung war vielleicht Uta Koschels beste Tat in Rudolstadt, nach ihrem „Hafen der Sehnsucht“. Nancy Fischer hat sich in ihrem einen Rudolstädter Jahr erstaunlich entwickelt, sie ist eine Julia weitab vom braven Klischee, fordernd.

Schadensersatzeuronen

Freitag, 27. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Es gibt eine harsche Reaktion auf dieses Tagebuch – natürlich nicht als Tagebuchkommentar formuliert, sondern auf Papier mir ins Haus geschickt. Ich hatte einen Bekannten zitiert – und der will nicht öffentlich im Netz stehen. Nehmen wir’s halt raus …

Kinderschänder, Nazi, Stasi, Vegetarier

Donnerstag, 26. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Lese Irina Liebmanns Bericht über ihren Vater Rudolf Herrnstadt: Die goldenenen zwanziger Zeitungsjahre, die Sowjetemigration, der frühe DDR-Aufbau.

Letzte Reservisten

Mittwoch, 25. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Ganz plötzlich vermehren sich jene Autos, die mit großen schlackernden schwarzrotgoldnen Ohren die Gegend aufmischen. Nachdem alle Berliner Radiosender die Stunden herunterzählen - noch acht, noch sieben, noch sechs Stunden bis zum Anpfiff – bin ich fast versucht, heute Abend keine Fanmeile aufzusuchen. Aber eben nur fast …

Drommeln für Patriotismus

Dienstag, 24. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Blauer Himmel über der noch friedlichen deutsch-türkischen Stadt. Werde alsbald zu den Reserveoffizieren Oldenburgs fahren, die von mir über Ost-Patriotismus belehrt werden wollen.

Gotteskrieger und Ewiger Friede

Montag, 23. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Bei Kusche ein Manuskriptbündel geholt, das zu durchforsten ist. Allerlei Klatsch gehört, vorwiegend über jüngst Verstorbene.

Lubitjel futbola

Sonntag, 22. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Freunde veranstalten ein Sommerfest in der Weimarer Altenburg. Vanda spielt am Flügel Schumann, Brahms, erzählt darüber und hat in ihrer Sprache jenes leicht rollende R, das auf Osteuropa hindeutet.

TV-Moderatorengattinnen & Wehwalt

Samstag, 21. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Morgendliches Medienstudium verrät das Literaturverständnis des MDR-Fernsehens. In der nächsten Büchersendung stellen Frau Kloeppel (Gattin eines TV-Moderators) und Frau Lallinger (TV-Moderatorin – sie kann ja nix für ihren sprechenden Namen) unter Leitung von Frau Fröhlich (TV-Moderatorin und TV-Moderatorengattin) ihre hochwichtigen Buchabsonderungen vor. Wie anders hingegen das FIGARO-Radio – das ist morgen auf Ranis zu Gast.

Schorlemmers Predigt

Freitag, 20. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Lothar Kusche bereitet für seinen achtzigsten Geburtstag nächstes Frühjahr ein Büchlein vor. Ob ich ihm einen Text – Vorwort, Interview, Deutungsleitfaden – dafür lieferte? Immer gern – irgendwann wird man übergangslos vom Selbstdichter zum Laudator.

Milchdiktatur & Provinzdiseuse

Donnerstag, 19. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Sitze am späten Nachmittag bei Uschi Amberger auf der Terrasse. Sie serviert Erdbeeren mit Sahne, Bier und hat allerlei Ideen für das Theaterfest zum Spielzeitauftakt.

Gröllmann war Stasi

Mittwoch, 18. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Nun bringen alle Zeitungen etwas zum Jenny-Gröllmann-Dokfilm – und fast kein Kino zeigt ihn. Das Schlimme: Da schreibt das eine Blatt sogar: „J.G. von der Vergangenheit eingeholt“ – darauf anspielend, dass ihr – auch von Exehemann Mühe – IM-Tätigkeit unterstellt wurde. Ein Prozess, leider erst nach ihrem Tode, bewies: Nein, dem ist nicht so. Die Behörde irrte auch hier. Tut nix, die Gröllmann war Stasi. Tut nix, der Jude wird verbrannt. Immer dasselbe – ob IM oder Neuschäfer – was Medien sagen, muss richtig sein. Irgendwas wird dran sein.

Tödliche Mischung

Dienstag, 17. Juni 2008 - Matthias Biskupek

„Im Kultusministerium herrscht eine tödliche Mischung aus Ignoranz und Finanznot.“ Ein Zeitungszitat von heute – zum Theater Eisenach wurde selten so viel geschrieben, wie jetzt, da die Schließung Wirklichkeit wurde.

14 Arten den Regen zu beschreiben

Montag, 16. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Es pladdert ungehemmt und ungebremst aufs Dach.
Tropfen laufen brav nacheinander an den Scheiben herunter.
Die Blätter werden noch grüner; vielleicht heißen sie bald Die Grünen.
Es pitscht und patscht und blubbert und troppt.
Regenschirme gibt es als Virenschutzsymbol.
Unter den Bäumen regnet es zweimal.
Es gießt wie aus Eimern.
Seltsam im Regen zu wandern.
Eine gebrochene …

Das Stahlquartett

Sonntag, 15. Juni 2008 - Matthias Biskupek

„Freiheit!! Vorwärts! Leise…“ singen Horden von Schauspielern heute morgen im FIGARO-Kinderhörspiel. Das weist auf eine DDR-Produktion hin.

Cafe Wagner und Voller Wichs

Samstag, 14. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Ein freundliches, zahlreiches Publikum im Studentencafe Wagner will sieben jungen Dichter – die meistens Erzähler sind - hören. In den Gassen Jenas tobt auf allen Bildschirmen derweil der Kampf der Niederländer gegen die Franzosen.

Trost und Tod in Texas

Freitag, 13. Juni 2008 - Matthias Biskupek

In der Zeitung eine winzige Meldung: Nach einem mehrmonatigen Moratorium wird die Todesstrafe in Texas wieder praktiziert.

Dazu passend gestern die Lesung von Arthur Führer, unserem Schriftstellerverbandsfreund aus Bottrop. Er erzählt von seinem Kampf gegen den staatlichen Mord in Texas. Sein Mündel, zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre, wurde nach sieben Jahren Todeszelle in den Wirren nach dem 11. September ohne Vorankündigung hingerichtet.

Karl Dall

Donnerstag, 12. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Seltsamer Traum: In Arnstadt soll eine Lesung sein, allerlei Literaturwissenschaftler sind dabei, die ich kenne, von Bernd Leistner bis Hans Richter. Wir beziehen Quartier in einem riesigen Schlafsaal, die Sachen werden auf den Metallbetten ausgebreitet. Aber ich habe kein Manuskript dabei. Alle reden begütigend auf mich ein: Du kannst deine Texte doch auswendig … Ganz real muss ich heute abend nicht selber lesen, sondern nur einem Kollegen in Bad Blankenburg zuhören.

Ein Gleichberechtigungspraktikum

Mittwoch, 11. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Merkwürdige Beobachtung an der Ecke Knaakstraße. Ein jüngerer Mann, kurzbehost, Langlockenhaar, kommt mit einem Kinderwagen angeschoben. Ihm entgegen eine der Prenzlauerbergjungmütter – gefühlt Anfang vierzig - Schlumperkleid, ebenfalls mit Kinderwagen.

Prenzlauer Berg ist Holland

Dienstag, 10. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. In einer spanischen Kneipe sitzt der Verleger Christoph Links, einst Experte für lateinamerikanische Literatur. Er erzählt mir, dass seine Arbeit über die DDR-Verlage fertig sei – zur großen Feier dessen bin ich aber wieder in Thüringen. Da wird er nun wohl bald Dr. Links heißen.

Altbackenes Lyrikverständnis

Montag, 09. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Rudolstadt (Thür) 09.06. ab 13.39 Gleis 2 RB 16910 / Jena Paradies 09.06. an 14.10 Gleis 2 / Jena Paradies 09.06. ab 14.42 Gleis 2 ICE 1508 1 Sitzplatz Wg. 37 Pl. 74 / Berlin Hbf (tief) 09.06. an 17.00 Gleis 7

Einsendeschluss & Bernd, das Brot

Sonntag, 08. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Die Wahl für die schauspielerische Leistung des Jahres am Theater Rudolstadt ist gegessen. Es gülded, wie Ruudlschdädder sagen, der Einsendeschluss und selbst wenn noch diverse Abstimmungsbögen persönlich abgegeben werden würden – das Ergebnis steht festgemauert in der Erden. Die „Caroline“, den Preis des Theaterfördervereins, bekommt am 20. Juni 2008 …… darf ich noch nicht verkünden.

Die Nacht im Allgemeinen Bett

Samstag, 07. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Mühlhausen, Bibliothek: Sie wurde ganz erstaunlich großzügig mit viel Gestänge, Treppenglas und hellem Holz mitten in die Jakobikirche gebaut. Ein Bayer soll entsetzt darob gewesen sein: Was die DDR aber auch alles verbrochen hat! – Der letzte Gottesdienst in der Kirche fand vor 170 Jahren statt – quasi eine vorauseilende …

Strafarbeit

Freitag, 06. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Früher musste man fünfzig Mal schreiben: „Ich darf nicht auf dem Schulhof herumrennen!“. Heute muss ich meinen eigenen Text, den ich für den Zeichenmenschen Kay Voigtmann erdachte, schön ordentlich auf zartgelbe Bögen schreiben. Das ist der Fluch, respektive der Segen der guten Tat für die bibliophilen Sammler. Mein Sammler wartet am Bodensee auf meine Schönschrift. Damit könnte ich – irgendwann – ins Museum kommen.

Wunderbares Oberschlesisch

Donnerstag, 05. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Die Zeitungs- wie auch die Blogwelt nimmt heute Notiz von mir, gleich mehrmals. „Sapere aude“, der Ignaz Wrobel des Blogs, antwortet auf meine Ironie mit ebensolcher. Das gefällt mir denn doch und ich unterdrücke jegliche Ironiezeichen.

Biergarten mit Lächelmond

Mittwoch, 04. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Ganz Berlin ist am gestrigen Sommerabend ein riesiger Biergarten, mit ein paar Baustellen und Schneisen für den rasenden – manche meinen fließenden – Verkehr. Italiener reiht sich an Italiener. Griechen, Deutsche und Chinesen unterliegen zahlenmäßig klar; Inder, Sushinesen und Neuberliner Küche (bei mir um die Ecke) sind zu wenige, um reihenweise aufzufallen.

Was spielte Karin Düwel?

Dienstag, 03. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. In der Stadt des Aufbau-Verlags-Bebens. Alle Zeitungen sind voll; am klarsten und witzigsten schreibt Elmar Faber, ganzseitig im ND. Immerhin kam nach Fabers Ausstieg aus dem Verlag auch mit dessen Zustimmung Lunkewitz zu seinem Imperium.

Ein Wein namens “Nathalie”

Montag, 02. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Grad schickt mir Ingrid Annel die erweiterte Presseankündigung für unsere Vorstellung junger Preisträger im Jenaer „Cafe Wagner“. Manche lesen erstmals, andere sind Wiederholungstäter. Bei einer meiner ersten Lesungen in einem riesigen Magdeburger Saal bekamen wir fünf Jungdichter zusammen 50 DDR-Mark – kauften davon viele Flaschen Wein namens „Nathalie“, der „aus Weinen volksdemokratischer Länder“ zusammengesetzt worden war.

Traktat zum Kindertagsrassismus

Sonntag, 01. Juni 2008 - Matthias Biskupek

Die Regenmenge von gestern war doch mehr, als ein paar Kaffeetassen voll: fünf Wassereimer pro Quadratmeter. Unser Keller steht winzige drei Zentimeter unter Wasser.

Es gewittert

Samstag, 31. Mai 2008 - Matthias Biskupek

im Moment. Über den Hain ziehen erstaunlich schnell die Regenwolken hinweg. Rings um unsere Wohnung pladdert es auf den Balkon, die Pflanzen, in leere Eimer. Nachher könnte ich Wetterdienst spielen und mitteilen:

Gesetz und Mord

Freitag, 30. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Die Anhörung gestern im Landtag zum Bibliotheksgesetz hat in mir den Politikverdrossenen geweckt. Schon merkwürdig, dass zunächst zwei Bürokratie-Vertreter sehr lang und breit ihre Standpunkte äußern dürfen, assistiert von der CDU-Fraktion: Nichts wäre schlimmer, als

Italien in Deutschland

Donnerstag, 29. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Die Sommerabende haben begonnen, bei denen man bis Mitternacht kurzärmlig draußen sitzen kann. Die letzten Spitzen des Ginko-Baumes sind beblättert. Wenn der Zug links am Saaleufer entlang fährt, hört man ihn

Hirsch, ein Siebzig-Ender

Mittwoch, 28. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Gestern im Leipziger „Haus des Buches“. Der Holzstecher und Buchgrafiker Karl-Georg Hirsch feiert seinen Siebzigsten – den eigentlichen Geburtstag verlebte er auf seinen sächsischen Landgütern. Ein Verlebemann? Der Leipziger Bibliophilen-Abend brachte zum Anlass eine exklusive Mappe heraus, mit 33 Texten und Grafiken von Freunden: „Je älter der Hirsch, je mehr …

Manchmal ist’s Essig

Dienstag, 27. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Eine seltsame Erfahrung gestern Mittag in einer der vielen mediterran-exklusiven Speisebüdchen in der Prenzlauer Allee. Linsensuppe mit viel Gemüse und Gewürzbrot steht auf der Schiefertafel. Im Laden eine hübsche Frau mit Problemen bei der Aufnahme meiner Bestellung. „Lin-Sen-Suppe“ sagt sie und verschwindet.

Wasserbad und Reserveoffiziere

Montag, 26. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Nach fast dreiwöchiger Abwesenheit einige Überraschungen. Aus dem Postkasten purzelt die Post. Ich bekomme einen Mercedes fast geschenkt, na ja 9 999,99 Euro, gebraucht, wenn ich jetzt sofort zugreife. Außerdem hat man für mich Digits gesammelt, was immer das auch sind. Die Telefonrechnung ist erfreulich niedrig – war ja auch nicht hier zum Telefonieren.

Armeegrüne Suppentöpfe

Sonntag, 25. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Traum zum Sonntag: Langen mit dem Fahrrad (!) in Bamberg an, wo es eine zentrale Essensausgabe gibt. Gewaltige Suppentöpfe, sehr armeegrün. In der Schlange stehen allerlei MDR-Mitarbeiter, die ich alle kenne. Doch nur, wer Suppe abgab, bekommt auch welche ausgekellt. Niemand hat etwas abgegeben, also bekommt auch niemand etwas – aber alle stehen Schlange.

Gemecker und Lobpreisung

Samstag, 24. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Nachträge zur Radtour durchs Taubertal: Um das Fahrrad aus Thüringen per Zug dorthin zu transportieren, steige man in diesen Bahnhöfen um: Saalfeld, Lichtenfels, Fürth, Neustadt an der Aisch, Steinbach bei Rothenburg. Immerhin ist das Ganze in fünf Stunden zu schaffen – gelegentlich braucht man für die Einstiege, vor allem in Bayern, einen Gewichtheber, der Fahrräder über den Kopf zu stemmen vermag.

Nach Aschaffenburg

Freitag, 23. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Manche Texte kleben wie Leim: „Auf dem Wege nach Aschaffenburg / Brannten plötzlich alle Affen durch“. Gestern die vorletzte Radetappe durchs Taubertal und am unteren Main entlang. Sie endete just dort, wo die dämlichen Affen durchbrennen.

Der Weihling und der Rezensent

Sonntag, 18. Mai 2008 - Matthias Biskupek

In Sachsen zur Jugendweihe der Nichte. Der Weihling – vielleicht aber müsste es korrekt „Die Weihlingin“ heißen? - trägt stolz kein blaues Halstuch, sondern ein

In hohem Maße empört

Samstag, 17. Mai 2008 - Matthias Biskupek

„Sehr geehrter Herr Biskupek, wir sind über Ihre Darstellung unserer Arbeit nicht nur enttäuscht, sondern auch in hohem Maße empört.“ Den Brief vom Dezember 2006, der so beginnt, habe ich heute morgen heftig gesucht – und schließlich gefunden.

Saarland & Poeten

Freitag, 16. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Wachswetter am Freitag. Wenn der Regen sanft ist und alles nach Erde riecht, sagen die Leute: Wachswetter. Der Skifahrer verbindet was ganz anderes damit: Wachs-Wetter. Und die Bienen haben in ihrem Großen Bienenvölkischen Wörterbuch sicherlich auch diesen Begriff in eine Wabe gepackt: Wachs-Wetter.

Gefilmt

Donnerstag, 15. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Da und dort in Rudolstadt sieht man Filmleute. Scheinwerfer, Kameras, Mikros an Angeln. Gleich drei Produktionen brauchen ihre Kulissen – da entsteht ein halbstündiges ZDF-Theaterporträt, dort werden für einen Spielfilm über das Leben Tolstois „russisch aussehende“ Mitspieler gesucht. Und als „Bilderbuch Deutschland“ dreht die ARD etwas Heimathübsches. Die Zeitung berichtete, letzteres sei gewiss die Wiedergutmachung für die Negativ-Berichterstattung in Sachen Pfarrer Neuschäfer. Wer Dreh-Vorlaufzeiten kennt, kann diesen Glauben unter Ulk verbuchen.

Irena, Pawel und der bremische Literaturprofessor

Mittwoch, 14. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ bekommt eine neue Bedeutung, doch wer assoziiert solche in diesen brecht- und bildungsfernen Zeiten? Viel wichtiger: BILD-Chef Kai D. ist Trauzeuge von Altbundiskanzel K.

Das enge Kulturkuddelmuddel

Dienstag, 13. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Tägliches Wundern am Morgen: Das Lokalblatt macht groß mit dem FC-Zeiss-Rücktrittsdebakel auf, klein am Rande das Erdbeben in China. Da ist wohl ein Sack Reis umgefallen.

Texas in Triptis

Montag, 12. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Morgens um sieben ist die Welt noch still. Ein Hund sucht sich seinen Baum aus; seine Herrin versucht, sich ihre Zigarette anzustecken. Noch kein Flugzeug versucht, eine Spur an den Himmel zu heften. Ich versuche,

Schmeichelnde Handläufe

Sonntag, 11. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Ein Traum: Irgendwo hinter dem Thüringer Wald große Wohnblocks – die sollen umgebaut werden als Künstlerwohnungen. Bin mit einigen Freunden als „Experte“ eingeladen: Wie bringt man Künstler unter?

Hinten weit in der Türkei

Samstag, 10. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Große Formate voller winziger Köpfe, Schnörkel, Narreteien. Dazu Fotos mit jenem fremden Blick, den Kunstwissenschaftler gern beschwören: Die Ausstellungseröffnung von Andreas Berner gestern in der Weimarer Stadtbücherei war auch deshalb gut, weil Helge Pfannenschmidt, Verleger und Essayist, als Freund und Kenner sprach, aber nicht kennerhaftes Feuilletondeutsch abließ.

Aus pastoralem Munde

Freitag, 09. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Gäbe es keine Zugfahrten, schaffte ich nie meine Lektüre. Zwischen Berlin Hbf und Jena Paradies lese ich Kerstin Hensels „Lärchenau“ zu Ende. Wunderbarer Roman, in Qualität und historischer Dimension ihrem „Spinnhaus“ vergleichbar. Meisterhaft verquickt sie Vogtländisch und brandenburgisches Berlinisch - für das Vogtländische benennt sie Helfer im Nachsatz. In den von ihr zitierten Geheimprotokollen entdecke ich Gemeinsamkeiten zu meinen „Moralischen Anstalts-Protokollen“ („Grammatik stillschweigend berichtigt“) – Die Sprache der Dienste ist leis / und nur Du kannst sie höhören. / Worte drehn sich im Kreis … So viel an Morgenlyrik.

Brötchen-Community und Tiefgekränkte

Donnerstag, 08. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Morgens um sieben; die Autos tirilieren und die Vögel knattern. Frühstück beim Brot-Bäcker – ich beobachte die meist jungen Kümmelstangen-, Buttermilch-, Crois-sant-, Bockwurst-Käufer. Die Verkäuferin fragt nach:

Short List

Mittwoch, 07. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Der Wasserturm ist zugewachsen und die Fliederbüsche blühen fliederfarben. Die Stadt Mülheim will einen Spezialisten über Ost-Kabarett – irgendwann im nächsten Jahr. Merkwürdigerweise sind nicht genug westliche Spezialisten über Ost-Kabarett herangewachsen. Man greift noch immer gern auf uns Ewiggestrige zurück.

Erziehung zum Chorgesang

Dienstag, 06. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Soeben das Wochen-Textlein für die TA-Druckausgabe weggeschickt. Beschäftigt sich – wie originell – mit Tagebuchtexten.

Die thüringische Tages-Kultus-Meldung von gestern bestimmt das Blätterrauschen. Ich höre die Kommentatoren chorisch reimen: Krause – geht nach Hause! Althaus – sieht alt aus! Irgendwie widerstrebt es mir, in diesen Chorgesang einzustimmen.

Kleinkram am Montagmorgen

Montag, 05. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Glosse „Der fröhliche Friedhof“ überarbeiten, wegschicken.
„Der soziale Wellensittich“ für meinen Lindauer Sammler signieren, eintüten.
Überweisungen.
Einnahmen in Excel-Tabelle eintragen.
Webseite aktualisieren.
Tagebuchnotiz für die TA schreiben, wegschicken.

Ängern im Netzwerk

Sonntag, 04. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Am Sonnabend große Radrunde gen Kapelle Weitersdorf und Hexengrund. Hoher Himmel, drei rasende Autos, die Kochberger Kneipen stehn noch allesamt still und schweigen. In Engerda Station – Peupelmanns haben ihre Pension unter tunundlassen.eu ins Internet gestellt. Wir sehen vom Hof auf die gewellte Horizontlinie – im logo findet sie sich wieder. Kollege Goethe hätte sogleich das passende Distichon verfertigt:
In Ängern fließen und steigen gar munter die Linien der Berge / Im biedern Netzwerk fürs Volk lädt man sie zierlich herab.

Feuilletonistisch verwursten

Samstag, 03. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Ein elektronisch Brieflein von einer Studentin. Maria W. betreute ich mal während eines Schreibseminars, später meldete sie sich gelegentlich aus Estland. Jetzt arbeitet sie an der Akademie der Künste und schreibt an einer Arbeit über Walter Kempowski, fragt:
- hattest Du regelmäßigen Kontakt mit Kempowski? Was war der Anlass dafür?
- hast Du ihn jemals getroffen?
- welche Rolle spielt(e) er in Schriftstellerkreisen?
- kennst Du Leute, die auch mit ihm Kontakt hatten und/oder ihn getroffen haben?

Jahrgang 84 und die schreibenden Arbeiter

Freitag, 02. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Theaterpremiere der „LebensZeichen“ in der Unterwellenborner Gasmaschinenzentrale. Wie schön, dass Kollege Henryk G. abgewogen-aufklärend darüber schreiben muss, flankiert von den Wettbewerbern Frank Q., Angelika B. u. v. a. Ich darf mich ganz dem subjektivistisch-einzelgängerischen Beobachten für meine spätere Erinnerung hingeben.

Mampf- und Speisetag unter Kollegen

Donnerstag, 01. Mai 2008 - Matthias Biskupek

Am Feiertag sitze ich erst um neun am Computer und erzähle der Tagebuch-Rubrik was. Früher hieß der 1. Mai despektierlich „Mampf- und Speisetag der Ferkeltätigen“, jetzt hat er „Tag der Arbeit“ zu heißen“, wie bei den Nazis feierlich eingeführt. Da er aber heuer mit Himmelfahrt zusammenfällt, wird in offiziellen thüringisch-mitteldeutschen Medien zuvörderst kristenliche gesummet. Das Volk hingegen feiert „Vaaderdaach“.

Sex aus neunzehn

Mittwoch, 30. April 2008 - Matthias Biskupek

Meine Verwaltungsberufsgenossenschaft – was für ein Begriff aus drei deutschen Wortgetümen: Verwalten, berufen, vergenossenschaften – schickt mir den Beitragsbescheid. Vierzig Prozent höher als die Jahre zuvor. Auf meine Nachfrage: Ja, die Gefahrklasse für Künstler und Schriftsteller sei eben angehoben worden. Stürze ich jetzt tiefer vom Stuhl? Implodiert mein Computer jetzt explosiver? Wird das Ringen mit Verlegern um Honorare noch grausamer? Welche schweren Verletzungen erleide ich künftig von der öffentlichen Kritik? Laufe ich Gefahr, beim Waldspaziergang entführt zu werden? Die Wege der über mich Macht Habenden, zu Geld zu kommen, sind unerforschlich.

Medienschelte & Eulenspiegel

Dienstag, 29. April 2008 - Matthias Biskupek

Den Tag mit Medienschelte beginnen. Dies würcket wie Laxin und behebet Verstopppfung.

Das eine Blatt verwechselt Horst Eberhard Richter und Edelbert Richter, in der taz gibt es jetzt 42 (!) Leserkommentare zum verunglückten Neuschäfer-Wyputta-Artikel und alle anderen sind höchst empört über die Bürger von Amstetten, die im Keller-Inzest-Fall nichts gesehen haben wollen.

Lesen und Lesen lassen

Montag, 28. April 2008 - Matthias Biskupek

Wieder mal eines meiner hartnäckigen Vorurteile bestätigt. Gestern abend bei der Buchvorstellung in Weimar „ANNO 1900 – Eine literarisch-kulinarische Ausschweifung in 15 Gängen“. Geschrieben von 16 Autoren, von denen ein Dutzend anwesend war.

Ein Stapel Erotik

Sonntag, 27. April 2008 - Matthias Biskupek

Während ich heut morgen stehradle – Achtung! Begriff wird anstelle des allgemeinverständlichen Hometrainer-biking benutzt! – sehe ich die Platanen vorm großen Fenster ungestüm wachsen: „Die Sonne lacht – das hat die CDU gemacht!“.

Schaust Du zu mir, schau ich zu Dir

Samstag, 26. April 2008 - Matthias Biskupek

Wie ich grad beim sonnabendabendlichen Zeitungslesen im Netz finde, hätte ich meinen Beitrag über den 26. April im Laufe der Jahre erst heute einstellen sollen – bitte liebe Leserin, schaue ganz fix unter dem 25. April nach. (Oder habe ich doch gelegentlich 1 Leser?)

Borschtsch zur Einstimmung

Freitag, 25. April 2008 - Matthias Biskupek

Berlin, Kolmarer Straße. Ein sehr merkwürdiger Traum: Bin in einer militärischen Formation, eine große Reihe von exotischen Uniformen. Mir wird gesagt, ich habe Befehlsgewalt. Alles steht da und wartet auf ein Kommando von mir. Es dauert ewig, mir wird immer unwohler. Was für Kommandos gibt es? Schließlich sage ich: Rührt Euch. Wegtreten.

Nix ist geklärt

Donnerstag, 24. April 2008 - Matthias Biskupek

In aller Herrgottsfrühe höre ich auf MDR-Figaro Kollegen Henryk G. über den neuen Thüringer Kultusminister Peter K. sprechen. Wer Radio-Modalitäten nicht kennt, wird Kollegen G. jetzt bewundern: so zeitig ist der schon gut drauf!

Nur Dir, liebes Tagebuch, vertraue ich an …

Mittwoch, 23. April 2008 - Matthias Biskupek

… oder Was Schriftsteller Wichtiges erleben.

Der Satz ist nicht von mir. Ich habe noch gelernt, in richtigen Papierbüchern zu lesen. Im richtigen Papierbuch meines verehrten Kollegen Günter de Bruyn „Maskeraden“ von 1966 steht der Satz auf Seite 127. Durch googeln ist diese Quelle (noch) nicht zu finden.